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Nandegger 322 Nandhartiltger
führung durch einen Trlaß des Kaisers
Joseph I I . untersagt worden war.
Nach manchen Kreuz, und Querfahrten,
durch die damaligen kriegerischen Wirren
veranlaßt, kam er endlich zu seinen El-
tern, die wieder nach Randegg zurückge»
kehrt waren, wo er einige Monate ver-
weilte und dann eine Erzieherstelle bei
einem Glaubensgenossen in Hohenems
übernahm, welche er nach anderthalb
Jahren niederlegte, worauf er sich nach
Trieft begab. Dort versuchte er ansang-
lich in einem Handlungsgeschäfte thätig
zu sein, kehrte aber in einiger Zeit zum
Lehrerberufe zurück, indem er in einem
wohlhabenden Hause eine Grzieherstelle
annahm. Als in Trieft eine israelitische
Schule errichtet wurde, erhielt er eine
Stelle an derselben und versah dieselbe
bis zur Ankunft der Franzosen in Trieft.
Nun eröffnete er selbst eine dreiclassige
Schule für die italienische, deutsche, fran»
zösische und hebräische Sprache. Im Gan»
zen war er nahezu dreißig Jahre in Trieft
im bezeichneten Lehramte thätig, überdieß
betraute ihn die Regierung mit dem Unter»
richte der Sträflinge, auch wurde er zum
Vorstände deS größeren Tempels er-
wählt, als welcher er den Dienst des
Rabbiners zu versehen hatte. Mancherlei
Vexationen von Seite der Unterrichts»
behörden hatten ihm schon in früherer
Zeit Unannehmlichkeiten bereitet, aber
die Unbescholtenheit seines Charakters,
verbunden mit der Tüchtigkeit der Lei»
stungen in seinem Fache machten diesel»
ben unschädlich, als sich aber im Laufe
der Jahre diese Umtriebe erneuerten,
entschied er sich zuletzt, Trieft zu verlas»
sen, wo er so viele Jahre gewirkt. Er
ging zuerst nach Fiume, in der Absicht,
dort ein ErziehungSinstitut für seine
Glaubensgenossen zu errichten; als er
aber daselbst zwei Jahre zugebracht, ohne seinen Plan verwirklichen zu k5n>
nen, begab er sich im Jahre 1839 nach
Fiorenzola im Parmesanischen und über»
nahm daselbst die Rabbiner» und Lehrer»
stelle in der israelitischen Gemeinde. Nach
einigen Jahren legte er altershalber sein
Amt nieder und übersiedelte nach Mai»
land, um dort bei seiner Tochter den
Rest der Tage zu verleben. Doch die
Wirren des Jahres 1848 trieben ihn
von dort und er begab sich im Herbste
g. I . nach Trieft, wo er nun eine Pci»
vat> Mädchenschule eröffnete. N. hat
während der Dauer seines 73jährigen
Lebens ein halbes Jahrhundert hindurch
im Gebiete deö Erziehungswesens für
seine Glaubensgenossen das Ersprießlichste
geleistet. Auch auf schriftstellerischem Ge<
biete ist er thätig gewesen. Er schrieb für
mehrere hebräische Zeitschriften, u. a. für
a), fand eine eigene Lesart der Bü»
cher Moses auf, welche ihre sinnreiche
Abfassung in ein neueS Licht stellte, und
veröffentlichte selbstständig das Werk:
„115 N2Üt- AMllrisch'Kriiischlr Vnsnch, die
Psalmen ant 3>au!t>'3 Aeiten znriickjninliren.
Nebst einem Anhange iilier einige biblische Poet.
stücke. Nnzn auch <V«t der Psalmen" (Wien
1841, 8",). Seine Frau, eine Tochter
deg Kanzlers Gal igo der Triester israe»
litischen Gemeinde, schenkte ihm eine
zahlreiche Familie, von der nebst mehre-
ren Töchtern noch zwei Söhne leben,
deren Einer, F. S. C. Randegger,
auch als Schriftsteller thätig ist.
IIn I>o' Hi tutto. Ltrünua I>or I'aunl» 1855
oomßUllt», äa 1?. 8. 0. li, a, u <! o z; 8 « i- IV«-
nsäiL, Naratoviek, 8».) x. 9: „NioAiMk
eFFSr gl 8. 1°eßUo in I'ioi'yusaln".
Rllndhartinger, Benedict (k. k.Hof-
capellmeister und Eomponist, geb.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon