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nähme so oft sich ihnen Gelegenheit dar
bot; als er wieder einmal für kurze Zeit
nach Bayern ging. gaben sie ihm zu Ehren
ein schönes Abschiedsfest und „Sie sind ein
Meraner. und muffen bei unS bleiben",
war beim Festmahl der Gruß, den der
Scheidende freudig mit der That erwie
derte. daß er im Winter wieder in Meran
sah. Im Herbste 4830 fand zur Einwei-
hung des Meraner Schießhauses, bei dem
auch 3. nicht wenig thätig sich erwiesen,
ein Festschießen Statt, wozu
sich auch Erz.
herzog Johann als Schütze eingefunden
hatte. Bei den aus diesem Anlasse statt»
gehabten Festlichkeiten war wieder 3. der
leitende Geist, der den edlen Schützen
in finnigster Weise im Kreise der Seinigen
zu begrüßen und zu ehren verstand. Als
im Jahre darauf 3. sein Annele. eine
Meranerin. zum Brautaltare führte, da
feierten nun die Meraner ihren treuen
Genoffen auf gar rührende Weift. Der
Rath von Meran verlieh 3. das Ehrenbür
gerrecht der Stadt. Für so viele und lang
jährige Verdienste um die Ehre der Stadt
gebührte ihm dieser ehrenvolle Lohn zu
seiner Vermälung mit einem Fräulein von
Meran. 3. selbst nahm diese Huldigung
mit namenloser Freude auf und schrieb
darüber an einen Freund: „Ich setze einen
besonderen Werth darauf und bin stolz
über die Anerkennung einer Gemeinde,
als wäre mir Orden oder Adelsbrief von
einem Könige zugewendet". Jedoch war
dieses Glück zu groß, um von langer
Dauer zu sein. Sobald der Bezirkshauvt-
mann Kopp von dieser durch den Mera-
ner Stadtrath aus eigener Machtvollkom-
menheit verliehenen Auszeichnung Kunde
erhalten hatte, machte er sofort eine Ver>
ordnung vom 7. März 4830 geltend,
welcher zufolge nur österreichische StaatS-
bürger Gemeindeangehörige eines Ortes
im österreichischen Kaiserstaate fein können. Er hob nun den ungesetzlichen Gemeinde«
beschluß wieder auf und forderte unter
Einem den Meraner Magistrat auf, die
Lentnern ausgestellte Urkunde wieder
von ihm zurückzufordern! Lentner —
der einige Wochen Bürger des von ihm
so geliebten Meran gewesen — sandte,
daS von ihm geforderte Document zurück,
von dem er sich mit schwerem Herzen
getrennt. Es war dieß wohl der letzte
Schmerz, der seinem treuen Herzen geschla«
gen worden. Das Uebel, an dem er seit
Langem krankte, nahm nun immer ent<
schiedener den tödtlichen Charakter an.
3. litt und arbeitete in Meran. er schrieb
in dieser seiner letzten Zeit an der ober«
wähnten Ethnographie Bayerns, einige
Novellen, welche auch gesammelt als „Ge-
schichten ans drn Nergrn" Magdeburg 4831,
Baensch, 8".) erschienen sind, etwas Tiro.
lisches. wie die Schilderungen zu den
„Tirolischen Landschaften", welche Gregor
Bald i in Salzburg herausgab, und
welche wohl 3.'s allerletzte Arbeit gewe-
sen sein mochten. Als der Frühling 4852
nicht mehr ferne war, brach sein Lungen«
leiden heftiger los und er verschied, ohne
don Lenz zu erleben, nach kurzer Krankheit,
erst 38 Jahre alt, in den Armen seiner
Gattin, an der Wiege seines Töchterleins
in Meran. Seine schöne Büchersammlung
hatte er dem Gymnasium in Meran ver-
macht. Als man seine Leiche zu Grabe
trug, berichtet Steub. beeilte sich Stadt
und Land, ihm die letzte Ehre zu erweisen.
Man erinnert sich nicht, seit Menschen-
gedenkea in Meran einen solchen Zug
von Leidtragenden gesehen zu haben. Die
deutschen Fremden gingen dem deutschen
Dichter zu Liebe, die Meraner Bürger
dem langjährigen Gaste und Ehrenwart
der Stadt, und auch die edlen Bauern
von Mais und von Algund wollten noch
ein Vaterunser für ihn beten, der sie so
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon