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im Reiche der Kunst immer mehr verherr»
lichen halfen. Im Jahre 4860 arbeitete
er den Entwurf für den Festsaal deS
großherzoglicben Schlosses in Oldenburg,
von welchem jedoch nur die Decke und
die Seitenwände zur Ausfülnung gelang»
ten. Im folgenden Jahre vollendete er
die zwölf großen Figuren für die dem
Wiener Opernhause gegenüberstehende
Fnyade des Heinrichshofeg. Im Jahre
1862 übertrug der Bankier Eduard To-
deSco auf Kaulba ch's Anregung dem
Künstler die Ausschmückung von acht
Gemächern seines neuen, in W>en in der
verlängerten Kärnthnerstraße erbauten
Palastes. Rahl führte darin die Paris-
Mythe in herrlichster Weise aus. Mitt»
lerweile brachte er aber auch einige klei»
nere Aufträge zu Stande, so die Patrone
der erzherzoglich Rainer'schen Familie
für die Eapelle des Schlosses zu Horn»
stein, die Freske: „Das Mädchen aus der
Fremde", für die Villa WiS gr i l l in
Gmunden, die 20 Zeichnungen mit dem
Cyklus der Argonautensage für den Gra>
fen Wimpf fen, deren Ausführung im
Paläste des Grafen durch deS Künstlers
Tod vereitelt wurde. Endlich aber trat
ein Macen an den Künstler heran, der
seine ganze Bedeutung erfaßte und ihn
mit einer großartigen Aufgabe betraute.
Es ist dieß der griechische Botschafter am
kaiserlichen Hofe, derFreiherr vonSina,
Dieser übertrug dem Künstler zuerst den
Bilderschmuck an der Fayade und in der
Vorhalle der uon Hansen restaurirten
griechischen Kirche auf dem alten Fleisch-
markte, ließ dann nachRahl 's Entwürfen
die vier Elemente im Speisesaale, dann die
Künste und Jahreszeiten im Thorwege
seines Palastes auf dem Hohenmarkte in
Wien ausführen und übertrug ihm end»
lich die Entwürfe für den FrieS an der
von Hansen in Athen erbauten Uni« versität, welche eine Darstellung der Ent»
wicklungsgeschickte der Wissenschaften auf
griechischem Boden enthält und mittler»
weile durch den Kupferstich auch in wei-
teren Kreisen Verbreitung gefunden hat.
Wohl hätten solche Werke genügen sol»
len, um einen Künstler von dieser Bedeu»
tung auf jenen Platz zu stellen, der ihm
längst gebührte, aber erst dem Einflüsse
deS Ministers Schmerl ing, mit dem
eine würdigere Anschauung für Kunst
und Wissenschaft in jene Kreise einzog,
welche eben berufen sind, ohne Rücksicht
auf das politische Parteigetriebe, Kunst
und Wissenschaft zu fördern, zu unter»
stützen und zu schützen, erst diesem Staats»
manne gelang es, den Künstler wieder
für die Akademie zu gewinnen, der er
leider nur zu viele Jahre entzogen geblie»
ben war. Mit Allerh. Entschließung ääo.
17. Februar 1863 erhielt Rahl an der
Wiener Kunstakademie die erledigte Pro»
fessur der Malerei. Seit dieser Zeit, noch
mehr aber seit der kaiserlichen Ordens»
Verleihung, verstummte daS kleine, aber
rührige Geschlecht, dem der Künstler
durch seine Werke gefährlich war. Leider
konnte sich das Institut, dem er wieder
gegeben war, nicht lange dieser edlen und
einflußreichen Kraft erfreuen. Die letzten
Arbeiten, welche R. ausführte, waren die
Vollendung des Cartons zur Cimbern»
schlacht, welche Baron Schak in Mim»
chen schon vor Jahren bei dem Künstler
bestellt hatte, dann mehrere Aquarellskiz-
zen für den Plafond des Zuschauerrau»
mes, das Proscenium und den Vorhang
im neuen Wiener Opernhause, wozu er
die Personificationen der von der Musik
geweckten Gefühle gewählt hatte. Son»
derbaier Weise mit der Verherrlichung
der Musik, für welche er am wenigsten
Verständniß hatte, nahm Rahl Abschied
vom Leben. Im. Vorstehenden sind die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon