Page - 181 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Volume 21
Image of the Page - 181 -
Text of the Page - 181 -
PalackH PalackF
ist aber darin zu suchen, daß, wie Pa»
lack/s Biograph schreibt, Kopi tar
durch seine Ansicht die Union der griechi»
schen Katholiken Oesterreichs und der
Donaulander mit der lateinischen Kirche
anbahnen wollte, wahrend Palack^
und 8afä.rik der russischen Politik
dienten, die von einer solchen Union aus
naheliegenden Gründen nichts wissen
will. Von seinen Gegnern wurde Pa-
lackF als russischer Parteiganger ver-
schrieen, er berief sich hingegen auf die
Pflicht des Geschichtsforschers: der Wahr»
hcit und nur der Wahrheit zu dienen,
die er durch seine Forschungen über die
Liturgie erfüllt habe, ohne sich darum
zu kümmern, ob das Resultat Oesterreich
unangenehm sei und den Beifall Ruß«
lands habe. Im Lande hatte sich P.
bald unter den Großen wie im Volke
selbst einen großen Anhang erworben;
ein Ausdruck dieser Sympathien, wie
eine Anerkennung seiner bisherigen ge'
schichtlichen Arbeiten, unter denen bis
damals die kritisch zusammengestellte
Sammlung von l7, durch Alter, Reich-
haltigkeit und Mannigfaltigkeit hervor»
ragenden öechischen Chroniken, ebenso
vieler ungenannter Fortsetzer des Przibik
Pulkawa und Benes von Horzowitz
von 1378 bis 1327 mit 1143 größten-
theils neuen wichtigen, und Wissens«
werthen Daten dieser Zeit (der I I I . Band
der „Zd-i^tolLL roru.ru. 3oii.6rQiuI.ruW,")
bei weitem die bedeutendste war, bestand
in seiner auf dem Landtage 1829 durch
die böhmischen Stände erfolgten Emen»
nung zu ihrem Historiographen mit le«
benslänglichem Gehalte, welcher Kaiser
Franz seine Genehmigung versagte und
welche erst von Kaiser Ferdinandl . im
Jahre 1837 beim Antritte seiner zweiten
italienischen Reise erlangt werden konnte.
Im nämlichen Jahre legte aucb Pa» die Redaction der öechischen Zeit»
schcift des National-Museums (deS „öa.-
sopis") nieder. Indessen wurde seine
Schrift über die alten böhmischen Ge»
schichtschreiber mit dem Preise gekrönt
und als Landeshistoriograph ging er an
die Bearbeitung der Geschichte Böhmens,
nachdem er auf mehreren Reisen in den
wichtigsten Archiven seine ohnehin schon
reichen Materialien theils ergänzt, theilö
von seinem Gesichtspuncte aus bearbeitet
hatte. Im Jahre 1836 war der erste
Band seiner Geschichte Böhmens erschie»
nen, der bis zum Jahre 1197 reicht.
Im Jahre 1598 bricht die Chronik des
gleichzeitigen Abtes Ger lach von
Mühlhausen ab und es entsteht von
da an bis 1248, also durch ein halbes
Jahrhundert, welches eben den wichtig»
sien Wendepunct der alteren böhmischen
Geschickte bildet, eine Lücke in den
Quellen, welche auch spatere Chronisten
auszufüllen unterlassen haben. I n den
archivalischen Schätzen des Vaticans,
dieses Hauptarckivs der ganzen Christen»
heit, versprach sich P. große Ausbeute,
und jene Ausweise, welche ihm die so
reichen Sammlungen des It> und Aus«
landes bisher versagt hatten. Tr unter-
nahm demnach im Jahre 1837 eine
Reise nach Rom, konnte aber ob der
kurzen Zeit seines Aufenthaltes daselbst
nicht Umfangreiches leisten. Von den
Urkunden erhielt er nur jene zur Ab»
schrift, welche in den mangelhaften Ver»
zeicknifsen nachgewiesen waren. Das
Resultat seiner Reise gab er in einem
Reiseberichte (Prag 1838) der literari-
schen Welt bekannt. jDie bibliographische
Uebersicht der Werke und wichtigeren, in
Sammelschriften enthaltenen Aufsätze und
Abhandlungen P.'s folgt S. 186, in
den Quellens Nun arbeitete er unaus-
gesetzt an seiner Geschichte Böhmens,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon