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des Winters um 6 Uhr Früh im Bureau,
in welchem ihn nicht selten die späte
Nacht überraschte; seine Arbeiten tragen
sämmtlich den Stempel echter Staats-
Weisheit, denn M., ein erleuchteter
Priester, huldigte aufrichtig dem wah«
ren Fortschritte und verabscheute den
Zelotismus in jeder Gestalt. Tref-
. fend steht es in einem seinem Andenken
gewidmeten Nekrologe: „Die Makel-
losigkeit seines Charakters, seine stets
bewiesene Mäßigung, die Ruhe und Un-
befangenheit seines Urtheils mag aus
dem Umstände entnommen werden, daß
auch in den Zeiten der heftigsten Aus»
rcgung weder die Ultramontanen noch
die Liberalen jemals ihn verdächtigten,
obwohl er weder zu den einen noch zu
den anderen gehörte. Man fand an ihm
nichts sonderbar, als sein consequentes
Abweisen jedes äußeren Prunkes und
sein bescheidenes, fast schüchternes Auf-
treten, sein gänzliches Fernhalten von
der Gesellschaft, in welcher er vermöge
seines Amtes und seiner Auszeichnungen
eine hervorragende Stellung einzunehmen
berufen war. Seine persönlichen Freunde
wußten aber, daß diese Haltung ganz
seinen Bedürfnissen entsprach, sich nur
mit ernsten Dingen zu beschäftigen."
Ohne mehr der josephinischen Periode
anzugehören, welche eben im Priester-
stände am dauerndsten sich bemerkbar
machte, so
steckte
doch wie eine Nach.
Wirkung aus dem Umgänge mit den
aufgeklärten und würdigsten Priestern
jener Periode etwas vom „Iosephiner",
wie man die erleuchteten Priester jener
Zeit zu nennen liebte, in ihm. Schrift-
stellerisch hat M. nicht gewirkt, aber in
seinen amtlichen Referaten stecken ganze
Werke, nicht bureaukratischer Rechthaberei
und langweiliger inhaltleerer Excurse
amtlicher Schreioseligkeil, sondern echter Staatsweisheit und jenes gediegenen
Humanismus, der aus den nachbarlichen
deutschen Staaten, wo Männer wie
Fichte, Jacobs, die Humboldte
u. A. wirkten, auch sich nach Oesterreich
herüberrankte und in einigen empfang»
lichen Gemüthern ein Echo fand. Nicht
darf vergessen werden, daß er heimlich
ein großer Wohlthäter der Armen war
und dürftige Studenten aus seiner Hei-
mat in namhafter Weise unterstützte.
Daraus zum Theile erklärt sich die
Thatsache, daß bei seinen, im Ganzen
nicht unbedeutenden Einkünften und
feiner fast aszetischen Lebensweise sich
nach seinem Tode gar kein Vermögen
vorfand. Jedoch wurde, und nicht ohne
Grund, von einem großen Unterschleife
seiner nächsten Umgebung gesprochen.
Ohne gerade Bücher zu sammeln, denn
er kaufte nur, was er las und bei seinen
Arbeiten brauchte, hatte sich doch im
Laufe der Jahre eine werthvolle Bücher-
sammlung gestallet. Was mit derselben
geschehen, ist dem Herausgeber dieses
Lexikons, der mit diesen Zeilen dem
Verewigten, als seinem langjährigen
väterlichen Gönner, das ihm gebührende
Denkmal der Pietät setzt, nicht bekannt.
O österreichischer Volks, und Wir th ,
schafts.Kalender (Wien, gr. so.) Jahrg.
l867, in dem von Ritter von Hoff inger
verfaßten Nekrologe denkwürdiger, im Jahre
!863 verstorbener Oesterreicher ^nach diesem
geb. cini 19. November 1791^. — Wiener
Zeitung 1863, Nr. 282 u. 289. — Nach
handschriftlichen Notizen des Herrn Dr. Her-
mann Meynert, dem Herausgeber manche
schätzbare Notiz für seine Arbeiten verdankt,
wäre M. am 17. November 1791 geboren.
Mesiö, Mathias (Schulmann und
Geschichtsforscher, geb. zuBrood
in Slavonien im Jahre 1826). Das
Gymnasium besuchte er zum Theile in
PoXega, zum Theile in Agram, in welch
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon