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Nessel 346 Nessel
niec ließ nun Nessel nicht mehr aus,
er mußte ihm seine Fabrik nach dieser
von ihm erfundenen Methode einrichten.
Kaum aber war dieß geschehen, so nahm
der Franzose das Privilegium für sich
allein, weigerte sich, den mit Ressel
besprochenen Contract zu schließen, und
ließ sich, um Ressel von Paris zu ent>
fernen, endlich zu einer Absindungs-
summe von 1000 Francs herbei, durch
welche R. in die Lage gesetzt wurde, nach
Trieft zurückzureisen. Dort fand er Fon>
tana i» feindseliger Stimmung, und
nur der Vermittelung des HofkanzlerS
Grafen Saurau gelang es Ressel,
sein Schraubenschiff , Civetta" zu vollen»
den. Im Hochsommer 1829 fand die
Probefahrt Statt, in wenigen Minuten
legte das Schiff eine halbe Seemeile
zurück, so daß sich die Geschwindigkeit
desselben auf sechs Seemeilen per Stunde
belief. eine Geschwindigkeit, die sich noch
weit mehr steigern ließ. Da stand mit
einem Male daS Schiff still, eine Röhre
der Dampfmaschine, welche von dem
unredlichen Kupferschmied stalt hart, wie
ihm aufgetragen war, weich angelöthet
war, war abgeschmolzen. Das Schiff
konnte nicht »veiter. Da trat nun wieder
eine jener merkwürdigen Thatsachen ein,
welche, eine von den unzähligen, das Er-
scheinen der glorreichen Märztage i848
erklären. Die Polizei-Direclion glaubte
nun den Zeitpunct gekommen, um alle
weiteren Versuche zu verbieten!
Hinter diesem Verbote steckte aber etwas
ganz Anderes. Der Besitzer des PrivUe-
giums.- mit dem Dampfer die Linie Trieft.
Venedig zu befahren, fürchtete und mit
Recht an dem Schraubendampfer „Ci-
vetta" eine sehr gefährliche Concurrenz
und diese wurde durch daS merkwürdige
Polizeiverbot beseitigt. Fontana . durch
dieses Verbot auch in seinem Projecte gestört, zog sich nun ganz von Resse l
zurück, dem nichts übrig blieb, als gegen
Fontana klaghaft aufzutreteten. Ehe
aber der Proceß zu End? kam. starb
Fontana, und Ressel, von Glaubi>
gern bedrängt, verglich sich mit den
Erben, und Oesterreich ward des Ruhmes
und des Vortheiles beraubt, die Schraube
in die Schifffahrt eingeführt zu haben.
Ressel selbst aber schreibt in seiner
schon erwähnten „Geschichte der Schraube
im Vaterlande", „so tragisch endete in
ihrem Vaterlande 1834 die nämliche
Schraube, welche jetzt nicht nur auf
fremdem Boden, sondern auch in der
k. k. Kriegsmarine großartig aufwächst.
Der Erfinder und das Vaterland haben
keine Ehre davon und die Geschichte ist
belogen!" AlS im Jahre 1840 ein
Schraubendampfer unter englischer Flagge
im Triester Hafen einlief, da war Alles-
voll Staunrn und Bewunderung. DaS
Ausland hatte sich der Erfindung Res-
sel'S, auS der dieser nie ein Geheimniß
gemacht hatte, bemächtigt und die Crfin»
düng. um deren praktische Verwerthung
und Verwendung R. durch Polize!»Will»
kür gebracht worden, segelte unter frem>
der Flagge in denselben Hafen hinein,
auS welchem 12 Jahre früher der erste
Schraubendampfer hinauSgesegelt war.
AlS im Jahre 1882 die englische Regie-
rung einen Preis von 20.000 Pfund
Sterling für Jenen ausschrieb, der der
Erfinder der Propellerschraube sei und
dieß beweisen könne, wodurch die eng»
tische Regierung auch eingestand, daß ihr
der eigentliche Erfinder, trotzdem die
Schraubenschiffe bereits auf allen Meeren
segelten, völlig unbekannt sei, da trat
denn in Folge dieser Aufforderung Res-
sc l alö PreiSwerber auf. Im November
1883 überreichte er alle Schriften und
Documente auf ofsiciellem Wege an die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon