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Pattis 334 Pattis
n<.-rconvente gehörig und seit Iahrzehen«
den zu profanem Gebrauche, zuletzt als
Tabakmagazin verwendet, feierlich als
Gotteshaus der Trienter deutschen Ge-
meinde eröffnet. Natürlich mußte die
Kirche erst restaurirt, im Innern voll.
ständig ausgestattet, mit Orgel, Altären.
Glocken versehen werden, und dieß Alles
war Patt is ' Werk, seine rastlose unver»
drossene Thätigkeit, sein Feuereifer in dieser
für eine Stadt mit getheilter Bevölke.
rung. wie Trient es ist, nicht unwesent<
liche Angelegenheit half ihm das Ziel
erreichen. Nun richtete er auf die Schule
sein Augenmerk. Wie die Deutschen in
Trient keine Kirche, so hatten die Kinder
deutscher Familien daselbst keine Schule.
Und die Zahl deutscher Famlien in Trient
ist eben keine geringe. Nun griff P.
die Angelegenheit an. Er opferte seine
eigene Wohnung, nur ein kleines Zimmer
für sich behaltend, und hielt selbst Schule.
Kinder beider Geschlechter erschienen bei
ihm, jene wohlhabender Eltern entrichte-
ten eine kleine Entschädigung, ärmere er-
hielten den Unterricht unentgeltlich, und
so wirkte P. durch Jahre im Lehramte,
und erst in letzterer Zeit widmete die kais.
Regierung dieser Anstalt ihre Aufmerk-
samkeit und spendete einen Jahresbeitrag
von 290 fl. zu Schulzwecken. Aber auch
die Armen hatte P. nicht vergessen. Und
*an Armen ist in Trient nie Mangel ge«
wesen. Ueber P.'s Anregung bildete sich
ein Verein von Armenfreunden, der bald
eine wohlthuende und umfassende Thä'
tigkeit entfaltete, dann gründete er ein
Versorgungshaus für dienstlose Madchen
und half sonst, wo er Noth und Elend
antraf, mit allen ihm zu Gebote stehen-
den Kräften. Dabei war er im Kriegs«
jähre 4839 in der Militärseelsorge uner«
müdlich thatig und hier zeigte sich sein
echt humanes Wesen. Wenn ein akatho« lischer Soldat zur letzten Ruhestätte ge-
tragen wurde, verweigerte ihm P. durch-
aus nicht das Geleite, um aber seinen
minder duldsamen Oberen kein Aergerniß
zu geben, erschien er ohne kirchliche
Abzeichen und erfüllte so als Katholik
gegenüber den Akatholiken die einfache
Menschenpfiicht. Als die Zahl der Ver-
wunderen sich nach jenem entsetzlichen
Blutvergießen auf den Feldern Oderita»
liens im Jahre 4839 in fast grauenerre«
gender Weise mehrte, da errichtete P. ein
Nothspital und waltete wie ein Engel des
Friedens inmitten der entsetzlichen Leiden
des Krieges. Es läßt sich wohl kaum mit
Worten dieses Priesters humanistisches
Wirken nach allen Seiten hin einiger«
maßen erschöpfend schildern. Auch noch
in anderer Weise war P. auf seinem
priesterlichen Gebiete thätig, er arbeitete
viel für die Kirche in der Presse. Im
1864 gründete er das Journal: „I^'Zoo
äsiis ^Ipi KEtiokä", daS ausschließlich
ihm seine Entstehung verdankt und sich
spater in die „Vooo OHttolioa" umwan-
delte. Es gab — und gibt auch jetzt noch
— eine geheime und nicht unmächtige
Partei, welche Südtirol aus dem Verbände
des Kcnserstaates zu reißen und dem neuen
Königreiche Italien einzuverleiben sich
bemüht. Gegen diese Partei kämpfte P.
mit Wort und That und suchte Trient
und die Herzen Walschtirols dem ange«
stammten Kaiserhause zu erhalten. „Na«
türlich". bemerkt aus diesem Anlasse sein
Biograph, „mußte er dafür vor seiner
Wohnung den Morgengruß der Petarden
vernehmen". Im Jahre 4868 wurde P.
zum Ober«Schulinspector der deutschen
Gemeinden von Palü und Luserna er»
nannt. Nach seiner Rückkehr von einer
Reise nach Rom, die er zu Ansang des
Jahres 5868 anläßlich der großen Sa-
cularfeier unternommen hatte, besuchte er
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon