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verbinden. I n der Gegenwart, in welcher
der Aufschwung dieser Bahn eine damals
kaum geahnte Höhe und Bedeutung
erreicht hat, läßt es sich ohne Uebertrei«
bung sagen: daß durch die Ausführung
dieser Idee sich an seinen Namen in
Oesterreich unauslöschliche Erinnerungen
knüpfen. Als er diese Idee bei dem Bank-
hause L. M. Rothschild in Anregung
braäte. nahm sich der Chef desselben,
die mächtige Tragweite derselben erfas-
send, dafür sofort mit aller Energie an.
Und so erscheinen denn Riepl als der
intel lectuelle und Rothschild als
der f inanziel le Urheber dieses groj>
artigen Projectes. Wo es nun galt, die
Interessen dieses Unternehmens praktisch
zu fördern, wurde von Rothschild
selbst Riepl überall in den Vordergrund
gestellt. Nickt uninteressant ist Riepl 's
Audienz bei Kaiser Fr an; in dieser An»
gelegenheit. Indem er die ganze Größe
und Wichtigkeit seines Planes in wenigen
Worten zusammenfassen wollte, sprach
Riepl die, wenn man die damaligen po-
litischen Verhältnisse erwägt, fast kühnen
Worte aus: „Es gibt Ein Mittel, Eure
Majestät, die entferntesten Völker der
Monarchie zu den Mauern der Nestdcnz
zu führen", und als der jedem Neuerer,
insbesondere aber einem für seine Sache
begeisterten mit Mißtrauen entgegentre«
tende Monarch fragte, welches das Mit-
lel sei? erwiederte Riep l : „Eisenbahnen,
Eisenbahnen, Euere Majestät!" Wer kann
es sagen, wie es „diesem naiven Schwär»
mer" ergangen wäre, wenn hinter ihm
nicht Rothschild gestanden wäre? Als
man zur Ausführung deö Projectes
schritt, reiste R. im Jahre 1833 in Ge<
sellschaft von Leopold von Ner the i m>
stein und Heinrich von Sichrowsky
zu wiederholten Malen nach England,
um dort an Ort und Stelle die Eisen» bahnfrage gründlich zu studiren; spater
intervenirte er persönlich allen zur Er»
langung des Privilegiums von der
Staatsverwaltung erforderlichen Schrit»
teu. Welches Gewicht die Unternehmung
auf seinen Rath und seine unmittelbare
Mitwirkung legte, geht aus der Motivi»
rung hervor, mit welcher die Nordbahn»
Direction seine längere Beurlaubung
erbat, sie erklärte nämlich ausdrücklich:
„seine umfassenden Kenntnisse und Er-
fahrungen sowohl bei ihren Berathungen,
als den im Zuge begriffenen Einleitun«
gen ohne Nachtheil für die ganze Unter-
nehmung unmöglich entbehren zu
können". Von seinen zahlreichen übrigen,
für die Förderung der national-ökono»
mischen Interessen Oesterreichs unter-
nommenen und ausgeführten Handlungen
seien noch erwähnt: seine fruchtbringen-
den Anleitungen und Verbesserungen auf
den Gütern der gräflichen Familie Mit»
t rowsky, seine im Jahre 1842 aus«
geführte Erploration einer Gegend in
Croatien; seine erfolgreiche Wirksamkeit
als Mitglied des Beuttheilungs-AuS»
schlifses für die allgemeine österreichische
Induftrie'Ausstcllung; seine von glück»
lichem Erfolge gekrönten Bemühungen
auf Erhaltung des Bergbaues in Idria;
auf die Entwickelung der südlichen Blei»
minen, auf Przibrams Bleigruben und
die Kohlenminen Böhmens, Mährens,
Schlesiens und Dalmaticus. So war
denn Ricv l in der That der Mann, wi^
einer seiner Biographen treffend bemerkt,
„dessen praktischer Geist eö verstand, die
in der Swdirsiube und dem scharf adge»
grenzten Zwinger schwerfalliger Körper-
schaften — womit wissenschaftliche Aka«
demien gemeint sind — eingeschlossene
Wissenschaften lebendig zu machen".
Auf dem Gebiete der Mineralogie und
Geognosie war N. in früheren Jahren
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Volume 26
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rhedey-Rosenauer
- Volume
- 26
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1874
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 436
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon