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Mayern Mayern
er besaß, das ihm bei den geringen
Bedürfnissen, die er hatte, eine unab-
hängige Existenz gesichert haben würde.
Aber nun richteten sich die Blicke eines
geistvollen, von Zeitgenossen und Nach«
lebenden gar verscbieden beurtheilten und
noch immer nicht genug gewürdigten
Mannes auf den Vergessenen. Gene»
ral Langena u sBd. XIV, S. 101^
damals Präsident der Militär »Com»
Mission bei der Bundesversammlung in
Frankfurt a. M., der W. kannte und
schätzte, bewirkte seine Anstellung bei der
Militär-Commission, wo er nun ohne
Nahrungssorgen und ohne drückende
Geschäfte seine letzten Jahre der Freund»
schaft und den Musen lebte. Was M.'s
schriftstellerische Thätigkeit betrifft, so
bescbränkt sie sich bezüglich der im Drucke
erschienenen Schriften nur auf wenige
Werke; diese sind: „Nyll-Tla-Zllre, nber di
Vmidmr", 3 Theile (Wien 1787, zweite
vermehrte Auflage ebd. 1791, neue
Auflage in 3 Theilen ebd. 1816), letzte
Ausgabe besorgt von Ernst Freiherrn
von Feuchters leben, in 3 Theilen
(ebd. 4840, 16«.); — „Nie Regentschaft,
Crunnspirl in tunk Mfzngen, nach dem Engli-
Scheu, van ilem Verlader i»r5 Wa-Na-Inre"
(Zullichau 1793, 80.)- — „Hintrrlaösrnk
kltine Schritten, herausgegeben mit Vurmart nnt>
Villglüphie Mll i; er n'3 nun O. uunFenchter 5-
leben". 3 Theile (Wien 1842, 16".).
Mayern's Hauptwerk bleibt „Dya-
Na.Sore". dessen Wirkung zu sciner Zeit
außerordentlich war und mit den ersten
machtigen Eindrücken der französischen
Revolution zusammensiel. Das Erschei
ncn dieses Werkes mitten im vollen
Entwickelungsgange der neuen Dinge,
dabei die Beziehungen desselben zu den
politlsch-nationalen Verhältnissen waren
so mächtig, ja erschienen so bedenklich,
daß das Buch in Wien, wo es gedruckt worden, verboten wurde. „Und das mit
Unrecht", bemerkt ein Literarhistoriker,
gerade das Gegentheil hätte geschehen
und das Buch von der Behörde in
Tausenden von Exemplaren gedruckt
werden sollen, denn eben diese Gesinnun«
gen, welche darin athmeten, waren die
eckten, vaterlandisch heilsamen, die allein
fähigen, den Staat zu kräftigen, zu
bewahren. Man hat dieß später wohl
eingesehen und an der Spitze der glor-
reichsten Volkserhebung, welche Oester«
reich gezeigt hat, der vom Jahre 1809,
standen eben diese Gesinnungen, und
man kann wohl sagen, daß sie in vielen
Männern jener Zeit recht eigentlich durch
jenes Buch genährt waren, sowie im
nördlichen Deutschland Iahn den ersten
Keim seines volksthümlichen Thun und
Treibens aus jenem Buche geschöpft zu
haben bekennt."*) Mayern selbst war
nie mit seiner Autorschaft recht hervor-
getreten; die Form dieses Buches, das
sich als eine Uebersetzung 'aus dem
Sanskrit gab, der a.anz gewöhnlich
klingende Name des Verfassers und die
auf das eine Buch beschränkte Autor»
scl'aft, alles trug dazu bei, den Namen
in Dunkel zu erbalten. Mayern selbst
war damit wohl zufrieden. Sein ganzes
Leben war eine Selbstverläugnung; er
wollte, daß das Rechte, das Große und
Schöne gethan würde, er trachtete aus
allen Kräften dazu mitzuwirken, dabei
Hand anzulegen, allein ihm genügte das
Werk und das Bewußtsein des Antheils,
den er davon genommen, er verschmähte,
dafür genannt oder gerühmt zu werden.
M. starb, ein angehender Siebenziger.
*) Befremdend, wenn nicht gar komisch, klingt
es. in Horm von Kreißle's Biographie
Schubert's (Wien <86.i). S. 45. in der
Anmerkung. Dya Na-Sore einen „wunder«
lichen Noman" genannt zu finden!!!
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon