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seinen wissenschaftlichen und künstlerischen
Bestrebungen hingeben wollte. Mehrere
Jahre später, im Jahre 1841, hatte er
die Allerh. Bewilligung erwirkt, sich im
k. k. Münz» und Antikencabinete verwen«
den zu dürfen, aber damals bereits war
er so leidend, daß er aus Gesundheits»
rückfichten den ganzen Sommer über auf
dem Lande zubringen mußte und schon
im Jahre 1842 diese mit seinen Lieb-
lingswünschen vollends übereinstimmende
Stellung wieder aufzugeben gezwungen
war. Noch ist zu bemerken, daß L. dem
Herrn Erzherzog Franz Joseph, nun-
mehrigen Kaiser von Oesterreich, Vor«,
träge über mittelalterliche Waffenkunde
hielt. Die letzten Jahre seines Lebens
wurden 3., der seit 23. Jänner 1837 mit
Mathi lde von Frank verheirathet
war, viel durch körperliches Leiden ver»
bittert und war er von 1842 an genö«
thigt, jeden Sommer mit seiner Familie
in Baden zuzubringen. I m Sommer des
Jahres 1843 schien eS fast. es habe seine
Gesundheit sich so gekräftigt, daß jeder
Grund zu weiteren Besorgnissen wegfiel.
Aber im Herbst 1846 trat dag Leiden mit
einem Male wieder energischer auf als
je zuvor, und nach einigen Wochen hatte
L., der erst 43 Jahre alt war, unter
fürchterlichen Schmerzen geendet. Diese
kurze Spanne Zeit, in welcher es ihm in
der ihm so sehr zusagenden Richtung zu
wirken und zu schaffen gegönnt war. hat 3.
gewissenhaft ausgenützt. Ein Freund der
Geschichte und Alterthumskunde hatte er
mit besonderer Vorliebe die deutsche
Vorzeit zum Gegenstande seiner For>
schungen gemacht und Kunstgeschichte,
Sittenzüge, Kriegsgebräuche, Rüst» und
Waffenwesen waren es, die ihn besonders
anzogen. Während er diese anziehenden
Studien emsig trieb, legte er gleichsam
als Förderung derselben drei Sammlun» gen an, eine von Handzeichnungen und
Kupferstichen, welche treffliche Abdrücke,
manche Seltenheit und im Ganzen an
siebenthalbtausend Blätter enthielt; dann
eine Sammlung von Büchern über
Waffen« und Costumkunde, Baukunst,
Reisen und Biographien, in der fich auch
mancher werthvolle Schatz befand; die
dritte und werthvollste aber war eine
archäologische Sammlung von Nüst. und
Waffenstücken, mittelalterlichem Haus»
geräth, Glasgemälden und anderen
Kunstgegenständen, darunter manches
äußerst werthvolle Prachtstück, das aus
fremden Landen in seinen Besitz gelangte.
Umgeben von diesen Schätzen, trieb er
seine Studien, welche auf diese Art den
Charakter einer seltenen Gediegenheit und
Gründlichkeit annahmen. Ueberdieß be»
suchte 3. die reichsten Kunst» und Waffen-
sammlungen Deutschlands, um so durch
unmittelbare Anschauungen manche seiner
eindringlichen Forschungen zu vergleichen,
zu unterstützen oder zu berichtigen. Zwei
Gegenstände waren es zunächst, worauf 3.
sein Augenmerk richtete: Das Turnier-
wesen und der alte Burgenbau.
Ueber das Turnier wesen hatte er sich
die erschöpfendsten Kenntnisse angeeignet,
aber die im Jahrgang 1836 der von
Kaltenback herausgegebenen „Oester»
reichischen Zeitschrift für GeschichtS» und
Staatskunde" (S. 49—31 u. 38—36) ent-
halteneBesprechung von Bud ik's Schrift
über: „Ursprung, Ausbildung, Abnahme
und Verfall des Turniers" ist leider
die einzige Arbeit über diesen Gegenstand,
auf den er wohl noch einmal, aber auch
nur nebensächlich in seinen „Rückblicken"
zurückkam; eine erschöpfende Darstellung,
deren Gediegenheit schon obige Bespre-
chung ahnen läßt, mit allen erforderlichen
Abbildungen zu den 43 Arten des deut«
schen Turniers, die ihm mit vollkomme.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon