Page - 152 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Volume 21
Image of the Page - 152 -
Text of the Page - 152 -
Paklasek 132 PMasek
erste Bildung in der Ortsschule und dann
in der zu Bergen bei Nikolsburg, wohin
sein Vater im Jahre 1818 übersiedelte.
I n den Klosterschulen der I"?. Piaristen
zu Auspitz und Nikolsburg studirte er
Gymnasium und Philosophie, und an der
Universität zu Olmütz die Rechte, die er
1834 absolvirte. Sehr frühzeitig erwachte
in ihm der Hang zum Lehrfache- als
Student gab er Privatunterricht und ver.
wendete den Erwerb auf seine Ausbil«
düng hierzu; am 30. November 1830
unterzog er sich im Alter von 20 Jahren
der ersten Concursprüfung für ein Gym«
nastallehramt und wurde auf Grund der-
selben Supplent am k. k. akademischen
Gymnasium daselbst, dann war er bis
^834 zu Olmütz als Erzieher und sup-
plirender Gymnasiallehrer thätig. Am
22. Juli 1836 betrat er als Praktikant
der Wiener k. k. Universitäts-Bibliothek
die Beamtenlaufbahn, wurde am 1. De«
cember 1837 Amanuensis der k. k. Hof-
bibliothek. am 12. Februar 1841 Accessist
und am 7. September 1849 Registrant
des k. k. Hofkammer>Arcbivs, in der Zwi»
schenzeit zugleich als Lehrer der franzö-
sischen und italienischen Sprache in seiner
öffentlichen Lehranstalt und als Docent
des deutschen Sprachfaches am Wiener
polytechnischen Institute wirkend. Mit
Decret des k. k. Unterrichtsministeriums
vom 17. October 1830 wurde P. Direc-
tor der Preßburger städtischen Ober real-
schule und endlich nach dem Erlaß des
k. k. Staatsministeriums vom 8. Mai
1862 Director des k. k. Blinden-Erzie-
hungsinstituteä in Wien. Als Pädagog
und Lehrer hat P. bisher durch 40 Jahre
mit anerkanntem Erfolge gewirkt. Seiner
Thätigkeit in den Schulen der Sehenden
wird der erfreuliche Aufschwung der Preß-
burger Oberrealfchule. der ersten, die
in Oesterreich in's Leben trat, allgemein nachgerühmt. Ohne in der Monarchie ein
Vorbild vor sich zu haben, setzte er diese
Schule als confessio n ell si m ultane
Anstalt in Gang und brachte sie, von
einem tüchtigen Lehrkörper unterstützt, zu
so gutem Rufe, daß die Schülerzahl bald
zu 400 und darüber anwuchs. An stände
von Seiten der Kirche wußte er nur einer
Klugheit und Besonnenheit hintanzuhal»
ten, daß das anfängliche Geschrei und die
thatsachliche Opposition gegen die con«
fefsionelle Gleichberechtigung sich vollkom»
men legte, und Katholiken, Protestanten
und Juden ihm dofür gleiche Anerkeri'
nung zollten. Der Umschwung in Ungarn
nach dem Octoberdiplom von 1859 be«
wog ihn, seine RückVersetzung nach Wien
nachzusuchen, und zwar auf ein Gebiet
pädagogischen Wirkens, das ihm die Er-
innerung au blinde Familienglieder, an
deren Seite er aufgewachsen, und an
einen blinden Lehrer, dessen Unterricht er
genossen, von jeher großes Interesse ein»
geflößt, nämlich das Gebiet der Blin«
denpä dagog ik. Mit der Literatur und
dem Fortschritte dieses Faches in der Neu»
zeit vollkommen vertraut, trat er am
1. August 1862 den ihm übertragenen
Posten des Directors des Wiener k. k.
Blinden - Erziehungsinstitutes an und
nahm sofort die Rcorganisiruug desselben
in Angriff. Es kamen die jchigcn vier
Classen des Schulunterrichtes anstatt der
früheren zwei Abtheilungen, die Verineh«
rung der Lehrobjecte und der Lehrkräfte,
sowie di^ Verwendung lehrfähiger Blin»
den als Hilfslehrer beim Schul» und
Musikunterrichte zu Stande; der Antrag
auf Gründung eines Unterstützuiigsfon«
des für austretende Zöglinge wurde im
Principe adoptirt und unter seiner Mit-
wirkung seither durch sieben Stipendien
in's Werk gesetzt; der Instrumental-
Musikunterricht wurde auf die Zither
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon