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zur Erreichung dieser Ergebnisse bestand
darin, das Vertrauen des In« und Aus.
landes zu beleben und die Zufriedenheit
der Bevölkerung herzustellen. Da war
es denn Baron 3 ed e r e r, der Redlichkeit,
Gewissenhaftigkeit, Ordnungssinn und
strenge lleberwachung der Gebarung mit
den Stlllltsgeldern als Grundlagen des
Staatshaushaltes betrachtend, entschie»
den an dem Grundsahe hielt, daß die ge>
wiffenhafte Zuhaltung aller Verpflichten«
gen des Staates, thunlichste Schonung
der Kräfte des Steuerpflichtigen und ein
strenges Controlfystem über alle Zweige
des Staatsaufwandes die richtigen Mit»
tel seien, um Vertrauen, Wohlstand und
Zufriedenheit zu begründen. Bei den
organisatorischen Arbeiten, welche die
Verschmelzung und Einrichtung der der
Monarchie durch die damaligen Frie-
densschlüsse zugefallenen Provinzen be»
zweckten, hatte 3. einen bevorzugten An-
theil. Den hie und d"a laut gewordenen
Zweifeln, ob diese Einrichtungen allen
Erfordernissen eines einheitlichen organi-
schen Baues entsprachen, steht die That»
sache gegenüber, daß sie mehr als eine
ganze Generation überdauert, daß inner-
halb dieser Periode Ruhe, Ordnung,
Sicherheit und Aufschwung in der Cul>
tur und im Wohlstande unverkennbare
Fortschritte in den betheiligten Zandern
gemacht haben; daß endlich jeder poli«
tische Organismus nichts Starres, sondern
ein Lebendes sei, und als solches einer
fortgesetzten Entwicklung und Ausbil«
düng bedarf, um nicht gegen die Bedürf-
nifse und Strömungen der Zeit zurückzu«
bleiben. Als Mitglied des Staatsrathes
und vertrauter Rathgeber zweier Monar«
chen, hatte 3. ein Wort mitgeredet bei
allen Verhandlungen, welche in der ersten
Halste des laufenden Jahrhunderts die
Aufmerksamkeit der Regierung für die Verbesserung der Commum'cation, für die
Hebung des Feldbaues, für die Belebung
des Handels, für die Erleichterung der
auf dem Grundbesitz ruhenden Lasten,
für die Beseitigung der Gebrechen in der
bestehenden Besteuerung, für die ausge«
dehntere Befriedigung der Bedürfnisse des
Unterrichtes, für die Erzielung eines inni°
geren Verbandes der Monarchie mit den
ungarischen Kronlandern und für die ver-
schiedenartigen Aufgaben der Gesehge.
bung und Verwaltung, welche in einem
so großen Staate fortwährend zu lösen
find, so vielfältig beschäftigt haben. Die
letzte Stelle, welche 3. übernahm, war jene
eines Gouverneurs der österreichischen
Nationalbank. Die vollständige Unab«
hängigkeit und Selbstständigkeit der Na»
tionalbank innerhalb der Grenzen ihrer
Statuten war nach seiner Ueberzeugung
die Grundlage ihres Credits; als diese
Ansicht nicht mehr volle Geltung fand,
brachte er seiner lang genährten Ueber«
zeugung seine Stellung zum Opfer und
trat aus seinem Wirkungskreise. Eine
Geschichte der Nationalbank, von ihrem
Entstehen bis zu ihrer Entwicklung in
der neueren Zeit, war so zu sagen der
Nachlaß für die ihm liebgewordene An»
stalt und sollte ein Wegweiser für Alle
sein, welche sich mit Credit »Instituten
beschäftigen. Diese Arbeit erschien unter
dem Titel: „Nie prillilegirtc ü2terreichiZche
Nllwnlll-Vllnk" (Wien 4847, gr. 8".). L.
wurde für seine Verdienste mit dem Com«
tnanoeurkreuze des St. Stephan>OrdenS
und der 4. Classe des Ordens der eiser«
nen Krone ausgezeichnet. Nachdem es
ihm, sobald er sich von allen Geschäften
zurückgezogen, gegönnt war. noch zwölf
Jahre der vollen Muße zu leben, starb er
im hohen Alter von 88 Jahren. Der aus
seiner Ehe stammende einzige Sohn
Kar l August ss. d. S, 296, Nr. ",)
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon