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Frau Sophie Lechner — welche in Mün
chen in hilfloser Lage lebte, bezog seit längerer
Zeit von König Ludwig I. von Bayern
eine Iahresimterstützung von 300 fi. — Bei
der Sammlung von Beiträgen für das Dmk
mal kamen eigenthümliche Kundgebungen zu
T'age. Der Berliner Gemeinderath lehnte den
Antrag des Magistrates, 200 Thaler für das
Denkmal zu bewilligen, ad. Der Stadtuer«
ordnete Breßler bemerkte: Palm habe
nichts gethan, was ein Denkmal verdiene,
er sei nur ein unglücklicher Mann gewesen,
nicht Held in dem Drama, sondern nur
Decoration. Mit Palm's Hinrichtung stehe
die spatere Erhebung Deutschlands in gar
keiner Bezichung?! Ein Grieche, ein Römer
würde sich schämen, dergleichen Unglücks«
schlage durch Monumente auf die Nachwelt
zu bringen; als Deutscher, als Preuße sei er
gegen den Antrag. — Stadtverordneter The-
besius meinte: er könne für die Errichtung
eines Denkmals für einen Justizmord nicht
stimmen, man möge denAntrcig ablehnen—und
er wurde abgelehnt! — Noch sei hier einiger
Einzelnheiten, die zunächst für Oesterreicher
bemerkenswerth sind, gedacht. Pa lm hatte
schon acht Jahre vor seinem gewaltsamen Tode
Anstünde wegen einer Schrift. Pa lm befand
sich zur Herbstmesse des Jahres 1798 in Salz.
bürg; am 17. September begab er sich in's
Theater, wurde bald darauf in die Vorhalle
herausgerufen und sofort durch die Sicherheits«
behörde aufgehoben. Dieser Vorfall erregte
in der kleinen erzbischöflichen Residenz großes
Aufsehen. Er wurde nun vor eine Criminal«
Commission gestellt. Man wollte durch ihn
den Verfasser und Verleger der Schrift: „Ueber
öffentliche Lehranstalten, insbesondere über
Lectionstataloge auf Universitäten" (Germa«
nien 1798) erfahren. Erfuhr aber nichts. Ueber
Verwendung mehrerer auf der Herbstmesse an«
wesenden Nürnberger Kaufleute wurde Palm
am 20. September freigelassen. — Interessant
dürfte es auch sein, zu erfahren, daß mit
Palm's Tode die Entstehung der nachmals
so'berüchtigten Secte der Pöschlianer in
Verbindung stehe. Thomas Pösch l, zur Zeit
der Aburtheilung Palm's Stadtcaplan in
Braunau. spendete Pa lm die letzten Tröstun»
gen der Religion. Von Palm's Hinrichtung
auf das Tiefste erschüttert, wurde Pöschl
darnach immer mehr und mehr in sich gekehrt,
seine Schwermuth nahm zu, ging bei seiner
herrschenden Neigung zum Mysticismus, bald
in Schwärmerei über und endete mit der Gründung jener nach ihm „Pöschlianer" ge-
nannten grauenhaften Secte im Hausruck»
viertel, betreffs welcher auf Pöschl's Viogra»
phie im 22. Bande dieses Lexikons gewiesen
wird. — Außer mehreren Werken und zahl«
reichen gedruckten Aufsätzen über Palm wurde
derselbe zweimal zum Helden dramatischer
Behandlung gewählt. Das eine Mal von Di-.
L. Eckardt, einem Oesterreicher, der aus
Palm ein Phantasiegebilde schuf; das andere
Mal von einem Dr. Ringler , der streng
auf dem Boden der Geschichte fußend, in
Palm den echten deutschen Mann voll Vater»
landsliebe und Fremdenhaß zeichnete. Für
Jene, die näher über Pa lm, sein Leben, sein
Ende und über die Aufstellung seines Denk.
mals unterrichtet sein wollen, folgt hier eine
gedrängte Uebersicht der wichtigsten Quellen.
l (Soden, Julius v.) I . P. Pa lm, Buch.
Händler zu Nürnberg, auf Napoleon's Befehl
hingerichtet zu Braunau (Nürnberg 1814. 8«.).
— Biographie I . P. Palm's u. s. w.,
nebst einem Abdruck von dessen Schrift:
„Deutschland in.seiner tiefsten Er«
niedrigung". als Veranlassung zu Palm's
Hinrichtung (München 1842. 8".). — I l lu»
strirte Zeitung (Leipzig, I . I . Weber),
Nr. 1006, 11. October'1862. S. 268: „Johann
Philipp Palm"; — dieselbe 1864. Nr. 11l5.
— Gartenlaube (Leipzig. Ernst Keil,
gr. 4«) Jahrgang 1861. S. 628: „Buchhänd.
ler Palm". Von Th. Oclker's. — Der
Sa m m le r. Ein Blatt zur Unterhaltung und
Belehrung. Beilage zur Augsburger Abend-
zeitung. 12. Jahrgang (l843). Nr. 42- „Der
Todtengraber Joseph Tschaumer bei der
Hinrichtung des Buchhändlers Ioh. Phil.
Palm", nachgedruckt in Väuerle's „Theater»
Zeitung" 1843, S. 970, und im „Oesterrei-
chischen Vürgerblatt" (Linz, 4«.) 32. Jahrg.
(1830), Nr. 23. — Didaskal ia (Frankfur-
ter Unterhaltungsblatt. 4".) 1864. Nr. 242.-
„Zur Erinnerung an Palm" (mit vielen in«
teressanten Einzelnheiten: auch in der „Weser»
Zeitung" 1864, Nr. 6456, im Feuilleton). —
Nürnberger Kor respondent 1863,
Nr. 861, im Feuilleton: „Palm's Gefangen-
schaft zu Salzburg im Jahre 1798"; 1804,
Nr. 438: „Beiträge zur Geschichte des Buch«
Händlers Palm"; 1883. Nr. 478.- „Palm's
Denkmal". — Die Warte am I n n (Brau-
nauer Blatt. 4") V. Jahrg. (1862), Nr. 36:
„Palm's Monument. Palm und die Pösch«
lianer"; 1864, Nr, 40: „Das Palmdenkmal"
(mit Abbildung). — Ueber Land und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon