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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Laicharding-Lenzi, Band 14
Seite - 368 -
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Lentner 368 Lenlner nähme so oft sich ihnen Gelegenheit dar bot; als er wieder einmal für kurze Zeit nach Bayern ging. gaben sie ihm zu Ehren ein schönes Abschiedsfest und „Sie sind ein Meraner. und muffen bei unS bleiben", war beim Festmahl der Gruß, den der Scheidende freudig mit der That erwie derte. daß er im Winter wieder in Meran sah. Im Herbste 4830 fand zur Einwei- hung des Meraner Schießhauses, bei dem auch 3. nicht wenig thätig sich erwiesen, ein Festschießen Statt, wozu sich auch Erz. herzog Johann als Schütze eingefunden hatte. Bei den aus diesem Anlasse statt» gehabten Festlichkeiten war wieder 3. der leitende Geist, der den edlen Schützen in finnigster Weise im Kreise der Seinigen zu begrüßen und zu ehren verstand. Als im Jahre darauf 3. sein Annele. eine Meranerin. zum Brautaltare führte, da feierten nun die Meraner ihren treuen Genoffen auf gar rührende Weift. Der Rath von Meran verlieh 3. das Ehrenbür gerrecht der Stadt. Für so viele und lang jährige Verdienste um die Ehre der Stadt gebührte ihm dieser ehrenvolle Lohn zu seiner Vermälung mit einem Fräulein von Meran. 3. selbst nahm diese Huldigung mit namenloser Freude auf und schrieb darüber an einen Freund: „Ich setze einen besonderen Werth darauf und bin stolz über die Anerkennung einer Gemeinde, als wäre mir Orden oder Adelsbrief von einem Könige zugewendet". Jedoch war dieses Glück zu groß, um von langer Dauer zu sein. Sobald der Bezirkshauvt- mann Kopp von dieser durch den Mera- ner Stadtrath aus eigener Machtvollkom- menheit verliehenen Auszeichnung Kunde erhalten hatte, machte er sofort eine Ver> ordnung vom 7. März 4830 geltend, welcher zufolge nur österreichische StaatS- bürger Gemeindeangehörige eines Ortes im österreichischen Kaiserstaate fein können. Er hob nun den ungesetzlichen Gemeinde« beschluß wieder auf und forderte unter Einem den Meraner Magistrat auf, die Lentnern ausgestellte Urkunde wieder von ihm zurückzufordern! Lentner — der einige Wochen Bürger des von ihm so geliebten Meran gewesen — sandte, daS von ihm geforderte Document zurück, von dem er sich mit schwerem Herzen getrennt. Es war dieß wohl der letzte Schmerz, der seinem treuen Herzen geschla« gen worden. Das Uebel, an dem er seit Langem krankte, nahm nun immer ent< schiedener den tödtlichen Charakter an. 3. litt und arbeitete in Meran. er schrieb in dieser seiner letzten Zeit an der ober« wähnten Ethnographie Bayerns, einige Novellen, welche auch gesammelt als „Ge- schichten ans drn Nergrn" Magdeburg 4831, Baensch, 8".) erschienen sind, etwas Tiro. lisches. wie die Schilderungen zu den „Tirolischen Landschaften", welche Gregor Bald i in Salzburg herausgab, und welche wohl 3.'s allerletzte Arbeit gewe- sen sein mochten. Als der Frühling 4852 nicht mehr ferne war, brach sein Lungen« leiden heftiger los und er verschied, ohne don Lenz zu erleben, nach kurzer Krankheit, erst 38 Jahre alt, in den Armen seiner Gattin, an der Wiege seines Töchterleins in Meran. Seine schöne Büchersammlung hatte er dem Gymnasium in Meran ver- macht. Als man seine Leiche zu Grabe trug, berichtet Steub. beeilte sich Stadt und Land, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Man erinnert sich nicht, seit Menschen- gedenkea in Meran einen solchen Zug von Leidtragenden gesehen zu haben. Die deutschen Fremden gingen dem deutschen Dichter zu Liebe, die Meraner Bürger dem langjährigen Gaste und Ehrenwart der Stadt, und auch die edlen Bauern von Mais und von Algund wollten noch ein Vaterunser für ihn beten, der sie so
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Laicharding-Lenzi, Band 14
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Laicharding-Lenzi
Band
14
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1865
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
550
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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