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Reich a Neicha
I)6lakore3t-Nc>rinv»1). Mit dieser Thä»
tigkeit als Schriftsteller der musikalischen
Theorie verband R. aber die praktische
als Musiklehrer und fleißiger Compositeur.
Als Musiklehrer war er einzig inseinerArt,
man sprach immer von einer „Reicha>
schen Me,th ode", aber nicht ganz mit
Reckt, denn er besaß in seiner Art deS
Unterrichtes kein besonderes ausgesvro»
cheneS System, es wäre denn, daß man
seine Kunst, seinen Unterricht dem Fas'
sungükreise und angebornen Talente sei>
neö Schülers anzupassen, ein System
nennen wollte' freilich hatte er, wie einer
seiner berühmtesten Schüler, Ouslow,
sagte, „das volle wichtige Geheimniß
des Unterrichtes inne". Groß war die
Zahl seiner Schüler, und eS sei hier nur
der berühmtesten unter den vielen be»
rühmten gedacht: Rode, Daupra t ,
Haben eck der Neltere. Ba i l l o t ,
Blanchard, lange Zeit Mitarbeiter,
der „<3a26ttü luusioale", G l w a r t ,
Komponist und Theoretiker, C o l e t ,
Varbereau, Ie lensperger , OS»
borne, Musard' , die öfter uorkom»
mende Angabe, daß auch Ver l ioz sein
Schüler gewesen, ist unrichtig. Und eben
als Lehrer ist eS vornehmlich Reicha,
der in der Musik die deutsche Schule
<n Frankreich zur Geltung gebracht, den
Geschmack für die deutsche Musik im
Dilettantismus verbreitet und durch ihren
zusehends wachsenden Einfluß daS musi»
kalische Italienerthum bekämpft und uer-
drängt hat. Auch auf dem Felde derCom»
Position war R. fleißig und thätig und
schlug auf demselben seinen eigenen Weg
ein, wie sich denn in Allem, waS Reichn
vornahm, eine durch Nachdenken über
die eben in Angriff genommene Arbeit
gewonnene Originalität kundgibt. Von seinen dramatischen Compositionen sind
bekannt: „f?a^«o«^o", dreiactige Oper.
cm Theater Feydeau aufgeführt und,
wie er selbst mit Humor berichtet, bis zur
achtea und letzten Vorstellung auSgepfif»
fen. Neicha selbst gibt die Ursachen
dieses Mißerfolges an. An diesem Werke
waren vier Autoren betheiligt, zwei Li>
brettisten und zwei Compositeure, er selbst
hatte die Ouvertüre und die zwei ersten
Acte componirt: — „H^tt/la^'s o« ?»
/aml'^6 ?-u««s", große Oper in drei Acten,
sechsmal in der ^.llaäemis io^2,1e äs
nauLic^uL gegeben', N. schreibt, eS würde
ein dicker Band werden, wollte er die
unerhörten Mühseligkeiten erzählen, die
er erlitten, um die inize on LcönL zu
erlangen, lind dann die Kabalen und
Intriguen während der sechs ersten Pro»
ben, um die Aufführung zn verhindern
oder doch das Werk durchfalle» zu
machen; — „t?««?nam ci'^,i/a,-a!c:/is",
komische Oper in einem Acte, Text von
Scr ibe, wurde nicht aufgeführt! —
no^s", komische Oper in einem Acte,
nicht aufgeführt; — „<3aF/io", große
Oper in drei Acten, 1832 in der H.«a-
ä6rnio ro^al« inu8iyuo zehnmal gegeben;
— „^/iiioo?As«, große zweiactige Oper.
wurde nicht aufgeführt; die Erfolge mit
seinen dramatischen Compositionen wnren
im Ganzen nicht darnach angethan, um
ihn zu ferneren Arbeiten auf diesem Ge>
biete zu ermuntern. R. selbst schreibt an»
läßlich seiner mit Beifall gegebenen Oper
„8ll,pnc>": „ich gewann 1860 Francs
mit dieser Arbeit, vernachlässigte aber die
Zeit hindurch, während ich mich mit der»
selben beschäftigte, mehr als für zehn tau»
send Franken Priuatstunden - Ertrag".
Glücklicher war R. mit seinen übrigen
Compositionen und darunter vor Allem
mit jenen für B laS Instrumente,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon