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der ungarischen Lesewell auf dieZrinyade,
ein von dem Enkel des Szigether Leo>
nidas verfaßtes Epos über den Fall
von Szigeth und den Heldentod Zr in y's,
d°S im Jahre 168t erschien. allmällig
vergessen und jetzt durch Räday'S Um-
arbeitung in Hexametern und hinzuge»
fügte Erläuterungen dem Publicum niie>
der in's Gedächtniß zurückgerufen wurde,
Ein noch größeres liierarisckes Verdienst
erwarb er sich aber dadurch, daß er durch
Kenntniß der besten Werke deutscher
Dichter jener Zeit angeregt, in seinen
Versen der Erste den Reim mit Sylben«
maß verband, wodurch er denn auch zur
Ausbildung der dichterischen Sprache
seines heimischen Idioms nicht unwesrnt-
lich beitrug. Radar) schrieb einzelne
Lieder, Fabeln, Uebersetzungen und außer
der schon erwähnten Umdichtung der
Zrinyade, ein Epos, welches die Besitz»
nähme seines Vaterlandes durch Arftad
zum Gegenstande hat und das er in
schönen und volltönenden achtzeiligen
Stanzen von eigenem Bau — daher
die Bezeichnung: Räday'sche Versart
— zu schreiben begonnen, aber bald
aufgegeben hat, denn es ist davon
nur ein Fragment in die Oeffentlichkeit
gelangt. Seine Dichtungen erschienen in
den Zeitschriften „Ua^kr klllLg,", „Or-
pliouL" und „UHS^ar Uu2eulu''; der
größte und wichtigste Theil, seiner Arbn-
ten ist aber verloren gegangen. Franz
Toldy, der gewiegteste Kenner der un»
garischen Poesie, stallt Räd ay als Dich»
ter nicht eben hoch. Er besaß, wie er
schreibt, keine schöpferische Kraft. Als
Uebersetzec wußte er aber fremde Stoffe
sich ganz anzueignen. Er bezeichnet seine
dichterischen Arbeiten als schwer erwor»
bene Errungenschaften eines Dilettanten,
welche aber durch seinen ausgebreiteten
Briefwechsel, worin er mit fast allen vaterländischen Schriftstellern stand, unter
diesen verbreitet, vielfach anregend wirk»
ten. so daß der Neiz eines geläuterten
Geschmackes überall fühlbar wurde. R,
war auch ein großer Bücherfreund und
ist der Stifter der besonders für unsere
Literaturgeschichte. äußerst wichtigen Bi>
bliothek zu Päczel, welche seiner Zeit der
ungarische Landtag um den Preis von
40.000 fi. C. M. für die Nation ankau-
fen wollte. Einer Mittheilung zufolge,
welche der ungarische Superintendent
Paul Török im Jahre 1860 gemacht,
hat sich aber die gräfliche R ad ay'scke
Familie im protestantischen und patrioti»
schen Eifer bereit erklärt, die Bibliotek,
wenn sie in den Besitz der Pesther pro»
testantischen Hauptschule übergeht, für
die Hälfte der von dem Landtage bewil-
ligten Kaufsumme, also für 20.000 fi.,
zu überlassen, und wurden zu diesem
Zwecke sofort Sammlungen eingeleitet,
welche in kurzer Zeit ein erfreuliches Re»
sultat lieferten. Gedeon Räday wurde
von Kaiser Joseph in den Freihercn»
und von Kaiser Leop old in den Gra»
fenstand erhoben. Er starb auf seiner
Besitzung Päczel im hohen Alter von
79 Jahren, aus seiner Ehe mit Su>
sanna Fäy nur einen Sohn, gleichfalls
Gedeon, hinterlassend, der gleich sei»
nem Vater ein Freund der Wissenschaften
und schönen Literatur war.
d, i. Geschichte der unaan'schen Dichtmia oon
der Schlacht von Modäcs bis auf unsere Tage
(Pest!) 18L3, Gxft, Heckenast. ar, 8°,) Vd, 7,
Sp, Aü2 u, f, soach diesem aest. am 3, August
voluit (?e«t l?92, 8°.). — Toldy (Franz),
Geschichte der ungrischen Dichtung uon den
ältesten Zeiten die auf Alei. K is fa luby,
NuS dem Unarischen übersetzt uon Gustau
Steinacker (Pesth l«ü3, Heckenast «",)
S. 409 u. f. — Handbuch der ungrischen.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon