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Mitglieder aufnahm. Gesteigerte Auf»
merksamkeit erweckte in weiten und maß«
gebenden Kreisen seine Antrittsrede als
Akademiker. M. erging sich in derselben
über die politischen, literarischen und
socialen Verhältnisse der Gegenwart,
berührte dabei die mangelhafte Organi»
sation des damaligen Heerwesens, und so
kam eS denn, daß, als in den Märztagen
die Regungen der Freiheit sich gewalt«
fam Bahn brachen, die liberale Partei
die Blicke auf M. warf und ihn in das
ungarische Ministerium als Kriegsminister
berufen wünschte. Als der Aufstand im
genannten Jahre in Italien auSbrach,
befand sich M. mit seinem Regimente in
Mailand. Mit demselben machte er mit
der ganzen Mailänder Garnison den
Rückzug nach Verona mit, kämpfte auch
noch in der Schlacht bei Santa Lucia,
nach welcher ihm die erste Nachricht von
seiner Berufung in'S ungarische Ministe»
rium wurde. M. war an Radetzky'S
Seite, den er selbst liebte, wie er ein
Liebling des Feldmarschalls war, seine
bisherige Stellung lieb geworden, und
die Berufung in den neuen Wirkungs«
kreis kam ihm ebenso unerwünscht als
unerwartet. M. war damals kein rasch«
handelnder Heißsporn mehr.' sondern ein
bedächtiger, erfahrener Soldat, der drei»
ßig Jahre gehorchen gelernt und mit ruhi-
gem ungetrübtem Blicke in die Zukunft
schaute, er war aber auch ein Charakter,
der, wenn er einmal eine Pflicht über«
nahm. sie mit allen ihren Consequenzen
übernahm, und für Alles einstand, was
er. in der Machtvollkommenheit seiner
Stellung anzuordnen für gut befunden
hatte. Er entschied sich also nicht sofort
für den ihm zugewiesenen Posten, schützte
die unzulänglichen Erfahrungen, die er
sich im beschrankteren Cavalleriedienste
zu erwerben Gelegenheit gehabt, als wesentliches Moment gegen die Annahme
eines Postens und in einem Lande vor,
in welchem nicht weniger als Alles neu
zu schaffen war. Zu wiederholten Malen
vom Ministerium Batthyä.ny zur An«
nähme seiner Stelle und immer noch
vergeblich aufgefordert, folgte er erst
dem Rufe, als ihn ein königliches Hand«
schreiben vom 7. Mai beauftragte, das
Commando seines Regiments an den
Oberstlieutenant zu übergeben und sich,
da er zum ungarischen Kriegsminister
ernannt sei, sofort auf seinen Posten zu
begeben. Zwei Monate erst nach seiner
Ernennung langte M. in den letzten
Tagen deS Mai in Pesth an, um seine
Functionen als Kriegsminister zu über»
nehmen. Die Bevölkerung hatte ihn mit
Jubel aufgenommen und seine Ankunft
mit einem Fackelzuge festlich eingeleitet,
aber nur zu bald erkannte M. die
traurige Wirklichkeit aller jener Bedenken,
die ihn bei Uebernahme eines so verant«
wortlichen Postens, auf welchem die
Verwicklungen sich von Stunde zu Stunde
zu Haufen begannen, so lange hatten
zögern lassen. Noch bevor er in sein
Vaterland gekommen war, hatten bereits
die croatischen und raitzischen Wirren
begonnen, und seine neue Stellung mußte
er so zu sagen mit der Erklärung des
Kriegszustandes inauguriren. Die Ver-
wirrung in der Armee ging mit jenen in
den politischen Verhältnissen im Allge»
meinen Hand in Hand. Es war Mitte
Juni, als Soldaten des italienischen in
Pefth garnisonirenden Regiments Cecco«
pieri in der Karlscaserne über die eben-
daselbst einquartierten noch unbewaffneten
Honv6d>Necruten hersielen, mehrere von
ihnen verwundeten, sogar einige tödteten,
und sich dann in der Kaserne zur Selbst«
Vertheidigung verbarricadirten und auf
ihre Angreiser feuerten. Da trat M., die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon