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223 Naffelsferger
find. Seine Heimat MalS verdankt ihm
großentheilg das neue Spitalsgebäude
mit der Mädchenschule der barmherzigen
Schwester!?. Ob er seinen — bei Lebzei»
ten öfter ausgesprochenen — Lieblings»
gedanken, sein ansehnliches Vermögen
der Stiftung eineS katholischen deutschen
Waisenhauses in Williamsburg zu wid»
men, testamentarisch verwirklicht hat, ist
nicht bekannt. Sein Nekrologist klärt
unS über die Quelle dieses bei einem
Missionar befremdenden Vermögens auf.
R. selbst lebte ungemein schlicht und ein»
fach, fast aSzetisch einfach. Seine Tracht
war prunklos, seine Einrichtung patriar»
chalisch; seine Kost mäßig, hauptsächlich
nährte er sich von Milch einer Ziege,
seine Reisen bestritt er mit unglaublich
geringen Summen; seine Sackuhr, die
er durch sein ganzes Leben trug, hatte er
von einem Hirten in Tirol um sechs
Gulden gekauft, aber um zu Mitteln zu
gelangen, die es ihm möglich machten,
bei dem Vaue von Schulen und Kirchen
in seinen nordamerikanischen Gemeinden
werkthätig mitzuwirken und jene huma»
nistischen Stiftungen und Werke, deren
oben gedacht worden, auszuführen, ver»
schmähte er es nicht, die günstigen Zeit»
Verhältnisse und Erwerbsquellen, die
ihm Amerika in vollem Maße durch seine
Banken, Eisenbahnactien, Staatsanlehen
u. dgl. m. darbot, zu benutzen und so
zur Förderung seines Glaubens und sei»
ner humanen Zwecke zu wirken.
Volk6. und Sckützen<Z eitunl! (Inns<
druck, 4°.) XVI. Iahrg, (1861), Nr. 147
u. <48: „Stephan Raffeiner". — Pro>
grami» des k, k, Gymnasiums zu Meran
für 1863/186« (Innsbruck 186U, 4°.) S, 11.
Raffelsperger, Franz (Geograph
und Fachschriftsteller, geb. zu Mo»
dern in Ungarn 23. September 1793,
gest. zu Wien 14. Juli 186l). Besuchte
daS Gymnasium und die Real'Akademie in Wien. Für den Handelsstand be»
stimmt, machte er dann eine Reise nach
Frankreich und mehrere geognostische
Ausfiüge nach Ungarn. Nach seiner Rück-
kehr übernahm er die Leitung verschiede»
ner technisch industrieller Unternehmun»
gen, so 1813 den Vau und die Einrich»
tung von Stampf» und Dampfmühlen
und später der Gypsbrennereien zu Di»
xenberg in Niederösterreich, und legte
dabei große Umsicht und Geschicklichkeit
an den Tag. Im Jahre 1820 erhielt er
eine Anstellung bei dem k. k. Postwesen.
wo er seine auf den bisherigen Reisen
erworbenen Kenntnisse zum Besten dieser
durch Ottenfeld ^Bd. XXI, S. 121)
eben in einer Reorganisation begriffenen
Anstalt zu verwerthen wußte. In Folge
seiner Tüchtigkeit wurde er öfter auf
Dienstreisen nach Florenz, Rom, in die
Schweiz und nach Frankreich geschickt,
dabei war er in seinem Fache auch litera»
risch thätig und zeigte sich in demselben
so gewandt, erfahren und energisch, daß
ihm die Stadt Wien im Jahre 1830 das
Bürgerrecht, im folgenden Jahre die
große goldene Salvator'Medaille, seine
GeburtSstadt Modern das Ehrenbürger-
recht und die Könige von Preußen, Sach»
sen, Sncdinien und Frankreich die damals
üblichen goldenen Medaillen verliehen.
Auch war er als geo» und topographischer
Schriftsteller und Chartograph — die
Uebersicht dieser Arbeiten folgt auf nach»
ster Seite — in verdienstlicher Weise thä»
tia,. Die Bewegung deS Jahres 1848 rief
ihn auf ein anderes, daS publicistische
Gebiet, und bald nach AuSbruch der
Märzbewegung begründete er in Wien
daS Journal: „Der Unparteiische",
welches sich als Anwalt des im Vormärz
ebenso wenig wie jetzt auf Rosen gebette-
ten österreichischen Beamtenstandes er»
klärte. So nothwendig ein solches Organ
u. Wurzbach, biogr. Lriikon. XXIV. lMdr. 6. Juni 15
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon