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standen zunächst: „Vier Brüder aus dem
Volke" und „Waldmeister", zwei Ar>
beiten, welche R. selbst als Werfe sein»
Sturm» und Drangperiode bezeichnete,
und von welchem sein Biograph in der
„Libussa" die Bemerkung macht, daß R.
„auf diese Weise der Welt nur die Ma»
sernkrankheit seines jugendlichen Talentes
gezeigt." Indessen sehte R. seine Studien
in Wien fort, und wendete sich, nachdem
die philosophischen beendet waren und
ei sein ziemlich ernst gefaßtes Voi-
haben, dem geistlichen Stande sich zu
widmen, aufgegeben, dem Studium der
Rechte zu. Mit dem Studium Hand in
Hand ging die schriftstellerische Produc»
tion, es entstanden neue Geschichten aus
dem Böhmerwalde, die in kurzer Zeit
eine zweite Auflage erlebten, eine größere
Erzählung: „Die Mutter vom Lande",
als d>e mit einem Male hereinbrechenden
Wirren des Achtundvierziger Jahres
allem Dichten und schriftstellerischen Schaf»
fen für einige Zeit ein Ende machten und
auch R. auf das ihm fremde Gebiet der
Politik führten. Die Beliebtheit, welche
die vorgenannten Arbeiten auch in seiner
Heimat, die in denselben idealisirt war,
gefunden, veranlaßte, als die Wahlen in
das Frankfurter Parlament stattfanden,
zunächst seine Wahl in dasselbe, welche
am 14. August 1848 stattfand. Ueber
seine Thätigkeit in der Reichsversamm»
lung ist wenig zu verzeichnen. Er gehörte
in derselben der gemäßigten liberalen
Partei an und als er im April 1849 mit
den anderen Deutschösterreichern aus.
schied, gab er seinen Empfindungen indem
Blatte Ausdruck, welches im deutschen
Parlamentsalbum facsimilirt niedergelegt
ist. und das auf S. 344 in den Qucl»
len Nr. IV mitgetheilt wird. Für seinen
Theil hatte er durch seine Mitgliedschaft
dieser Versammlung einen nicht geringen Gewinn in der persönlichen Bekanntschaft
mit dem Alt» und Großmeister der deut»
schen Lyrik, Ludwig Uh land, in dessen
Hause in Tübingen R. die gastlichste
Aufnahme fand und welche Zeit R. selbst
zu den schönsten Tagen seines Lebens
zahlt. I n Uh land'S Hause kam er auch
mit anderen berühmten Persönlichkeiten,
so mit dem Aesthetiker V i scher, mil
dem Theologen Bauer, mit Professor
Köstl! n, dem Liederdichter Karl M a y e r
u. A. in engere Berührung. Während
eines längeren Aufenthaltes in Stuttgart
verkehrte er viel mit G. Fischer. Fr.
Häuf , Hermann Kurz , L a ^ a u .
Emma Niendorf, Iustinus Kerner,
Gustav Schwab u. A. In jene Zeit
1849 und 1880 fällt die Zusammen-
stellung der ersten bei BrockhauZ erschie-
ncnen GescimmtauSgabe seiner Schriften.
Auch arbeitete er damals den „Poet!»
schen Pilger durch Deutschland und die
Schweiz", während zu gleicher Zeit durcd
ein eigenthümliches Zusammentreffen Le>
vmg Schücking mit seiner „Italia"
eine ähnliche Gedichtsammlung veröffent.
lichte. Im Sommer l83l übersiedelte
er für längereil Aufenthalt nach Frank»
fürt a.M., wo er dieTochter eines baye<
rischen Beamten auS der Rheinpfal;
kennen lernte, die er auck am 4. Sep-
tember 1832 heirathete. Zwischen dem
Entschlüsse, sich bleibend in Frankfurt
a. M. niederzulassen oder mit seiner Frau
vorerst den langenlbehrten Böhmerwald
und die Seinigen zu besuchen, entschied
er sich für letztere«, reiste im Frühling
1853 dahin und verlebte den Sommer
in Klattau. Den daselbst gefaßten Ge»
danken, mit seiner Frau nach Wien zu
überfiedeln, mußte er der in Wien zuneh»
menden Theuerung wegen aufgeben und
entschloß sich in Weimar seine bleibende
Stätte aufzuschlagen. Im August 1834
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon