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auf ganz praktische Grundlagen zu stellen
bemüht, und ihre Zukunft nach seinem
Tode zu sichern immer bedacht war. So
umgab er sich einerseits mit Geistlichen,
die ihm verwandt in Gesinnung und
Grundsätzen gleich fähig, wie geneigt
sind. im Geiste des Stiftes fortzuarbeiten-,
andererseits suchte er seine Anstalten so
viel als nur möglich von zufälligen
Unterstützungen dadurch unabhängig zu
machen, daß die Zöglinge in den man«
nigfMgsten Hand« und Kunstarbeiten,
jeder entsprechend den Fähigkeiten, die
besonders bildsam erschienen, unterrichtet
wurden, wodurch es dann geschah, daß
aus der Anstalt ganz vorzügliche Arbei»
ten hervorgingen, welche auf mehreren
Ausstellungen Bewunderung erregten,
und durch deren Absatz der Unterhalt
der Zöglinge erleichtert und gefördert
wurde. Nichtsdestoweniger kamen freilich
Falle vor. daß M. mit einem Male
aller Hilfsmittel baar und auf Almosen
angewiesen war. Und im Hinblicke auf
diesen schon öfter vorgekommenen Um-
stand erzählt uns Mazza's Biograph
Mitterrutzner: natürlich ergab sich
unter solchen Umständen die Frage, ob
denn des Gründers Reichthum uner»
schöpflich, daß er eine solche Anzahl
junger Leute zu versorgen im Stande
sei? Von den vielen Tausenden des
Vermögens, welche Mazza besaß, ist
seit vielen Jahren kein Heller mehr
vorhanden. Der Ankauf der noth»
wendigen Localitatm und die Befriedi.
gung der schreiendsten Bedürfnisse wäh-
rend der ersten Jahre dieser Anstalt
verschlang große Summen. Obwohl nun
in den letzten Mißjahren dio milden
Beiträge sehr spärlich fioffen, blieb doch
die Hilfe, wenn die Noth am höchsten
gestiegen, nie aus. Immer fand sich der
eine oder der andere Wohlthäter, der offen oder insgeheim half. Es sind
schreibt sein Biograph, Fälle vorgekom.
men, daß Mazza für seine fünfhundert
Alumnen am Morgen weder einen Heller
Geld noch ein Stäubchm Mehl im
Hause hatte — und um Mittag sollten
alle essen. Und sie aßen, wenn auch nur
ein Stück gelbe Polmta. Bei solcher
Gelegenheit schritt M. , jedoch ohne
Jemand um ein Almosen anzusprechen,
langsam durch die belebtesten Gaffen der
Stadt. Jeder Veronese kannte den
Mann und fein Anliegen um diese
Stunde. Und M. erhielt sein Almosen,
und es ist sogar vorgekommen, daß ihn
gerade die Stutzer und die Pflastertreter
am reichlichsten beschenkten. Schon im
Jahre 4838 erhielt M. in Anerkennung
seiner humanitären Verdienste von Sr.
Majestät dem Kaiser Ferdinand die
große goldene Civil« Verdienstmedaille
sammt Kette. Dieser Schatz war längst
in's Pfandhaus gewandert. Als nun
Kaiser Franz Joseph im Jahre 1850
das lombacdisch'venetianische Königreich
bereiste, und auf seinem Zuge durch das
Land nach Verona kam, löste eine vor»
nehme Dame dieses Pfand für achthundert.
Lire aus und sandte es dem Eigenthümer,
damit er mit demselben vor Sr. Maiestät
dem Kaiser erscheinen könne. Kaum aber
war der Kaiser abgereist, so wanderten
die Medaille und Kette wieder in's
Versatzamt. Nahezu durch ein halbes
Jahrhundert hatte M. in so Hochher,
ziger Opferwilligkeit der armen und be>
drückten Menschheit seine ganze Thätig«
keit gewidmet und Trauer erfüllte die
ganze Stadt Verona, in der jedes Kind
und jeder Arme diesen edlen Wohlthater
kannte, als es im Monate Juli 1863
mit einem Male verlautete, Mazza sei
erkrankt, und als bald darauf die
Schmerzenskunde von seinem Tode durch
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon