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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rasner-Rhederer, Band 25
Seite - 375 -
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378 nach Hederväri zog, wo er an der dor» tigen, völlig verwahrlosten und in ganz» licher Unordung befindlichen Bibliothek, wie an der Münzsammlung arbeitete und dabei Einsicht erhielt in mehrere wichtige ungarische Sprachdenkmäler aus ältester Zeit, deren Studium ihn anzog und einige Zeit hindurch beschäftigte. Er ging darauf nach Preßburg und lebte daselbst mehrere Monate unter den küm> merlichsten Verhältnissen, ja, wie einer seiner Biographen es ausdrücklich sagt: im größten Elende. Wieder gelang eS eS ihm, eine Erziehelstelle zu bekommen, und Mitte 4783 begab er sich nach Gratz, blieb aber auch da nur wenige Monate, denn im Jahre 1784 war er bereits nach Preßburg zurückgekehrt, wo er gemein» schaftlich mit Paczkü die ungarische Zeitung „Nirmanäo'" herausgab. I n diese Zeit fällt sein Plan zur Errichtung einer ungarischen Gesellschaft der Wissen- schuften, den er. nachdem er ihn voll. ständig ausgearbeitet, nach Wien über. brachte und dort persönlich dem Kaiser Joseph H. überreichte, ohne jedoch einen Erfolg zu erzielen; im Gegentheile hatte er aus diesem Anlasse, da er die Angelegenheit zu hitzig betrieb, zu den Feinden, die er ohnehin schon besaß, noch neue gewonnen. Von Wien begab er sich nun nach kurzem Verweilen in Preßburg sofort nach Raab. wo stch aber seine Verhältnisse ebenso wenig günstig gestal- teten, wie vordem in Preßburg. Indessen war er in dieser Zeit unablässig lite» rarisch thätig und fällt in dieselbe die Herausgabe einer Sammlung ungarischer handschriftlicher Dichterwerke, und zwar jener von Fa lud i . Orczy, Bar» csay, dann eigener Dichtungen, darunter dreier Bücher seiner Elegien und eines Buches Lieder, diese letzteren meist ero> iischen Inhalts, waS ihm in seiner Stel- lung als Priester und Mönch mancherlei Anfeindungen zuzog, wenn ihm auch andererseits von Kennern und Freunden echter Poesie die verdiente Anerkennung nicht vorenthalten wurde. Endlich gelang eS ihm. wieder festen Fuß zu fassen, als er im Jahre 1789 am Gymnasium zu Raab daö Lehramt des Zeichnens und der Architectur erhielt. Indessen setzte er seine Poetischen Arbeiten und literarischen Pläne ununterbrochen fort, und besonders sein damals in der ungarischen Zeitschrift „NkFT'kr Orz>ksu8" erschienenes Fest. gedicht auf die Heimkehr der ungarischen Krone machte großes Aufsehen. Nach der Krönung Leopold'S I I . zum Könige von Ungarn erneuerte er seine Vorschläge wegen Errichtung einer un» garischen Gesellschaft der Wissenschaften, womit er wenigstens die Zuweisung sei» nes Antrages an die Literardeputation des ungarischen Reichstages erzielte. I n der nächsten Zeit lieh er über Auffordo rung seiner Freunde und mit Unterstützung derselben eine Sammlung seiner lateini» schen Elegien und seine berühmte Leichen» rede auf Mar ia Theresia drucken. Ueber Fürsprache des Bischofs Fengler, seines Gönners, erlangte er 1794 auch die päpstliche Dispens von seinen Ordens» gelübden, worauf seine Aufnahme in die Säcular-Geistlichkeit des Rciaber Bisthums erfolgte. Auch legte er theils kränklichkeitshalber, theils wegen Strei» tigkeiten mit der Stadtgemeinde, welcher daS Lehramt deS Zeichnens überflüssig erschien, dasselbe nieder und lebte nun ausschließlich seinen literarischen Arbeiten, in welchen er jedoch durch mancherlei Unannehmlichkeiten in empfindlichster Weise gestört wurde, und zwar zunächst wegen seiner Säcularisation, welche seine Gegner zu allerlei wider ihn gecich» teten Umtrieben benutzten, und dann
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Rasner-Rhederer, Band 25
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Rasner-Rhederer
Band
25
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1868
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
446
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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