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die Schulen der genannten Gemeinden.
Auf dieser Vifltationsreise zog er sich ein
Brustleiden zu, daS er bei seiner vielseiti-
gen Beschäftigung anfänglich gar nicht
beachtete. Auch als es schon drohender
wurde, ließ er sich in seinen Arbeiten
nicht stören, und so nahm denn das
Uebel einen tödtlichen Verlauf. Groß
war die Trauer der ganzen Bevölkerung
bei der Nachricht von dem Hinscheiden
des edlen Priesters, und fein unübersel^
barer Leichenzug zeigte die Theilnahme
derselben für den so früh dahingeschiede»
nen Mann, der allgemein als der Wohl»
thäter der ganzen Gegend verehrt wurde,
der im Eifer der Pflicht selbst sein
Leben im schönsten Mannesalter von erst
38 Jahren zum Opfer gebracht hatte.
Südt i ro le r Volksblat t 1868. Beilage zu
Nr. t.- „Nekrolog".
Plltuzzi, Alexander (Schrift stel.
ler. geb. zu Wien 11. März 1813, gest.
ebenda im April 1869). Die Familie Pa-
tuzzi's ist eine italienische und zu ihr
gehört der seiner Zeit berühmte Jesuiten»
czegner Vincenz Paruzzi (geb. zu Verona
1700, gest. zu Venedig 1769). Dominika-
nerrnönch und Verfasser mehrerer gelehr-
ten theologischen Schriften, u. a. der in
theologischen Kreisen einst sehr geschätzten
»Z^'ea ^-l'siiana". Ein Zweig dieser
Familie verließ die italienische Heimat,
kam nach Oesterreich und ließ sich daselbst
bleibend nieder. Aus diesem stammt
Alexander Patuzzi ; er studirte in
Wien, begann daselbst auch das medici»
nische Studium, das er aber bald wieder
aufgab, worauf er den Buchhandel er-
lernen wollte und, nachdem er hie und
da conditionirt, bei Ko l lmann in
Leipzig als Gehilfe diente. Ko l lmann
zahlte zu jenen Männern seines Geschäf«
teS, die es den Leuten, so ihrer Führung anheim gegeben sind, nicht gerade leicht
machen, um ste eben zu tüchtigen Man«
nern ihres Faches heranzubilden. Ale«
ran der P. erkannte wirklich nicht,
oder wollte diese humane, unter rauher
Außenseite sich verbergende Absicht nicht
erkennen, kurz unter beiderseitigem Miß.
behagen löste sich das Verhältniß von
Meister und Gehilfe. P. soll damals
zum bleibenden Andenken an diese seine
Lehrzeit ein unsauberes Pamphlet, «Has
schwarze Nuch" oder anders betitelt,
gegen Kol lmann geschrieben haben,
welches wie andere seiner spateren Werke
spurlos in der Literatur verschwunden ist.
Nun erzählen seine Biographen von
Reisen, welche P. in Deutschland, Italien
und in der Schweiz gemacht. Ob auf
eigene Kosten oder im fremden Auftrage
ist nicht bekannt. Zu Ende der Vierziger»
Jahre kehrte P. nach Wien zurück, wo er
zum Theile kleinere Arbeiten in Zeitschrif.
ten und Almanachen veröffentlichte, nach»
dem er schon früher mit einer Sammlung
von Gedichten und mit einer größeren
epischen Dichtung: „Der Thron von Würt'
temberg". debütirt hatte. Im Jahre 1330
ging er nach Gratz. um an der Redaction
der dort erscheinenden Landeszeitung
mitzuwirken, aber auch in dieser Stellung
verharrte er nicht lange, denn schon im
folgenden Jahre kehrte er nach Wien
zurück, wo er seither von dem Ertragnisse
schriftstellerischer Arbeiten der verschieden»
sten Art lebte. Die erste Zeit seines
Schaffens gehörte der Poesie an. Wenn
auch — nach dem Ausspruche der Kritik
— was er schuf, nicht von Bedeutung
und ohne bleibenden Werth ist, so offen»
bart sich doch in seinen Dichtungen mit'
unter Phantasie, die freilich durch forcirte
Schwermuth und mangelhafte Form des
Ausdruckes beeinträchtigt wird. Geradezu
unbedeutend und alle Schwächen einer
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon