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einige Zeit die Dienste eines Secretärs
und Archivars, wurde aber dann von
ihm zur weiteren Ausbildung in den
theologischen Wissenschaften in die hö-
here VildungSansialt zu St. Augustin
nach Wien geschickt, wo er sich insbeson»
dere dem Nibelstudium mit großem Eifer
zuwendete. Nach zwei Jahren erlangte
er daselbst die theologische Doctorwürde
und kehrte 4831 nun in seine Heimat
zurück, wo ihn sein Gönner Bischof S z e-
pessy sofort zum Profefsor der orienta»
lischen Sprachen und deö Vibelstudiums
am bischoflichen Seminar zu Fünfkirchen
ernannte. Auf diesem Posten erwarb sich
R. bald ebenso als Lehrer wie als Fach-
schriftsteller sseine Werke folgen auf
S. 348^ einen ausgezeichneten Nuf. Im
Jahre 1840 kam er als Religionslehrer,
Prediger und supftlirender Professor der
griechischen Sprache an die Pesther fön.
Universität. Seine lateinischen akademi»
schm Kanzelvortrage fand.en solchen Bei»
fall, daß im Jahre 4842 eine AuSgabe
derselben veranstaltet werden mußte, In<
dessen betrieb R. seine Studien auf das
Eifrigste fort, insbesondere verlegte ei
sich auf die modernen Sprachen, ohne
jedoch die orientalischen und classische»
zu vernachlässigen, so daß er bald eincn
Sprachschatz besaß, der eine gründliche
Kenntniß der hebräischen, arabischen, der
beiden classischen, dann der spanischen,
italienischen, französischen und englischen
umfaßte; die deutsche und ungnrische
sprack er von Kindheit an. Während
seines Lehramtes in Pesth unternahm er
in den Ferienmonaten größere Reisen
nach den verschiedenen Ländern Europa's
und besuchte für längere Zeit Rom, Pa>
lermo, Marseille, London, Paris, Nrüs-
sei, die größeren Städte Deutschlands,
überall Verbindungen mit ausgezeichne»
ten Gelehrten namentlich jener Fächer anknüpfend, die er selbst mit besonderer
Vorliebe pflegte. Im Jahre 4843 wurde
er zum Domherrn von tzünfkirchen er.
nannt und versah in letzterer Eigenschaft
vom Jahre 4846 an die Stelle des Direo
torS des bischöflichen Seminars und deS
Synodal-TraminatorS. Im Jahre 1849
erfolgte unter gleichzeitiger Ernennung
zum H,dd23 Lcatu,«; ?,l2,ri2,e ViiFiniL äo
8ȟcti Lteplikni lie^is
, seine Berufung in daS k. k.
Ministerium nach Wien zur Verwendung
in der Section der kirchlichen Angelegen»
heiten; er wurde aber noch im nämlichen
Jahre, am 27.October, zum Bischof von
Veszprim erhoben und in seiner Würde
am 7. Jänner 1880 bestätigt. Im Jahre
4834 erhielt er die Würde eines wirk»
lichen geheimen Rathes. R. ist ein auS>
gezeichneter Kirchenredner in lateinischer,
deutscher und ungarischer Sprache; als
Fachschriftsteller auf archäologischem Ge>
biete eine Autorität; als Humanist kann
er aber vielen seiner Collegen als Vor»
bild gelten. I n seiner Vaterstadt führte
er die barmherzigen Schwestern ein.
welche im Jahre 4834 im dortigen Ho>
spital die Krankenpflege übernahmen;
überdieß widmete er dieser Anstalt den
Betrag von 12.000 Gulden. Im Jahre
1857 verzichtete R. im eigenen und im
Namen seiner Nachfolger im Bisthum
auf das dein Veszprimer Bisthum zuer-
kannte Urbari^l - Entschädigungscapital
;u Gunsten verschiedener Stiftungen.
D!e!eSCap!taI.imBetragevon739.793fI.
C. M.< gewährt einen jährlichen Zinsen«
ertrag uon 36.989 fi. C. M., welcher in
folgender Weise verwendet werden soll:
4. Zur Unterstützung von minder dotir»
im 42U Pfarrern der Diöcese in Beträ-
gen zu 420. 400 und 80 fi. C. M.,
jährlich 42.000 fi. Zur Unterstützung
von 72 Coopercitoren und Präbendären
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Prokop-Raschdorf, Volume 24
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Prokop-Raschdorf
- Volume
- 24
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1872
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon