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Palackj' 182
wovon bis 1868 fünf Abschnitte in zehn
Bänden, welche bis zu den Königen
Wladis laus I I . und Ludwig I.,
bis 1526 reichen, erschienen sind. Die
Herausgabe geschieht auf Kosten der
Stände. Das deutfchgeschriebene Werk
— die oechische Uebersetzung folgte erst
13 Jahre später — machte mit seinem
Aufwande von Gelehrsamkeit, Scharf-
sinn und Talent in den betheiligten Krei<
sen großes Auffehen. Die Geschichte
forschung verdankt diesem Werke man«
chen lehrreichen Aufschluß, aber, wie die
unbefangene Kritik sich darüber aus«
sprach, ein wahres Geschichtsbuch ist die
Geschichte Böhmens von Palack^
nicht. Palack)' — so spricht sich die
deutsche Kritik aus — schreibt als Apo-
loget, sein Böhmen strahlt ihm im
vollsten Glänze des Ruhmes und der
höchsten Culturbildung, die Deutschen
sind Barbaren, verwüstende Eroberer.
I n der Schilderung der böhmischen Ur«
zeit entrollt PalackF- ein idyllisches
Gemälde, einen wahrhaft patriarchali-
schen Zustand, die Bevölkerung allen
friedlichen Künsten ergeben, die Regie-
rung von Aeltesten mit Gerechtigkeit und
Güte geführt. Im zwölften Iahrhun-
derte haben die Böhmen in Bildung
und Gesittung keinem Volke Europa's,
dießseits der Alpen und des Rheins,
nachgestanden, ja schon damals manchem
vorangeleuchtet. Die rein apologetische
Stellung, welche das Werk Palack)''s
der deutschen Geschichtschreibung gegen-
über einnimmt, tritt immer entschiedener
hervor, je mehr deutsche und böhmische
Interessen anfangen, sich feindselig zu
werden. König Ottocar, der Gegner
Rudolph's von Habsburg, ist ihm
„der größte politische Reformator des
Mittelalters", wenn auch vielleicht nicht
für ganz Europa, doch unbedingt für Böhmen. Die deutschen Geschichtschreiber,
die diesen König anders schildern, erklärt
PalackF- für Verleumder der böhmi»
schen Nation und nennt Schlosser als
den schlimmsten von ihnen. Kar l IV.,
den Kaiser Max imi l ian I. noch sehr
milde als „des heiligen römischen Reichs
Erzstiefvater" bezeichnet, wird von den
Deutschen aus gehassigen Motiven ge-
tadelt. „Es ist nur der Neid, schreibt
Palack)', über Böhmens damalige
Größe und blühenden Wohlstand im
Gegensatze zu des Reiches Ohnmacht
und innerer Erschlaffung, welche jene
verleumderischen Klagen gewisser deut«
scher Patrioten bis auf den heutigen
Tag hervorruft". Dieses Werk rief be«
greiflicher Weise Entgegnungen deutscher
Geschichtsforscher hervor, worauf Pa«
lackF sich beklagte, man habe die öster«
reichische Censur auf ihn gehetzt, durch
die Verleumder fei eS dahin gekommen,
daß er nicht mehr schreiben dürfe. Unge-
achtet dessen wurde er, als die kaiserliche
Akademie der Wissenschaften in Wien ge>
gründet wurde, am 44.Mai 1847. also eben
bei der ersten Ernennung, zum wirklichen
Mitgliede ernannt. Nun kam das Jahr
1848 heran, die Bewegung bemächtigte
sich aller Gemüther, und der ungeahnte
freie Aufschwung, der überall zu Tage
brach, zeitigte auch die eigenthümlichsten
Blüthen. Im slavischen National»Con>
grefse zu Prag. welcher traurig endete,
saßPalack ^ auf dem Präsidentenstuhle.
Der Fünfziger-Ausschuß — dieser „Ge<
neralstab des deutscheu Vorparlaments",
wie ihn Laube nennt — forderte Pa«
lack^, der sich um das Deutschthum
gerade keine Verdienste erworben hatte,
dennoch auf, in seiner Mitte Platz zu
nehmen. Der Historiograph Böhmens
antwortete ablehnend. Und dieses Schrei«
ben eben faßt, so zu sagen, die feindlichsten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon