Page - 155 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Rhedey-Rosenauer, Volume 26
Image of the Page - 155 -
Text of the Page - 155 -
Nigler
ich nach Allem, wat ich in Ob ersch testen
und Breslau, namentlich im Gesprach
mitpolnischen Geistlichen über jene Frag
erfuhr, noch immer auf demselben Puncte,
daß das Sloveniscke auf meinem Gym
nasium durch alle Classen durck einen
geschickten Lehrer mit sicherem Erfolg!
gelehrt werden müsse als Unterr ichts
zweig, daß aber gegenwartig daS In>
tereffe des Volkes sowie der Regierung
darin liegt, das Deutsche als das geeig
netste Bildungsvehikel zu betrachten und
es, so lange die Verhältnisse nicht anders
werden, als Unterrichtssprache deS
Gymnasiums gelten zu lassen. Die Schwie>
rigkeiten, mit denen die Gymnasiallehrer
in Marburg in den untersten Classen bei
ihren slovenischen Schülern zu kämpfen
haben, werden in dem Maße sich vev
mindern, als die Volksschulen besser sein
werden Auch würde in der Ver
setzung der Schüler aus der untersten
Gymnasialclaffe in die nächst höhere t
Gewissenhaftigkeit zu verfahren sein. In
Schlesien muß der geborne Pole in
der unteren Classe in dem deutschen
Unterrichte dasselbe leisten, was von,dem
Deutschen gefordert wird; und das Be»
streben der Polen, sich im Deutschen vor
Allem reckt fest zu stellen, ist so groß.
daß sie mit ihren Leistungen jene der
Deutschen nicht selten übertreffen." I n
Betreff des classischen Unterrichts
gewann er aber eine Bestätigung seiner
längst gehegten Ueberzeugung, „daß die
Richtung eine möglichst freie und kräf»
tige Anregung und Entwickelung sammt»
licher Geisteskräfte — die Basis aber
das Studium der griechischen und latei»
Nischen Klassiker sei, gestützt auf ein
gründliches, aber praktisches Studium
der Grammatik und solche schriftliche
Uebungen, welche eine gründliche Sprach»
kenutniß und ein leichteres Eindringen in den eigenthümlichen Geist der alten
Sprachen fördern. Mit dem classischen
Studium stehen in Verbindung ein sol-
ches Maß von geschichtlichen, naturwis»
senschaftlichen und mathematischen Ele-
menten, als durch die allgemeine Bildung
der fortschreitenden Zeit für Jeden erfor«
derlich wird, der von der Theilnahme
an jener allgemeinen Bildung nicht aus-
geschlossen sein will. Ferne bleibe von
dem classischen Studium jeder Anspruch
auf Ausschließlichkeit', aber auch ferne
jeder Versuch durch allzuschnelle über»
eilende Methoden die Früchte der clasfi-
fchen Bildung zu verkümmern und da-
durch den Fall derselben herbeizuführen.
Die Realien sollen zwar das Bedürfniß
der Zeit berücksichtigen, aber in gleichem
Maße die jugendlichen Kräfte, die be»
schranktere Zeit und sich darum vor allzu
hockgespannten Forderungen, vor Ueber«
bürdungen hüten." Diese Ansichten R.'s
stellen ihn als einen tiefdenkenden, die
Bedürfnisse der Zeit wohl erwägenden
und insbesondere praktisch tüchtigen
Schulmann dar. Unter diese seine prak»
tischen Arbeiten gehört vor Allem auch
daS von ihm im Jahre 4853 ausgear»
beitete, noch heute giltige Disciplinar-
gesetz für die Gymnasien von Steier-
mark. Kärnten und Kram. Wie ernst er
'eine Stellung auffaßte, davon gibt sein
häusiges Hospitiren am Gymnasium
seines Amtsfitzes zu Gratz Zeugniß, wo
'ein Erscheinen in den verschiedenen Clas-
'en fast Regel und sein Nichterscheinen
Ausnahme war. Dabei muß bemerkt
werden. daß sich R. den Forderungen
eines bei gewissenhafter Ausführung im
»ohen Grade auch körperlich anstrengen'
>en Berufes ungeachtet seiner bestand i-
zen Kränklichkeit — denn seit seinem
zwanzigsten Lebensjahre litt er an Blut»
usten — unermüdet und mit einer be-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Rhedey-Rosenauer, Volume 26
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Rhedey-Rosenauer
- Volume
- 26
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1874
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 436
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon