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und dem Namen des Autors zu fahnden.
Der dem Verfasser befreundete Baron
Cotta warnte Scherzer brieflich, vor«
sichtig zu sein. forderte ihn aber gleich-
zeitig auf, nur recht fteißig mit seinen
interessanten Mittheilungen fortzufahren.
Die von S. in jener Zeit in den Sitzungs«
berichten der mathem.>naturw. Classe der
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
veröffentlichten Arbeiten hatten die Auf.
merksamkeit des damaligen Finanzmini-
sters Freiherrn von Brück auf den Ver-
fasser gerichtet. Dieser, noch immer unter
den Eindrücken deS Kriegsgerichtes lebend,
war nicht wenig erstaunt, als er im
Jahre 1836 eines TageS die Einladung
zum Finanzminister erhielt. S., in der
Meinung, es sei ein Irrthum, ließ noch»
mals anfragen, ob nicht eine Personen«
Verwechslung stattfinde und vielleicht fein
Bruder, der Kaufmann, gemeint sei.
Baron Brück empfing S. auf das Wohl«
wollendste. Auszeichnendste und frug ihn:
ob er nicht geneigt wärs, die Fregatte
„Novara" auf ihrer bevorstehenden Reise
um die Erde zu wissenschaftlichen Zwecken
zu begleiten, sowie, auf welche Puncte
im Interesse der Wissenschaft und deS
Handels der Besuch der Fregatte aus«
gedehnt werden solle? Baron Brück
hatte eine Weltkarte vor sich und begann
eine längere Unterredung. Als S. im
Verlaufe derselben meinte, eS wäre wohl
am zweckmäßigsten, wenn er seine Ansichten
in einem Memoire zusammenfaßte und
dem Minister überreichte, willigte Baron
Brück ein und drei Tage später hatte
S. seine Denkschrift übergeben. Baron
Brück schickte dieselbe an Se. kais. Hoheit
Erzherzog Fe rd inand Max, damali-
gen Marine-Obercommandanten, nach
Dresden, wo sich eben der Erzherzog
anläßlich der Vermälungsftierlichkeiten
seines Bruders deS Erzherzogs Kar l Ludwig, befand. Eine Woche spätcr
erhielt S. die Aufforderung, sich zu Erz«
herzog Ferdinand Max nach Triest
zu begeben. Der Prinz empfing S. mit
den Worten: „Sie werden nun eine in-
teressante Reise machen". — „DaS hängt
ganz von der Gnade Euer kais. Hoheit
ab, ob die von mir gestellten Bedingun-
gen auch bewilligt werden", erwiederte
Scherzer. Nach einer kurzen Unter»
redung sagte der Erzherzog zu S.:
kehren Sie nun nach Wien zurück und
sprechen Sie mit dem Finanzminister.
Ihre Forderungen find im Vorhinein
bewilligt". Sie waren eben sehr beschei«
den. da Scherz er nur das Wissenschaft-
liche Interesse im Auge hatte. Er erhielt
einen jahrlichen Gehalt von 3000 fl.,
freie Verköstigung an Bord und Consuls.
rang mit dem Rechte zum Tragen der
entsprechenden Uniform. Vor seiner Ab»
reise besuchte S. noch München und Ber-
lin, um sich mit den hervorragendsten
Gelehrten über die wichtigsten zu lösenden
Aufgaben zu besprechen. Liebig , Mar-
t ins, Karl Ri t ter , Alex. von H um>
boldt schenkten dem österreichischen For-
scher die größte Theilnahme. Humboldt
widmete S. mehrere Tage zu wissen«
schastlichen Besprechungen und anerkannte
dessen rühmliche Bestrebungen im „Kos-
mos" (IV. Band) auf die ehrendste Weise.
Am 30. April 4837 ging die Expedition
unter Segel. Am 2. August 1839 kehrte
sie wieder zurück. Sie hatte während
dieser Zeit 298 Tage vor Anker und
531 Tage unter Segel zugebracht und im
Ganzen einen Weg von 51.686 Seemeilen
zurückgelegt. Die großartigen Leistungen
und Erfolge der Erpedition sind welt-
bekannt. Der von Scherzer bearbeitete,
auch in englischer und italienischer Sprache
erschienene beschreibende Theil der
Expedition hatte einen in der Geschichte
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sax-Schimpf, Volume 29
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Sax-Schimpf
- Volume
- 29
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1875
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 374
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon