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aus dieser Zeit: „Der wahnsinnige Tasso
betrachtet sein Schwert" wurde von einem
Kunsthändler um eine geringe Summe
dem Künstler abgekauft und um hohen
Preis als Werk eines alten italienischen
Meisters dem Fürsten Eszterhä, zy ver°
kauft. Gin drittes „Kaiser Max betrach-
tet seinen Sarg" wurde für ein Werk von
Danhauser verkauft. R. malte nun
fleißig, namentlich viele Porträte und
einen CykluS von sechsundzwanzig klei»
neren Bildern, meistens Scenen auS dem
Leben des Kaisers Maximilian I., dessen
bewegtes Leben reichen Stoss für künst>
lerische Darstellung bietet. Indessen er>
wachte in R. wieder die Lust zu reisen
und im Jahre 1826 unternahm er eine
Künstleifahrt nach Moskau, wo er bald
als Porträtmaler so große Beschäftigung
fand, daß er über ein Jahr dort bleiben
mußte und manchen Tag drei bis vier
Sitzungen hatte. Im nächsten Jahre be»
gab er sich nach St. Petersburg, wo er
die Bekanntschaft mit Schukowsky,
dem Erzieher des Großfürsten und Lehrer
der Kaiserin machte, Eingang bei Hofe
fand, viele Porträte, dann die ersten als
Gefangene nach Petersburg gebrachten
Tscherkessen für die Kaiserin malte, und
auch mit dem Dichter Puschkin bekannt
wurde, für dessen Dichtung „Eugen
Onegin" er sechs Zeichnungen ausführte.
Nach einem viermonatlichen Auftnthalte
in der Newastadt kehrte er nach Moskau
zurück, welches er aber in Folge eines
LiebeShandels mit einem Mädchen aus
vornehmen Hause, welcher entdeckt wurde,
rasch wieder verlassen mußte, um Verfol»
gungen zu entgehen. R. kehrte nun nach
Wien zurück. Daselbst erhielt er nun die
Bestellung auf ein großes Altarbild für
die Kirche zu TotiS. Er malte den „H.
Augustin mit dem Engel mit der Muschel",
welches so großen Beifall fand, daß er sofort einen Ruf nach Warasdin in Croa»
tien erhielt, um für den dortigen Comi»
tatsfaal die lebensgroßen Bilder von 48
Königen zu malen. Während er mit die»
ser Arbeit beschäftigt war, wandelte ihn
die Lust an, den Carneval in Trieft zu
sehen. Mit einer ansehnlichen Summe
ausgerüstet, kam er in das vor Trieft
gelegene Planina an, gerieth aber unter
Spieler, und verlor seine ganze Barschaft.
Nichtsdestoweniger setzte er — jedoch jetzt
zu Fuße — seine Reise nach Trieft fort,
wo er in der frugalsten Weise den Car»
neval verlebte, und endlich einen Freund
traf, der ihm Geld lieh, damit er nach
Warasdin zurückkehren konnte. „AuS
Buße", so sagte er selbst, malte er nun
für das dortige Kapuzinerkloster cine
„Mutter GotteS" als Himmelskönigin und
den „Traum des h. Joseph" als Fron»
tispizbild. Ueber den komischen AuSgang
einer Liebesgeschichte, in die er dort wider
Willen hineingezogen wurde, berichtet
L. A. Fr an kl in dem in den Quellen
bezeichneten Feuilleton, welches nach den
Mittheilungen Ranft l 'S niedergeschrie»
ben ist. Im Herbst 1831 kehrte der Kunst»
ler nach Wien zurück, wo er nun eine
ungemein große Thätigkeit entfaltete und
um bei der großen Fruchtbarkeit seiner
Phantasie die Arbeiten rascher zu vollen-
den, Vieles in Aquarell und dann kleinere
Genrebilder malte. Eben diese letzteren
aber mit seinen trefflichen Hundebildern
machten ihn berühmt. Ein ausführlicheres
Verzeichniß seiner Arbeiten folgt S. 331
bis 333. Da viele seiner Bilder außer
Landes, viele wieder in Privatbesttz sind
und ein von dem Künstler angefertigtes
Verzeichniß nicht vorliegt, so können nur
jene Werke verzeichnet werden, welche sich
in Ausstellungen befanden, oder in grö>
ßeren Gallerten und zugänglichen Privat»
sammlungen vorkommen. Mit dem be>
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon