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verschmähte Renn ungeachtet seines
Nothstandes, ebenso, als eine Officin
zugleich mit einer ihm angebotenen
Braut zu erwerben. Sein Klagenfurter
Gastfreund, der Landschaftsecretär Kar
v. Tschabuschnigg, brachte ihn jetzt als
Praktikanten in
ständische Dienste' Renn
wurde bald darauf mit Führung deS
EinieichungSprotokolls betraut, und da
er sich auch im Conceptfache sehr brauch
bar erwies, später in den Rathsitzungen
als Schriftführer verwendet, und nach
dem Umschwünge der Dinge im I . 1848
zum provisorischen Secretär ernannt.
Paul Renn hatte in dieser Weise endlich
einen sicheren Hafen erreicht; er lebte
zu Klagenfurt in gemüthlicher Behag
lichkeit und war in der Lage, sich auch
Reiseausftüge, nach der Residenz, nach
Oberitalien u. a. zu vergönnen. Die
Freundschaft mit dem Sohne seineS Wohl'
thäters, mit Adolph Ritter u. Tscha
buschnigg, übte mächtigen Ginfluß auf
Renn'S zu weiches, jeder That. und
Willenskraft banres Gemüth. Und so
lange der Freund in Klagenfurt weilte,
war AlleS gut. Als aber Ritter von
Tschabuschnigg im Jahre 1834 nach
Grah übersiedelte, war eü auch um
Renn, der nun allein, verlassen dastand,
geschehen. Er ermattete in seinem Be»
rufe. und dieß um so. mehr, als er deß»
halb gerügt wurde. Endlich verlor er
ganz und gar nlle Arbeitslust und Kraft,
suchte letztere, wo nur Aufregung zu
finden war, und erschlaffte endlich ganz.
Er starb zu Klagenfurt an der Hirn»
erweichung am 13. November 1860,
gerade an dem Tage, an welchem die
Landesregierung Kärnthens ihre Fun>
ctionen einstellte. Ungeachtet seines em>
pfänglichen, ja liebebedürftigen Herzens
war er unvermält geblieben. Dieß
ist der bescheidene, äußere LebenSlauf einer innerlich tief poetische.« Seele,'
Renn huldigte seit seinem fünfzehnten
Lebensjahre den Musen; er war der
Kunst gegenüber allerdings mehr eine
empfängliche als eine hervorbringende
Natur. AlS ihm, fast noch als Knaben.
Schil ler'S Gedichte daS erste Mal in die
Hand sielen, war er vom Kusse deS Ge-
niuS wie berauscht', er blieb damals selbst
für seine Familie einige Tage unsichtbar.
Die Gedichte an Laura narkotisirten
ihn völlig. Die gleiche Neigung zur
Dichtkunst stiftete zwischen ihm und
Adolph von Tschabuschnigg schon in
derKinderzeitdas erwähnte Freundschaftg.
bündniß, das durch alle wechselnden Ver.
hältnifse bis zu Renn's Tode nachhielt.
Tschabuschnigg setzte auf seinem Fa>
milienbegräbnißstätte zu Klagenfurt dem
Freunde ein Denkmal auf dem unter
Weiden eine Strophe von Renn zu lesen
ist.- „Unsere Liebe weiht der Tod ein.
Laura. I Und die Thränenweiden, auf
unser Grab sich senkend, > Uebersilbert
daS Mondlicht, daß sie steh'n wie j Vlü>
hende Myrthen". Renn sing frühe an,
Gedichte zu schreiben, die an einfacher
Innigkeit, naturwüchsiger Anmuth sich
mit den Erzeugnissen mancher berühmten
Feder vergleichen dürfen. Auch in der
erzählenden Prosa versuchte er sich und
schrieb einige kleine, reizende Phantasie»
stücke und Humoresken, als: „Ponte di
Vrenta", „Aus dem Leben eines Pro»
ectoiS" u. a. Die „Carinthia", der
Gratzer „Aufmerksame", die Lember«
ger „Mnemosyne" und die damaligen
belletristischen Wiener Journale brachten
viele derselben, noch mehrere die kleine
ren Almanache, insbesondere die im Ver»
läge bei Pfautsch erschienen. Pfautsch
und Voß verlegten im Jahre 1880 auch,,
seine .Gedichte'. Sie haben die große
Tour durch Deutschland nicht gemacht,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon