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reiste R. dahin und lebte mm dort mit lite.
rarischm Arbeiten beschäftigt. Es entstan-
den daselbst das „poetische Reisealbum",
die „Schillerhäuser«, der Volksroman
„Achtspännig", mehrere größere und klei-
nere Erzählungen, dann redigirte er das
r>on ihm begründete Weimarer Sonntags»
blatt und schrieb fĂĽr die Ausgsburger
AllgemeineZeitung unterdemZeichens,
unpolitische Korrespondenzen, ferner auch
den interessanten Bericht über den Fäl»
schiingöproceß Schiller'scher Handschrif»
ten. Bis zum Jahre 1889 blieb R. in
Weimar, im genannten Jahre ĂĽbersiedelte
er nach-NĂĽrnberg, wo er wahrend eines
zweijährigen Aufenthaltes das Schau»
spiel „Unter fremder Fahne" beendete,
welches an zwei Abenden hinter einander
am dortigen Theater mit Beifall gegeben
wurde, vornemlich aber mit der Durck»
ficht seiner sämmtlichen Schriften, welche
in eine neue Gesammtausgabe zusammen»
gestellt wurden, sich beschäftigte. Bei die»
ser neuen Ausgabe ging R. mit strenger
Kritik gegen sich selbst vor und sowohl
ganze Werke, wie stylistische Schwächen,
wurden grĂĽndlich beseitigt. Aber von
dieser Selbstkritik nehmm die sich selbst
immer abschreibenden Literaturhistoriker
— namentlich die Norddeutschen — keine
Notiz. So citirtder HerrIulian Schmidt
in jeder neuen Auflage seiner Oesterreichs
Dichter und Schriftsteller theils miĂźhan-
delnden, theils nicht beachtenden Literatur»
geschickte Stellen auS Rank's Schriften,
die schon seit einem Iahrzehend in den-
selben nicht vorkommen. l^ Wenn doch
Herr Julian Schmidt an Lassalle'S
Kritik seiner Literaturgeschichte in jenen
traurigen Augenblicken gedächte, in denen
er unö Oesterreicher mißhandelt!^ —
Ebenso erbt sich in Bezug auf Rank
das Schlagwort „Nachahmer Auer»
bach's" wie eine ewige Krankheit fort. Niemand beachtet die Thatsache, daĂź
Rank seine ersten originellsten Werke
jchrieb, ohne von Auerbach eine Ah.
nung zu haben, was sich aus einer nur
oberflächlichen Prüfling der Schriften
beider Autoren von selbst ergibt. In
NĂĽrnberg redigirte R. ein Jahr lang
den „Nürnberger Kurier", ein von einer
Anzahl reicher liberaler BĂĽrger subven>
tionirtes Blatt. Im Jahre 4861 konnte
R. endlich einen schon längst gehegten
Wunsch, seine Uebersiedlung nach Wien
verwirklichen, wo er zuerst längere Zeit
ständiger Mitarbeiter der „Oesterreich,-
schen Zeitung" war, dann aber die Stelle
— anfänglich provisorisch — eines Di»
rections'Secretärs des k. k. Hosopem.
theaterS erhielt, welche er seit April 186ĂĽ
definitiv bekleidet. Zugleich wurde ihm
der Auftrag an der k. k. Hofopernschule
die in den Statuten vorgeschriebinen Vor»
träge über Aesthetik, Geschichte und die
dahin einschlagenden Gegenstände zu hal»
ten. Auch in Wien setzt N. seine literari«
schen Arbeiten fort und sind in dm letzten
Jahren verschiedene größere und kleinere
Werke, darunter „Aus meinen Wände»
jähren", „Steinnelken" und mehrere Er»
zählungen in dein Sammelwerke „Album»
Bibliothek deutscher Original»Romane"
erschienen. Nank hat, je nachdem die
Lotterie daö Kritikeramt übte, die per»
schiedensten Beurtheilungen erfahren. Die
Schlichtheit und der gerade Weg, auf
dem sich der junge Mann aus dem Volke
durch sein Talent emporarbeitete und
unuerdröffen schuf, wollte Vielen nicht
einleuchten und er wurde mit maĂźloser
Ungebühr von den Kläffern angebellt.
Die ruhige sachverständige Kritik bezeich»
net ihn jedoch als einen vorzĂĽglichen
Novellisten, als einen ungewöhnlichen
Natur» und Sittenschilderer, der neben
Auerbach seine Stelle behauptet und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon