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aufmunterte, so daß R. frühzeitig das
Französische und Italienische sich aneig.
nete, wozu sich in der Folge noch die
auf Reisen gewonnene Kenntniß des Eng»
tischen und Russischen gesellte. Jedoch
wider Erwarten wenig günstig waren die
Fortschritte auf der Akademie. Der froh.
liche, oft übermüthig lustigeKnabe machte
während der Lehrstunden Schwanke und
Possen, so daß er nicht nur selbst nicht
vorwärtskam, sondern auch seine Mit»
schüler in der Arbeit hinderte und nicht
selten, um diese nicht zu stören, den Zeich,
nungssaal verlassen mußte. Bei einer Ge.
legenheit, als er eben mit einem Collegen,
dem nachmals berühmten Bildnißmaler
Friedrich Amerl ing, seine Körperstärke
prüfte, warf er ein Modell des Achilles
um. daß eS in Stücke zerbrach. Hingegen
trieb er außerhalb der Akademie uerschie.
dene andere, mit der Kunst eben nicht im
engsten Zusammenhange stehende Uebun»
gen wie: Fechten, Reiten, Schwimmen,
Schlittschuhlaufen und machte darin un>
gleich größere Fortschritte als im Zeichnen
und Male». Im Jahre 4819 verlor er
seinen Vater. Bald darauf bat er seine
Mutter um Erlaubniß zu einer Reise in
die Schweiz und diese ihm von der Mutter
gestattete Reise in das Alpenland bildet
einen Wendepunct in seinem Leben. Die
herrlichen Ansichten, die sich dem fünfzehn»
jährigen Jünglinge auf seinem Zuge in
die wundervolle GebirgSwelt erschlossen,
reiften in ihm den Entschluß, Landschaft«,
maler zu werden. Auf dieser Reise ent»
warf R. zahlreiche Skizzen, zeichnete
Menschen und Thiere, und schon damals
mit Vorliebe Hunde. Noch sind zwei
Momente dieser ersten Künstlerfahrt be-
merkenöwerth. Auf seiner Heimreisebefand
sich R. am 23. März 1819 in Manheim.
an welchem Tage Koßebue durch
Sand ermorde! wurde. Dann auf der Donaufahrt nach Wien, welche er auf
einem Flosse mitmachte, scheiterte durch
Ungeschicklichkeit de« Steuermannes das
Floß und R., ein tüchtiger Schwimmer,
rettete nicht nur siin eigenes, sondern
auch daS Leben zweier, des Schwimmen«
unkundiger Reisegefährten. AlS er in
Wien ankam, wurde es ihm mit der Kunst
Ernst, aber nicht mehr die Akademie,
sondern die Beloedire.Gallerie besuchte
er und studirte daselbst mit beharrlichem
Fleiße vor Allem die italienischen Meister.
Im Jahre 1826, damals 21 Jahre alt,
stellte er in der IahregauSstellung bei
St. Anna sein ersteS Werk aus: „Kunz
von der Rosen will den Kaiser Max auS
seiner Haft befreien". Dieses Bild machte
den Namen deS Künstlers in weiteren
Kreisen bekannt. EineS Tages trat der
Kammerherr deS Erzherzogs Maxi mi»
l ian d'Este in die Schenkstube der
Witwe Ranf t l und fragte nach dem
Maler deS Bildes. Nun trat R., der bei
starkem Besuche seiner Mutter immer noch
in der Bedienung der Gäste aushalf, mit
dem grünen Sammtkäppchen und der
blauen Schürze, wie sie die Wirthe zu
tragen pflegen, vor den Kammerherrn
und stellte sich als den Gesuchten vor.
Der Kammeiherr war nicht wenig er-
staunt, den Maler in dieser Situation
anzutreffen und beschied ihn für den
folgenden Vormittag zum Erzherzoge.
Ranf t l fand sick bei demselben ein und
der Erzherzog empfing ihn mit den Wor-
ten: „Ich habe Ihr Bild in der Aus»
stellung gekauft und Ihnen den doppelten
Netrag dessen, wa« dafür verlangt wurde,
angewiesen. Ich that das, weil ick glaube,
daß man Ihr Talent unterstütze» muß
und ich von Ihnen hoffe, daß Sie dem
Vaterlande als Künstler Ehre machen
weiden." Die Hoffnung des kaiserlichen
Prinzen hat sich erfüllt. Ein anderes Bild
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon