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Pechätschek
Bühne berechneten Musikstücken. Ein gro-
ßes Ballet schrieb er zuc Installations«
feier des Fürsten Anton Eßterhazy,
ein anderes anläßlich der Anwesenheit
des Königs von Neapel in Wien, das
im großen Redoutensaale aufgeführt
wurde. Außerdem componirte er mehrere
Messen und andere Kirchensachen, eine
große Ouvertüre für das ganze Orchester,
vieles für die Violine mit'Begleitung,
eine zu seiner Zeit sehr beliebte große Po-
lonaise und eine große Menge Tanzmusik,
als deutsche Tänze, Walzer, Ländler
— deren über Hundert — Ecossaisen,
Menuetten u. s. w. für Violine, Piano
und ganzes Orchester. Als Walzercom«
ponist genoß P.. der gleichsam ein Vor«
laufer von Strauß und Lanner ist,
in Wien große Beliebtheit.
Dlabacz (Gottfried Ioh.), Allgemeines histo»
risches Künstler«Lerikon für Böhmen und zum
Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag
!81S. Gottl. Haase. 4".) Bd. I I , Sp. 437 u. f.
^daselbst sind seine Tanz. Compositionen
einzeln angegeben). — Oesterreich ische
N ational»Encyklo p ädie vonGräffer
und Czikann (Wien !83Z, 8".) Bd. IV,
S. NO snach dieser lebte Franz P. der
Vater noch im Jahre l836).
Pechä.tschek, Franz
sterSohn^j (Ton-
künstler. geb. zu Wien 4. Juli 1793,
gest. zu Kar lsruhe 13. September
1840). Der Sohn des Vorigen. Von
seinem Vater erhielt er frühzeitig Unter«
richt im Violinspiele, worin er bald so
ausgezeichnet war, daß er, ein zehnjahri«
ger Knabe. 1801 und 1802, am kaiser-
lichen Hofe sich hören lassen'konnte. Im
Jahre 1803 unternahm sein Vater mit
ihm eine Kunstreise nach Prag. Später
mackte P. bei Förster ^Bd. IV, S. 273^j
Composilionsstudien; fungirte dann als
zweiter Orchesterdirector im Theater an
der Wien und im Jahre 1318 wurde er
als erster Violinist an der hannover'schen Pechatschek
Capelle angestellt. Zugleich machte er
viele Kunstrasen, ließ sich in Dresden,
Leipzig, in den Jahren 1824 und 1823
in vielen Städten Süddeutschlands mit
großem Erfolge hören und erhielt im
Jahre 1826 anläßlich seines Künstler»
rufes die Stelle des großherzoglichen
Concertmeisters in Karlsruhe, die er bis
an sein Lebensende bekleidete. Seit 1826
verließ er, einmal ausgenommen, wo er
eine Kunstreise nach Paris machte, Karls-
ruhe nicht; seine geschwächte Gesundheit,
die auch sein Ende im schönsten Mannes»
alter herbeiführte, gestattete ihm die An»
strengungen des Reifens nicht. In Paris,
wo man in seinem Spiele eine schwache
NachahmungPaganini's sindenwollte,
was es jedoch nicht im Geringsten war,
fand er nur mittelmaßigen Beifall. Im
Uebrigen war P. als Violiufpieler und
Komponist zu seiner Zeit sehr geschätzt. Er
spielte außerdem auch Guitarre und das
Pianoforte, letzteres jedoch nur, soweit er
es zu Compositionsstudien brauchte. Sein
Spiel bezeichnen Fachmanner als ein ele«
gantes, keckes, mit herrlich reinem und
zartem Tone, doch ist ihm der dem eigent«
liche Concerte angehörende große Bogen
nicht eigen, wohl aber daS leichte graziöse
Spiel, das freilich nicht den Zuhörer
elfaßt und tief in die Herzen dringt,
wohl aber die Sinne ergötzt und den
Beifall der Menge erhält. P. war auch
Compositeur, aber die Zahl seiner Com»
Positionen ist nicht eben groß, sie mag
kaum die Vierzig erreichen, es sind klei»
nere. Stücke für Violine und Orchester,
meistens Tanze und Variationen, sie sind
gefällig, zierlich, unterhaltend, oft reizend,
durch Zartheit sowohl als Keckheit der
Melodie, aber mehr im Polonaisen«
und Rondostyl, weniger großartig und
tief. obwohl er auch im ernsten Styl
etwas zu leisten vermochte, wie sein
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon