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nach Hederväri zog, wo er an der dor»
tigen, völlig verwahrlosten und in ganz»
licher Unordung befindlichen Bibliothek,
wie an der Münzsammlung arbeitete
und dabei Einsicht erhielt in mehrere
wichtige ungarische Sprachdenkmäler aus
ältester Zeit, deren Studium ihn anzog
und einige Zeit hindurch beschäftigte. Er
ging darauf nach Preßburg und lebte
daselbst mehrere Monate unter den küm>
merlichsten Verhältnissen, ja, wie einer
seiner Biographen es ausdrücklich sagt:
im größten Elende. Wieder gelang eS
eS ihm, eine Erziehelstelle zu bekommen,
und Mitte 4783 begab er sich nach Gratz,
blieb aber auch da nur wenige Monate,
denn im Jahre 1784 war er bereits nach
Preßburg zurückgekehrt, wo er gemein»
schaftlich mit Paczkü die ungarische
Zeitung „Nirmanäo'" herausgab. I n
diese Zeit fällt sein Plan zur Errichtung
einer ungarischen Gesellschaft der Wissen-
schuften, den er. nachdem er ihn voll.
ständig ausgearbeitet, nach Wien über.
brachte und dort persönlich dem Kaiser
Joseph H. überreichte, ohne jedoch
einen Erfolg zu erzielen; im Gegentheile
hatte er aus diesem Anlasse, da er die
Angelegenheit zu hitzig betrieb, zu den
Feinden, die er ohnehin schon besaß, noch
neue gewonnen. Von Wien begab er sich
nun nach kurzem Verweilen in Preßburg
sofort nach Raab. wo stch aber seine
Verhältnisse ebenso wenig günstig gestal-
teten, wie vordem in Preßburg. Indessen
war er in dieser Zeit unablässig lite»
rarisch thätig und fällt in dieselbe die
Herausgabe einer Sammlung ungarischer
handschriftlicher Dichterwerke, und zwar
jener von Fa lud i . Orczy, Bar»
csay, dann eigener Dichtungen, darunter
dreier Bücher seiner Elegien und eines
Buches Lieder, diese letzteren meist ero>
iischen Inhalts, waS ihm in seiner Stel- lung als Priester und Mönch mancherlei
Anfeindungen zuzog, wenn ihm auch
andererseits von Kennern und Freunden
echter Poesie die verdiente Anerkennung
nicht vorenthalten wurde. Endlich gelang
eS ihm. wieder festen Fuß zu fassen, als
er im Jahre 1789 am Gymnasium zu
Raab daö Lehramt des Zeichnens und
der Architectur erhielt. Indessen setzte er
seine Poetischen Arbeiten und literarischen
Pläne ununterbrochen fort, und besonders
sein damals in der ungarischen Zeitschrift
„NkFT'kr Orz>ksu8" erschienenes Fest.
gedicht auf die Heimkehr der ungarischen
Krone machte großes Aufsehen. Nach
der Krönung Leopold'S I I . zum
Könige von Ungarn erneuerte er seine
Vorschläge wegen Errichtung einer un»
garischen Gesellschaft der Wissenschaften,
womit er wenigstens die Zuweisung sei»
nes Antrages an die Literardeputation
des ungarischen Reichstages erzielte. I n
der nächsten Zeit lieh er über Auffordo
rung seiner Freunde und mit Unterstützung
derselben eine Sammlung seiner lateini»
schen Elegien und seine berühmte Leichen»
rede auf Mar ia Theresia drucken.
Ueber Fürsprache des Bischofs Fengler,
seines Gönners, erlangte er 1794 auch
die päpstliche Dispens von seinen Ordens»
gelübden, worauf seine Aufnahme in
die Säcular-Geistlichkeit des Rciaber
Bisthums erfolgte. Auch legte er theils
kränklichkeitshalber, theils wegen Strei»
tigkeiten mit der Stadtgemeinde, welcher
daS Lehramt deS Zeichnens überflüssig
erschien, dasselbe nieder und lebte nun
ausschließlich seinen literarischen Arbeiten,
in welchen er jedoch durch mancherlei
Unannehmlichkeiten in empfindlichster
Weise gestört wurde, und zwar zunächst
wegen seiner Säcularisation, welche seine
Gegner zu allerlei wider ihn gecich»
teten Umtrieben benutzten, und dann
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon