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kunterbunte Zeug darin, daß man oft
wider Willen zum Lachen gezwungen
wurde. Er verstand es, wie Meyn ert
treffend schreibt, „mit großer Fertigkeit
gefälligen Unsinn und lustige Verstandes«
losigkeit so keck durcheinander zu schieben,
daß es wenigstens ein launiges Puppen«
spiel abgibt, welches in der Darstellung
durch menschliche Künstler bizarre Ex-
treme und Contraste herbeiführt, die
meist zugleich auck das Zwerchfell in
Contribution setzen". Sein Biograph
Ullmayer vindicirt Meis l auch das
Verdienst, der Erste zu sein, welcher
Wohlthätigkeitsvorstellungen veranstal«
tete, so z. B. die Aufführung des Schau»
spiels: „Die Landgräsin Elisabeth von
Thüringen", welche dem Kloster der Eli«
sabethimrinm'über 10.000 fl. W. W.
einbrachte; ein anderes Stück, die Posse:
„Der lustige Fritz", verschaffte eine erheb-
liche Einnahme dem Wiener Bürger-
spitale; und die kleine Posse: „Rettung
durch die Spaccasse", diesem Institute
und dem Invalidenhausfonde nicht un-
bedeutende Zuschüsse. Die unter Meist»
Bäuerle so lebendig blühende Epoche
der servilen Gelegenheitsdichterei besaß in
Meisl ihren Hohenpriester. Die Me»
moiren, welche er geschrieben, sollen in
Verlust — wie, ist nicht bebannt —
gerathen sein; in seinem Nachlasse fanden
sich folgende Stücke: „Ministerspiegel" ;
— „Die Tochter deS Waldes"; —
„Cheristane's Verklärung", ein Seiten-
stück zum „Verschwender"; und eine Posse:
„Die Industrieausstellung in Krähwin«
kel". Die Besorgniß, daß dieser Nach-
laß zugleich mit seinen Gedichten im
Drucke erscheinen würde, ist glücklicher
Weise nicht in Erfüllung gegangen. Als
ein nicht ganz unwichtiger Beitrag zur
Sittengeschichte Wiens, wie zur Geschichte
der Wiener dramatischen Volksmuse, folgt weiter unten eine Uebersicht der im Drucke
erschienenen Stücke von Karl Meis l ,
welche auch als ein Beitrag zur Biblia«
graphie des Wiener Volksdrama'S er»
scheinen mag, wobei jedoch bemerkt
werden muß, daß der ungleich größere
Theil ungedruckt geblieben, und sich
wohl nur in einigen Theater-Bibliothe«
ken, zunächst in jener des Leopoldstädter
Theaters vorfinden dürfte. Meynert,
der die alteren Typen des Wimer Par>
nasses in einer Folge von lebenswarmen
Bildern unter dem Titel: „Der Wiener
Parnaß vor einem Vierteljahrhundcrt"
in der Wiener Abendpost (Abend-
blatt der amtlichen Wiener Zeitung)
vorführt, schildert in einer der letzten
Nummern (1867, Nr. 73 u. 76) auch
Karl Meis l mit wenigen aber lebendi-
gen Zügen: Nachdem Meynert den
Theaterdichter Franz X. Told charakte»
risirt, schreibt er von Meis l : „Meisl 's
Stücke haben sich eines nachhaltigeren
Erfolges erfreut als die Told'schen.
Manche der kräftigsten Stützen der ko«
mischen Bühne haben sich an dem kleinen
schwächlichen Manne emporgerankt. Mit
der Rolle des Klappert in MeiSl's
Parodie: „Die schwarze Frau" hat
Schol; den Grundstein zu seiner nach.
müligen beispiellosen Beliebtheit gelegt,
und Meis l 's Othel ler l blieb Jahre
lang eine Paraderolle Carl 's. Meis l 's
Stücke trifft, wer könnte dieß.läugnen,
der Vorwurf der Trivialität. Sie sind
Kinder eines fröhlichen Uebermuthes, der
nur mit dem Momente rechnet, und für
die leichten Kartenhäuser, die er aufbaut,
keinen soliden Grund sucht, noch braucht.
Dennoch hat auch durch ihn die Posse
eine Besserung erfahren. Der widerliche
grobe Afterwitz, den die Volkspossen vor
seiner Zeit schon durch ihre Titel ver«
rathen, kommt bei ihm nicht mehr vor.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon