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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Leon-Lomeni, Band 15
Seite - 375 -
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Lodron seiner Zeit und sein Andenken lebt in der Geschichte und Dichtung fort. Von unten auf hatte er das Waffenhandwerk erlernt und sich der Führung seines Schwagers, des berühm- ten Georg von Freundsberg, der seine Schwester An na zur Frau hatte, anvertraut. Mit ihm machte er die Züge gegen die Vene» tianer mit, die durch ihre Treulosigkeit gegen Max imi l ian I. das Strafgericht herauf» beschworen hatten. Dann kämpfte er als Oberst einer Abtheilung Landsknechte, meist Hacken« schützen, in der Lombardie unter Pescara und Bourbon, welcher Letztere auf die Seite des Kaisrrs übergetreten war. Pauia. das von den Deutschen besetzt war und das damals — o Wechsel der Zeiten! — so opferwillig zum Kaiser stand, daß die vornehmen Frauen Paoia's selbst an den Schanzen arbeiteten, um den Franzosen unter ihrem ritterlichen Franz I. den Kampf zu erschweren, wurde r>on den Franzosen belagert und am 24. Fe- bruar 1ö2ü kam es auf der endlosen Ebene vor Pavia zur berühmten Schlacht, in wel- cher Franz von Frankreich Sieg und Frei« heit verlor. In dieser Schlacht hatte Lodron tapfer gefochten und Lannoy schreibt in dem Berichte, den er einen Tag nach der Schlacht an den Kaiser, betreffs der deutschen Anführer gerichtet: „Der Graf Lodron hat Ihnen wohl gedient, wie auch alle deutschen Anführer". Im Frühlinge 1327 wohnte Graf L. dem denkwürdigen Zuge gegen Rom bei, welches am 6. Mai erstürmt wurde, Auf dem am 6. Juni g. I . mit dem Papste Clemens geschlossenen Vertrage, in welchem sich der Papst zur Zahlung uon 400.000 Scudi und zur Abtretung mehrerer fester Plätze vcr» pflichtete, stehen neben 13 Cardinälen viele kaiserliche Feldhauptleutc und unter diesen auch Ludwig Lodron unterzeichnet. Nach dem Friedensschlüsse von Cambrai (8. August 1529) war Lodron aus Italien heimge- kehrt , sollte aber nicht lange der Ruhe ge- nießen. I n Ungarn hatte nach der Schlacht bei Mohacs Johann Zapolya die Krone, welche durch Erbuerträge dem Erzherzoge Ferdinand zukam, an sich gerissen. Zapo» lya hatte an den Türken einen furchtbaren Bundesgenossen gefunden. Sultan Sule i man war am 2l. September 1629 vor Wien erschienen. In Kärnthen, Tirol wurden Geld und Mannschaft gesammelt, welche zur Hilfe nach Wien geschickt werden sollten. Graf Lodron war damals in Tirol in dieser Richtung thätig. Er hatte sich also bei dieser ersten Belagerung WienS nicht befuri' den; hingegen im Jahre 1532, als die Türken die Residenz zum anderen Male bedrohten, befehligte er eine größere Abthei» lung an einer der Donaubrücken. Die Türken unternahmen dießmal keinen Angriff auf das wohlvertheidigte Wien, verwüsteten dagegen unter Kasim Veg das Land bis Linz. Da entschloß sich Graf Ludwig , die Ungläu- bigen zu strafen. Bei Baden griff er sie mit neun Fähnlein Tirolern und Ungarn an und brachte ihnen im Vereine mit dem Pfalz» grasen Friedrich und dem Markgrafen Joachim von Brandenburg, die sich an dem Angriffe gleichfalls bctheiligt hatten, eine furchtbare Niederlage bei. Doch die Gefahren uon Seite der Türken verminderten sich nicht, im Gegentheile, sie mehrten sich, als Chosrew Bcg uun Bosnien und der Wojwode Murad »aus dem Süden immer weiter vorwärts drangen und vereint mit Mohamed Pascha unga« rischcs Land eroberten. Diesem Treiben der, tückischen Horden sollte endlich ein Ziel ge» setzt werden. Ein Heer. 16.000 Mann Fuß« volk und 8000 Reiter stark, wurde bei Kopro» nicza am rechten Donauufer gesammelt. Den Oberbefehl über das ganze Heer erhielt K a< zianer, das böhmische Contingent führte Al« brecht Graf Schlik, jenes der Oesterreichcr Julius Graf Hardegg, die Stcirer Iohcm» ncs Ungnad, die Krainer Kazianer selbst, die Kärnthner Erasmus Mager und die Ungarn Paul Bokics, Lndislaus More und Pekri. Die tirolischen und italienischen Vüchsenschützcn führte Ludwig Graf Lodron. Es galt zunächst, den Türken Esscg zu nch« mcn und ihnen so den Hauptübcrgang über die Savc zu entreißen. Kaziancr war wohl ein guter Rcitcrgencral, aber als selbstständi« gcr Anführer gebrach es ihm an aller Bega» bung. Dazu litt er im entscheidenden Augen« blicke Mangel an Proviant und Allem, was zum Angriff gehörte. Er hatte das Hecr bis vor Csscg geführt, um nun, dort angelangt, den Rückzug anzutreten. Alle Vorstellungen Lodron's, der an Vorsicht und überlegtes Handeln mahnte, blieben erfolglos. Der Feind, als er das verfehlte Manoeuvre durch« geblickt, traf nun seine Maßregeln. Von allen Seiten schickte er Strcifcorps, welche das Heer angriffen, aufhielten, von irgend einem Uebergange abschnitten u. s. w. Der Fall des ungarischen Anführers Bokics, eines der tapfersten seiner Zeit, brachte unter seiner Schaar allgemeine Bestürzung hervor.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Leon-Lomeni, Band 15
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Leon-Lomeni
Band
15
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1866
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
499
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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