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Mayern 483 Mayern
Sein Tod war leicht, wie sein Biograph
schreibt; sein Geist blieb hell und bewußt
bis an's Ende, das ihm stets nur als
ein erwünschter Nebergang in ein höheres
geistigeres Wesen erschien. Ungeschwacht
blieb bei ihm Gedächtniß und jede höhere
geistigere Kraft. Sein reicher Schatz von
Kenntnissen stand ihm stets zu Gebote,
und man konnte sicher sein, wenn man
irgend einen Punct der alten oder
neueren Geschichte, der Philosophie, der
Erd«, Natur' und Menschenkunde, irgend
einen Gegenstand der Kunst u. s. w.
berührte, ihn gleich mitten in der Sache
zu finden und sie erörtern zu hören, als
hatte er sie eben erst durchdacht. Leben
und Wissenschaft hatten sich gegenseitig
bei ihm durchdrungen; hocherhaben über
Parteisucht und Vorurtheile, war sein
Urtheil stets mild, aber doch scharf und
richtig. I n all' seinem Wissen war er
stets zu Hause, hell. klar, besonnen und
stets eigenthümlich. Der Umgang mit
ihm bot daher Jedem, der diesen zu
schätzen wußte, in reichem Maße goldene
Aepfel in silbernen Schalen. ^Eine ebenso
originelle als treffende Charakteristik
dieses edlen Sonderlings folgt in den
Quellens Außer den oberwähnten selbst»
ständig erschienenen Schriften ist noch
seiner in Mundt 's „Zodiakus" 483o.
Februar und März, von Dr. H o ck
veröffentlichten Briefezu gedenken. Was
Mayern's Charakteristik als Schrift-
steller betrifft, so charakterifirt ihn
Feuchters leben folgendermaßen: „alö
Schriftsteller war M. auch Soldat.
Sein Styl ist geschlossen, fest. entschie»
den, kernig, oft karg uno hart, bis
der Durchbruch eines machtigen Ge-
fühls ihn auf Augenblicke zum Poeten
macht. Dann wird ein Weltschmerz in
ihm laut, tiefer, reiner, wahrer, als ihn
die Iünglingswelt von heute fühlt; cs war die Trauerklage um ein verlorenes
Dasein, um ein in seiner Heiligkeit
gekränktes Herz, um ein in seinen
Trümmern bewußtlos hingeworfenes zer«
riffenes Vaterland. Das. in der Thal.
war der Schmerz eines patriotischen
deutschen Hamlet in Mayern". Sonst
war er in seiner ganzen Lebenshaltung
zugleich der Mann praktischer Thätig»
keit, in Landwirthschaft, Gewerblichkeit,
Architectur bewandert. In seinen Pa»
Pieren fanden sich Plane, südlichen Län>
dern durch Kolonien aus dem Norden
aufzuhelfen, Sicilien durch zwanzigtau«
send deutscher Anbauer aus der Schlaff«
heit deS Vegetirens zu erretten; durch
Erfrischung von Osten und Norden hat
sich die Menschheit im Süden noch
immer ergänzt. V a r n h a g e n von
Ense behauptete, Mayern sei auch
der Mann gewesen, der. hätte man ihn
gehört, dle Schlackt bei Wagram un»
möglich gemacht, oder für Oesterreich
entschieden hätte. I n seinem Verkehre
mit Menschen hat man ihn einen
Beduinen genannt; in dem unter»
drückten Gefühle seiner Liebe war er auf
Momente ganz Werther. Wenn aber
tiefes und vielseitiges Wissen, fast in
allen Zweigm menschlicher Erkenntniß;
wenn ein reger Sinn für das Höchste
und Würdigste im Ledm, verbunden mit
einer Klarheit und Präcision der Ge»
danken, welche mehr den schönen Zeiten
des classischcn Alterthums, als der Ge>
genwart angehören zu sä^inen, vereint
mit großen Vorzügen des Gemüthes
und einer seltenen Bescbeidelchiit zu den
Eigenschaften gehören, welche, selbst
höchst verdienstlich, zugl.'icy Basis aller
Verdienste sind: so gehorte Mayern zu
den seltenen Männern, welcde durch jene
Eigenschaften im höcksten Grade aus-
gezeichnet dastehen. Zum Schlüsse sei
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon