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von seinen Schülerinen die neuesten Cla»
viercompositionen, die er dann zu Hause
abschrieb und in der Art, wie er sie
spielen gehört, nachzuspielen versuchte.
Dann versuchte er damals schon ein und
das andere Thema zu variiren und ge»
langte bei angebornem Talente und bei
seiner, durch eigenes Studium gewönne»
nen Kenntniß in allen Gattungen des
Contrapunctes, zu einer seltenen Leichtig-
keit im Phantasiren. Da die Orgel der
Meidlinger Kirche kein Pedal hatte, so
besuchte er andere Chöre, besah die Pe«
dale und schnitzte sich zu Hause nach den
gesehenen Pedalen selbst alle Fußtöne
aus, reihte sie nach der Ordnung unter
das Clavier und tappte darauf so lange
herum, bis seine Füße die nöthige Fertig«
keit hatten; dann spielte er mit aller
Zuversicht auf einer und der anderen
Orgel. So hatte er — den Unterricht,
den ihm sein Vater ertheilt hatte, aus«
genommen — Alles aus Eigenem erlernt.
Talent, großer Fleiß, rastloses Studiren
tüchtiger Lehrbücher hatten ihn ohne
fremde Anleitung zu einem sehr geschick«
ten MusicuS ausgebildet. Seit 1800, als
er 13 Jahre alt war, verwendete ihn der
Vater im Schuldienste, und als drei
Jahre später sein Vater starb, übernahm
er, damals 16 Jahre alt, die Meidlinger
Schule, bei der er durch 13 volle Jahre,
bis 1816, in Wirksamkeit blieb und den
Lebensunterhalt seiner Mutter und vier
Schwestern bestritt. Die Muße seines
Lehramtes widmete er der Musik und
vervollkommnete sich so, daß er ein vor.
trefflicher Organist, Pianist und Compo«
siteur wurde. Auch fungirte er — seit
1806 bei dem im Meidlinger Badehause
neuerbauten Sommertheater — als Ca«
pellmeister und componirte zu jener Zeit
mehrere Operetten, wie: „Der wilde Ja«
ger". „Der hohle Baum" und „Das Ster. nenmadchen". Im Jahre 1815 trat er zum
ersten Male öffentlich in einem Concerte
im k. k. Redoutensaale auf, zum zweiten
Male im Theater an der Wien; im Jahre
1816 gab er im kleinen Nedoutensaale
sein erstes Concert, in welchem er nur
eigene Kompositionen spielte. Er gab
dasselbe noch als Schullehrer; als aber
im nämlichen Jahre seine Mutter starb
und seine Schwestern heiratheten, gab er
den anstrengenden und wenig einträg«
lichen Schuldienst auf und widmete sich
ausschließlich der Musik. Er ging nun nach
Wien, gab dort Unterricht im Pianospiel,
verwerthete seine bald beliebt gewordenen
Kompositionen und erwarb sich durch
Heranbildung einiger Schülerinen, wie
Iosephine Kei l M . XI , S. 134 in den
Qu.) und Leopoldine Blahetka M . I,
S. 421), als Pianofortelehrer bald einen
ausgezeichneten Ruf, der durch eine im
Jahre 1813 unternommene Kunstreise
nach Norddeutschland nur eine festere
Begründung erhielt. Im Jahre 1824
folgte er einem Rufe als Capellmeister
nach Amsterdam, wo er zwei seiner
Opern, aber ohne nachhaltigen Erfolg, zur
Aufführung brachte und nur ein halbes
Jahr verblieb. Von Amsterdam aber
ging er nach Paris, wo er acht Jahre
als gesuchter Clavier« und Gesangslehrer
zubrachte, im letzten Jahre die daselbst
entstandene deutsche Oper dirigirte und
im I'iiea.trs Oäson zwei seiner Opern
dargestellt wurden. Im Jahre 1832
kehrte er nach Wien zurück, übernahm
daselbst die Capellmeisterstelle bei der
neuerrichteten Oper im k. k. priv. Thea>
ter in der Iosephstadt, die er jedoch
übergroßer Anstrengung halber schon in
drei Vierteljahren niederlegte und sich
nun ausschließlich mit dem Musikunter-
richte beschäftigte. Von einem Schlag-
anfalle, der ihn im Jahre 1838 zum
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon