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wenig passen. Ueberdieß beschäftigte er
sich steißig mit dem Studium der alten
Sprachen, und zuletzt blieb den Eltern
nichts übrig, als dem Wunsche deö Soh
nes nachzugeben und ihn zur höheren
Ausbildung nach Mailand zu schicken,
welches damals in den gebildeten Kreisen
alS da« italienische Athen galt. Dort ließ
er seinem poetischen Hange frei die Zügel
schießen und betrat alsbald die literarische
Laufbahn, indem er für Zeitungen und
Almanache Artikel schrieb und so den
Weg einschlug, den viele schon vor ihm
oder zugleich mit ihm, wie Cesare
Cantü, Franz Ambroso l i , Joseph
Pozzone, Andreas Ma f fe i , Luig!
C o r r e r , G. B. N i c o l i n i , Iu -
liuS Carcano, Jacob Cabianca,
Aleardi , P ra t i , gewandelt. Die ersten
Arbeiten veröffentlichte er, während er
noch den philosophischen und historischen
Studien oblag, in der „Ltrenn» itäliana"
und im „H,1dum äi belle arti", erstere von
Ripamont i , letzteres von Canadel l i
herausgegeben. Dann schrieb er Artikel,
meist kritischen Inhalts, für den von
Ba t tag l i a redigirten „Inäioatoi-s",
und so stand er mit einem Male mitten
in der literarischen Welt. Aber diese klei>
nen Dutzendarbeiten machten noch immer
keinen Namen und einen solchen wollte
er haben. Der Besuch der Theater, der
Erfolg der Stücke, die gegeben wurden,
berauschten ihn, und mit einem Male
war der Entschluß gefaßt, die dramatische
Laufbahn zu betreten, und im Jahre
4839 — die Angabe 4829. die sich hie
und da findet, möchte denn doch wohl
irrig sein, da ja R. damals erst 17 Jahre
alt gewesen wäre — erschien sein erstes
dramatisches Werk: „
(klilano, Hußllkliniiii), welches seinen
poetischen Ruf begründete. Befreundet mit den meisten Journalisten, welche
damals die kritische Feder in Mailand
führten, wurde die Arbeit, so sehr sie die
Spuren eines ersten Versuches an sich
trug, über alle Maßen gelobt, feindselige
Kritiken unterdrückt, wenigstens erzählt
der „?ülloi!o2io") in welcher Weise eine
für den „Figaro" bestimmte, nichts
weniger als in die Posaune des Lobes
stoßende Kritik von Cominazzi durch
List beseitigt wurde; erst sechzehn Jahre
später. 1888, brachte dieselbe die Mai»
länder Zeitschrift "I^a ^amn," unverkürzt
und der unten in den Quellen genannte
„?u«tui02io« druckte sie, p. 299 6 300,
vollständig nach. Uebrigens war das
Drama „I^lsn2in,o" nur ein Lesedrama,
welches nie dargestellt, wohl aber in
einer zweiten Auflage herausgegeben und
von Alexander Dumas ziemlich stark
zu einem gleichnamigen Stücke benützt
wurde. Der gewonnene Dichterruhm
brachte nun R. nicht nur in die Kreise
seiner journalistischen Collegen, sondern
erleichterte ihm auch die Bekanntschaft mit
den damaligen Heroen der italienischen
Dichtung und Literatur, mit Männern
wie To r t i , Manzon i , Grossi, Abbe
Pozzoni u. A., die er denn auch sorg»
lich pflegte. Indem er nun einige Zeit
an dem Ruhme zehrte, den ihm sein
,,I,oren!2ino« eingebracht, gab sich R.
längere Weile dem Reize des Nichtsthuns
hin, verkehrte mit Künstlern und Dich»
tern, und erst nach einigen Jahren ver>
öffentlichte er eine neue Arbeit: „
4843,
ini), worin er in zwei Bänden
in dramatisirender Form ein treues Bild
dieser merkwürdigen Zeit lieferte. Aber
eben diese Form, wodurch es weder ein
Roman, noch ein Drama, sondern eine
in Dialogenform gebrachte Erzählung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rasner-Rhederer, Volume 25
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rasner-Rhederer
- Volume
- 25
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 446
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon