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Lodron
seiner Zeit und sein Andenken lebt in der
Geschichte und Dichtung fort. Von unten auf
hatte er das Waffenhandwerk erlernt und sich
der Führung seines Schwagers, des berühm-
ten Georg von Freundsberg, der seine
Schwester An na zur Frau hatte, anvertraut.
Mit ihm machte er die Züge gegen die Vene»
tianer mit, die durch ihre Treulosigkeit gegen
Max imi l ian I. das Strafgericht herauf»
beschworen hatten. Dann kämpfte er als Oberst
einer Abtheilung Landsknechte, meist Hacken«
schützen, in der Lombardie unter Pescara
und Bourbon, welcher Letztere auf die Seite
des Kaisrrs übergetreten war. Pauia. das von
den Deutschen besetzt war und das damals
— o Wechsel der Zeiten! — so opferwillig
zum Kaiser stand, daß die vornehmen Frauen
Paoia's selbst an den Schanzen arbeiteten,
um den Franzosen unter ihrem ritterlichen
Franz I. den Kampf zu erschweren, wurde
r>on den Franzosen belagert und am 24. Fe-
bruar 1ö2ü kam es auf der endlosen Ebene
vor Pavia zur berühmten Schlacht, in wel-
cher Franz von Frankreich Sieg und Frei«
heit verlor. In dieser Schlacht hatte Lodron
tapfer gefochten und Lannoy schreibt in
dem Berichte, den er einen Tag nach der
Schlacht an den Kaiser, betreffs der deutschen
Anführer gerichtet: „Der Graf Lodron hat
Ihnen wohl gedient, wie auch alle deutschen
Anführer". Im Frühlinge 1327 wohnte Graf
L. dem denkwürdigen Zuge gegen Rom bei,
welches am 6. Mai erstürmt wurde, Auf
dem am 6. Juni g. I . mit dem Papste
Clemens geschlossenen Vertrage, in welchem
sich der Papst zur Zahlung uon 400.000 Scudi
und zur Abtretung mehrerer fester Plätze vcr»
pflichtete, stehen neben 13 Cardinälen viele
kaiserliche Feldhauptleutc und unter diesen
auch Ludwig Lodron unterzeichnet. Nach
dem Friedensschlüsse von Cambrai (8. August
1529) war Lodron aus Italien heimge-
kehrt , sollte aber nicht lange der Ruhe ge-
nießen. I n Ungarn hatte nach der Schlacht
bei Mohacs Johann Zapolya die Krone,
welche durch Erbuerträge dem Erzherzoge
Ferdinand zukam, an sich gerissen. Zapo»
lya hatte an den Türken einen furchtbaren
Bundesgenossen gefunden. Sultan Sule i
man war am 2l. September 1629 vor Wien
erschienen. In Kärnthen, Tirol wurden Geld
und Mannschaft gesammelt, welche zur Hilfe
nach Wien geschickt werden sollten. Graf
Lodron war damals in Tirol in dieser
Richtung thätig. Er hatte sich also bei dieser ersten Belagerung WienS nicht befuri'
den; hingegen im Jahre 1532, als die
Türken die Residenz zum anderen Male
bedrohten, befehligte er eine größere Abthei»
lung an einer der Donaubrücken. Die Türken
unternahmen dießmal keinen Angriff auf das
wohlvertheidigte Wien, verwüsteten dagegen
unter Kasim Veg das Land bis Linz. Da
entschloß sich Graf Ludwig , die Ungläu-
bigen zu strafen. Bei Baden griff er sie mit
neun Fähnlein Tirolern und Ungarn an und
brachte ihnen im Vereine mit dem Pfalz»
grasen Friedrich und dem Markgrafen
Joachim von Brandenburg, die sich an
dem Angriffe gleichfalls bctheiligt hatten, eine
furchtbare Niederlage bei. Doch die Gefahren
uon Seite der Türken verminderten sich nicht,
im Gegentheile, sie mehrten sich, als Chosrew
Bcg uun Bosnien und der Wojwode Murad
»aus dem Süden immer weiter vorwärts drangen
und vereint mit Mohamed Pascha unga«
rischcs Land eroberten. Diesem Treiben der,
tückischen Horden sollte endlich ein Ziel ge»
setzt werden. Ein Heer. 16.000 Mann Fuß«
volk und 8000 Reiter stark, wurde bei Kopro»
nicza am rechten Donauufer gesammelt. Den
Oberbefehl über das ganze Heer erhielt K a<
zianer, das böhmische Contingent führte Al«
brecht Graf Schlik, jenes der Oesterreichcr
Julius Graf Hardegg, die Stcirer Iohcm»
ncs Ungnad, die Krainer Kazianer selbst,
die Kärnthner Erasmus Mager und die
Ungarn Paul Bokics, Lndislaus More
und Pekri. Die tirolischen und italienischen
Vüchsenschützcn führte Ludwig Graf Lodron.
Es galt zunächst, den Türken Esscg zu nch«
mcn und ihnen so den Hauptübcrgang über
die Savc zu entreißen. Kaziancr war wohl
ein guter Rcitcrgencral, aber als selbstständi«
gcr Anführer gebrach es ihm an aller Bega»
bung. Dazu litt er im entscheidenden Augen«
blicke Mangel an Proviant und Allem, was
zum Angriff gehörte. Er hatte das Hecr bis
vor Csscg geführt, um nun, dort angelangt,
den Rückzug anzutreten. Alle Vorstellungen
Lodron's, der an Vorsicht und überlegtes
Handeln mahnte, blieben erfolglos. Der
Feind, als er das verfehlte Manoeuvre durch«
geblickt, traf nun seine Maßregeln. Von
allen Seiten schickte er Strcifcorps, welche
das Heer angriffen, aufhielten, von irgend
einem Uebergange abschnitten u. s. w. Der
Fall des ungarischen Anführers Bokics,
eines der tapfersten seiner Zeit, brachte unter
seiner Schaar allgemeine Bestürzung hervor.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon