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Medicis trat, der ihn im Juli 1733 zum
Generaldirector der berühmten medi»
ceischen Gallerte in Florenz, im folgenden
Jahre aber zum Generaldirector aller
Festungen, Gebäude und Bergwerke in
Toscana ernannte. Nach J o h a n n
Gasto's des letzten Mediceers 1737
erfolgtem Tode kam B. in die Dienste
des Großherzogs von Toscana Franz
Stephan's von Toscana, Gemals der
Kaiserin Mar ia Theresia. B. behielt
die unter Johann Gasto bekleideten
Würdm. Schon als Generaldirector
der Bergwerke in Parma und später in
Toscana hatte B. den Grund zu seiner
spater so berühmt gewordenen Natura«
liensammlung gelegt, welche von Kaiser
Franz I. Stephan im Jahre 1748
angekauft und der Grundstock des heuti.
gen kais. Naturalien» und Mineralien»
cabinetes wurde. B. selbst wurde nach
Wien berufen und zum ersten Director
des neugegründeten Hof'Naturaliencabi»
neteS mit der vertragsmäßigen Versiehe«
ru:ig ernannt, daß diese Würde erblich
bei seiner Familie verbleiben, u. z. auf
den ältesten seiner Nachkommen in Oefter»
reich übergehen solle. Es folgte ihm
auch in derselben sein Sohn Ludwig
Valthasar von B., und erst dessen Sohn
Joseph entsagte diesem vertragsmäßig
bedungenen Vorrechte. Johann hatte
die Aufstellung der ganzen Sammlung
mit Beihilfe seines damals 18jähri»
gen Sohnes Ludwig 1749 vollendet
und ihre Ordnung und Vermehrung bis
zu seinem im Alter von 74 Jahren
erfolgten Tode sorgfältig überwacht.
B. war gründlich in den Naturwiffen«
fchaften gebildet; schon am Hofe des
Herzogs von Parma, seit 1728, hielt er
Vorlesungen über Experimental-Physik,
welche sich zu jener Zeit eines großen
Rufes erfreuten; er machte in denselben die Versuche Newton's über das Licht,
verfertigte sich die zu diesen Versuchen
nöthigen Instrumente selbst, wobei er
mitunter neue und sinnige Constructionen
erfand, unter anderem Sonnengläser,
welche die Gegenstande in einer außer»
ordentlichen Reinheit zeigten, eine Fall.
maschine, eine Art Reflexions - Gonio«
meter, einen Optometer u. dgl. m. Eines
seiner merkwürdigsten Werke und seiner
Zeit als ein kleines Weltwunder weit und
breit bekannt war die magische Grotte von
Colorno, welche auf den Wunsch des Her«
zogs entstand, eine originelle Zusammen«
stellung der sinnreichsten, von Bai l lou
selbst erfundenen und ausgeführten Auto»
maten war und durch eine scharfsinnige
Anwendung des Wasser» und Luftdruckes in
Thätigkeit gesetzt wurde. I n den Kriegs-
wirren zu Ende des 18. Jahrhunderts
ging diese Grotte zu Grunde. Sie wurdc
von einer Gesellschaft Arkadier, deren
Mitglieder aus parmesanischen Adeligen
und Gelehrten bestanden, in italienischen
Versen besungen und unter dem Titel:
„IiiiQ6 6.6^11 Xroaäi sopra 11 Fiaräino
äi tüolomo" (?iao6N2!2 1726) gedruckt.
Eine prosaische Beschreibung derselben
brachte Ioannot de Saint Laurent
in dem weiter unten genannten Werke
und außerdem ließ der Herzog Zeichnun»
gen des Gartens und der Grotte stechen.
Eine Beschreibung der Grotte in deutscher
Sprache gibt die unten in den Quellen
verzeichnete Monographie des Haupt-
manns B löch l inger . Wie bereits
bemerkt worden, begann B< als General«
director der parmesanischen Bergwerke
Mineralien und Verwandtes zu sacklmeln
und brachte bald eine der herrlichsten und
reichsten Privatsammlungen seiner Zeit,
welche die Bewunderung von Kennern
und Laien erweckte, zu Stande. Nicht aus
Liebhaberei, Prunksucht oder Ehrgeiz,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon