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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
Seite - 285 -
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Seite - 285 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17

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Meisl 283 Meisl kunterbunte Zeug darin, daß man oft wider Willen zum Lachen gezwungen wurde. Er verstand es, wie Meyn ert treffend schreibt, „mit großer Fertigkeit gefälligen Unsinn und lustige Verstandes« losigkeit so keck durcheinander zu schieben, daß es wenigstens ein launiges Puppen« spiel abgibt, welches in der Darstellung durch menschliche Künstler bizarre Ex- treme und Contraste herbeiführt, die meist zugleich auck das Zwerchfell in Contribution setzen". Sein Biograph Ullmayer vindicirt Meis l auch das Verdienst, der Erste zu sein, welcher Wohlthätigkeitsvorstellungen veranstal« tete, so z. B. die Aufführung des Schau» spiels: „Die Landgräsin Elisabeth von Thüringen", welche dem Kloster der Eli« sabethimrinm'über 10.000 fl. W. W. einbrachte; ein anderes Stück, die Posse: „Der lustige Fritz", verschaffte eine erheb- liche Einnahme dem Wiener Bürger- spitale; und die kleine Posse: „Rettung durch die Spaccasse", diesem Institute und dem Invalidenhausfonde nicht un- bedeutende Zuschüsse. Die unter Meist» Bäuerle so lebendig blühende Epoche der servilen Gelegenheitsdichterei besaß in Meisl ihren Hohenpriester. Die Me» moiren, welche er geschrieben, sollen in Verlust — wie, ist nicht bebannt — gerathen sein; in seinem Nachlasse fanden sich folgende Stücke: „Ministerspiegel" ; — „Die Tochter deS Waldes"; — „Cheristane's Verklärung", ein Seiten- stück zum „Verschwender"; und eine Posse: „Die Industrieausstellung in Krähwin« kel". Die Besorgniß, daß dieser Nach- laß zugleich mit seinen Gedichten im Drucke erscheinen würde, ist glücklicher Weise nicht in Erfüllung gegangen. Als ein nicht ganz unwichtiger Beitrag zur Sittengeschichte Wiens, wie zur Geschichte der Wiener dramatischen Volksmuse, folgt weiter unten eine Uebersicht der im Drucke erschienenen Stücke von Karl Meis l , welche auch als ein Beitrag zur Biblia« graphie des Wiener Volksdrama'S er» scheinen mag, wobei jedoch bemerkt werden muß, daß der ungleich größere Theil ungedruckt geblieben, und sich wohl nur in einigen Theater-Bibliothe« ken, zunächst in jener des Leopoldstädter Theaters vorfinden dürfte. Meynert, der die alteren Typen des Wimer Par> nasses in einer Folge von lebenswarmen Bildern unter dem Titel: „Der Wiener Parnaß vor einem Vierteljahrhundcrt" in der Wiener Abendpost (Abend- blatt der amtlichen Wiener Zeitung) vorführt, schildert in einer der letzten Nummern (1867, Nr. 73 u. 76) auch Karl Meis l mit wenigen aber lebendi- gen Zügen: Nachdem Meynert den Theaterdichter Franz X. Told charakte» risirt, schreibt er von Meis l : „Meisl 's Stücke haben sich eines nachhaltigeren Erfolges erfreut als die Told'schen. Manche der kräftigsten Stützen der ko« mischen Bühne haben sich an dem kleinen schwächlichen Manne emporgerankt. Mit der Rolle des Klappert in MeiSl's Parodie: „Die schwarze Frau" hat Schol; den Grundstein zu seiner nach. müligen beispiellosen Beliebtheit gelegt, und Meis l 's Othel ler l blieb Jahre lang eine Paraderolle Carl 's. Meis l 's Stücke trifft, wer könnte dieß.läugnen, der Vorwurf der Trivialität. Sie sind Kinder eines fröhlichen Uebermuthes, der nur mit dem Momente rechnet, und für die leichten Kartenhäuser, die er aufbaut, keinen soliden Grund sucht, noch braucht. Dennoch hat auch durch ihn die Posse eine Besserung erfahren. Der widerliche grobe Afterwitz, den die Volkspossen vor seiner Zeit schon durch ihre Titel ver« rathen, kommt bei ihm nicht mehr vor.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Maroevic-Meszlenn, Band 17
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Maroevic-Meszlenn
Band
17
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1867
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
506
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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