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Sorge trug. daß der Sohn die anderen
Gegenstände nicht vernachlässigte. I n
der Folge erhielt der Sohn einen Stift«
platz als Discantist in Iglau, wo er
neben den Studien fleißig Musik trieb
und insbesondere mit den classischen
Meistern des Generalbasses sich bekannt
machte. Nach beendeten Humanitätsclas»
sen ging er nach Prag, wo er den philo«
sophischen und rechtswifsenschaftlichen
Studien oblag. Dabei blieb er der Musik
wie bisher treu, machte sich bald durch
sein gediegenes Clavier» und Orgelspiel,
als tüchtiger Tenorsanger und durch ver<
schiedene gelungene Kompositionen für
Orchester, Gesänge und Cantaten vor»
theilhaft bemerkbar. Bekannte und Freunde
ermunterten ihn in seinen musikalischen
Leistungen, und als ihm der tüchtige
Componist Wenzel Praupner rieth,
sich der Musik als künftigem Berufe
ganz zuzuwenden, ließ sich P. das nicht
zweimal sagen, gab alles weitere Stu
diren auf und wurde Musicus. Nun aber
trieb er die Musik mit einem Eifer ohne
Gleichen, und während er Andere bildete,
bildete er sich selbst ernstlich fort. I n
dieser Zeit schrieb er für seine Zöglinge
eine Musikschule, welche in ihrer Anlage
und Ausführung den denkenden und
gründlichen Muficus verrieth. Die Fort«
schritte seiner Schüler steigerten seinen Ruf
in nicht geringem Maße, er wurde immer
mehr und mehr gesucht, und namentlich
die vornehmen Familien ließen es sich
angelegen sein. ihn als Lehrer und für
ihre Hauscapellen zu gewinnen. Fürst
Auersperg bestellte P. zum Clavier«
lehrer für seine ganze Familie, in dieser
Zeit schrieb P. mehrere seiner gelungen»
sten Compositionen für das Clavier.
Fünf Jahre blieb P. im Hause des
Fürsten. Nm diese Zeit begannen im
Theater auf der Prager Kleinseite unter Spengler's Direction Vorstellungen
von Opern heimischer Componisten. P.
besuchte dieselben, machte sich durch seine
Rathschläge bei den noch ziemlich uner«
fahrenen Componisten und bei dem einer
sorgfältigen und verständigen Leitung
bedürftigen Orchester ziemlich angenehm,
und übernahm endlich ganz die Stelle
eines Orchester-Directors. Das war auch
sein rechter Platz, er ließ sich die Sache
ernstlich angelegen sein, schulte tüchtig
Sänger und Orchester und ward endlich
dann so angeregt, daß er selbst eine große
Oper schrieb: „Mctar und Waise, Mr:
dllS Hereilgericht", großes Singspiel in drei
Acten, welche im k. Altstadter National«
Theater in den Jahren 1793 und 1794
oft und mit Erfolg aufgeführt, und deren
Text im Jahre 1794 in Prag auch
gedruckt wurde. Indessen flchr P. fort,
als Musiklchrer thätig zu sein. verhei.
rathete üch im Jahre 1793', bei dem
Umstände aber. daß seine Zöglinge oft
weit von einander, mehrere sogar außer»
halb Prag, auf dem Lande, wohnten,
litt durch solche übermäßige Anstrengung
seine Gesundheit und P. that nur
wenig dazu, sie zu schonen. Als im
Jahre 1800 durch Praupner's Tod
die Stelle des Chordirectors an der
Teinkirch.e erledigt ward, bewarb sich P.
beim Magistrat um diesen Posten und
erhielt ihn auch in Anerkennung seiner
musikalischen Leistungen. Nun aber ent«
faltete P. eine großartige Thätigkeit,
bald war seine Kapelle so trefflich, daß
keine zweite mit ihr messen konnte.
Außerdem componirte er fleißig für den
seiner Zeitung anvertrauten Chor. Außer
einer Sammlung vierstimmiger Gesänge,
welche um daS Jahr 1793 erschienen
war, schrieb er mehrere Offertoiien,
Gradualien. Gesangsstücke, vier große
Messen, welche er später, als die Sopran«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon