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zweiten Bande dieses Lexikons enthal-
tenen Lebensskizze Chezy's noch das
Folgende: Ch. arbeitete bis wenige
Jahre vor seinem Tode bei der „Presse",
für die er vornehmlich mit der Ueber»
setzung von Romanen beschäftigt war.
Als bald nach dem Tode seiner Mutter
Helm ine (gest. zu Genf 30. Jänner
4836) ihre Gesellschafterin die Memoiren
derselben herausgab und in tactloser
Weise viele den lebenden Sohn verletzende
Stellen darin stehen gelassen hatte, die
bei der Eigenthümlichkeit des Charakters
dieser sonderbaren Frau nicht immer
gerade die Signatur der Wahrhaftigkeit
an sich tragen, gerieth Ch. auf den Ge-
danken, seine eigenen Erlebnisse aufzu.
zeichnen. Die schonungslose Weise, mit
der er in denselben gegen seine eigene
Mutter auftrat, die freilich ihn zuerst
angegriffen, ist, vom sittlichen Stand«
puncte betrachtet, nimmermehr zubilligen.
Die Entrüstung aber, die einige Hyper-
Moralisten bei dieser Gelegenheit zur
Schau trugen, beweist noch immer nicht,
daß diese berechtigt waren, auf Ch. dm
ersten Stein zu werfen. Wie sehr Ch.'s
Verhältnisse in den letzten Jahren sich
auch zu seinem Nachtheile geändert hat«
ten, er war bis zu seinem letzten Athem»
zugeein achtbarer Charakter — fast möchte
man sagen, bei aller Armuth, ein echter
Kavalier —den leider das Mißgeschick zum
Schriftsteller gemacht, geblieben. Von
seinen Denkwürdigkeiten, die, wie Her-
ausgeber, der mit Ch. seit Jahren be>
freundet war, aus Ch.'s eigenem Munde
weiß, im Ganzen sechs Bände umfassen
sollten, sind nur vier Bände unter dem
Titel: „Grinnernngen aus meinem Ueben.
GrsteZ Nnch: Helmina und ihre Zähne",
2 Bände (Schaffhausen 1863, Hurter,
80.); „Suieiw Nnch: Helle und dunkle Zeit-
genasen", 2 Bande (ebd. 1864), erschie- nen. Das. erste Buch schließt mit dem
Jahre 4829 ab und enthält Ch.'s Iu-
gendgeschichte, eine in der Weise nieder»
ländischer Meister ausgeführte Zeichnung
seiner Mutter, viele und interessante Per«
sonalien, darunter Hammer-Pur g«
stall.Bauernfeld,Castelli, Gr i l l -
parzer, Zedlitz. Schlegel; das
zweite Buch, welches die Zeit von 1829
bis 4880 umfaßt, bringt gleichfalls
mehrere höchst denkwürdige Personalien,
darunter jene Spindler's und des
Historikers Gfrörer besonders hervor»
treten; daS dritte, durch seinen Tod
unvollendet gebliebene Buch sollte Ch.'s
Erlebnisse und Wahrnehmungen in Wien
seit 1830 schildern. Es sollen davon
nicht unbedeutende Fragmente im Nach.
lasse vorgefunden worden sein. I n jung«
ster Zeit veröffentlichte „Die Presse" (in
ihrer Beilage: Local« Anzeiger 1863,
Nr. 270) aus seinem Nachlasse: „Zur
Geschichte der Wiener Tagespreffe von
Schwarzenberg bis Schmerling". Chezy's
„Erinnerungen" charakterifirt ein compe«
tenter Schriftsteller, LevinSchücking,
wie folgt: „ In Chezy's Erinnerungen
liegt uns die fesselndste und unterhat«
tendste Selbstbiographie vor, welche seit
langem dem Publicum geboten ist. Ch.
ist ein Autor, welcher vor Jahren der
Literatur reiche Beisteuern an Novellen
und Erzählungen geliefert hat, deren
Verdienst weitaus nicht genug gewürdigt
ist. Wir kennen keinen Autor, welcher
es so wie er versteht, dem Hintergrunde
seiner Sittenschilderungen den richtigen
Localton zu geben, die Gestalten einer
gewissen Epoche in dem eigenthümlichen
Costume dieser Epoche erscheinen zu
lassen und die Personen reden zu lassen,
wie die Leute ihrer Zeit redeten. Er ist
ein Meister in der Anwendung alterthüm-
licher Redeweisen und in der Hervor»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon