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Schönfeld
Bei dem Haupteingange des Gartens
sieht man auf einem prächtigen Piedestal
den zwischen den Pragern und Zi^ka
geschlossenen Friedensschluß vorgestellt,
nebst dem Steinhaufen, womit er lMka)
den Störern desselben dm Untergang
drohte". Die Aufhebung so vieler Klo»
ster, Kirchen und Capellen zu Prag
und auf dem stachen Lande brachte
damals eine Unzahl von Kunstgegen»
ständen, Bildern und Büchern verschie.
denen Werthes um einen Spottpreis
zum öffentlichen Verkaufe. Ehe Künstler
und Kunstfreunde des Auslandes zu rei»
cher und wohlfeiler Beute nach Böhmen
kamen, war man mit der Uebeifülle der
Kunstwerke, die so spottbillig zu haben
waren und für deren Würdigung der
Sinn in der Heimat erloschen schien, so
schleuderhaft umgegangen, daß eö nichts
Seltenes war, eine Oebstlerin oder einen
Trödler in einer Bude sitzen zu sehen,
deren Wände und Decke aus alten Kir»
chenbildern oder aus Porträten von
Aebten und Aebtisfmen zusammengestellt
waren. Bald daraus geschah eS, daß in
einer verhängnißvollen Uebereilung die
nicht gewürdigten und neben einigem
Plunder eine Masse werthvoller Kunst»
gegcnstände und Alterthümer enthalten»
den Reste der berühmten Kunstkammer
Ruoolph's I I . aus einigen unterirdi-
schen Gewölben der Prager Burg, wohin
man sie bei der preußischen Belagerung
im Jahre 1787 salvirt hatte, in den
Burghof geschafft und dort am 4. Mai
1782 an den Meistbietenden versteigert
wurden. Einige wenige Trödler waren
diese Auctionirenden. Welche werthvolle
Gegenstände bei dieser Gelegenheit uer»
schleudert und für immer verloren wur>
den, läßt uns daS einzige Beispiel deö
Torso des Ilionäus ahnen. Dieses Herr»
liche antike Werk, jetzt die Zierde der Schönfeld
Münchener Glyptothek, wurde von den,
Trödler Zebräk, vul^o Laudon, um
48, sage fünf und vierzig Kreuzer
erstiegen! Der Ritter von Schönfeld
hielt unter den Trödlern eine reiche Nach»
lese und brachte Vieles auS der Rudolphi.
nischen Kunstkammer und auS den auf.
gehobenen Klöstern an sich und stellte
eine Kunst» und Euriositätenkammer zu»
sammen, welche bald unter dem Namen
deS „Schönfeld'schen Museums" einen
bedeutenden Ruf erhielt. Sinn für Alter»
thum und Kunst muß man dem Ritter
von Schönfeld nachrühmen, aber das
eigentliche Ve rs tändn iß fehlte
ihm, ebenso die nöthige Gewissen»
ha ft igkeit, wie die auS alten Eancio»
nalen und Manuscripten herausgeschnit»
tenen Miniaturen und die gewagte Be>
stimmung und willkürliche Benennung
einzelner Piecen noch heute beweisen.
Die bekannte Geschichte mit den angeb»
lichen Templerzeichen in den Fenstern
deö Annahofes, welche Schön feld selbst
malen ließ, muß den Besucher und Schätzer
des Schön feld'fchen Museums zur
Schärfung und Spannung seines kriti»
schen AugeS ermähnen. Anfänglich war
auch ein großes böhmisches, später allge»
mein österreichisches Adelsarchiu und die
Publication desselben im Plane. Schön»
feld selbst gab auf Grund seiner Urkun»
densammlung: „Mnimaliln M liiPlnlnnti-
«chen Genenlllgie dez Adel» üer Ü5ltrnichi«chen
Monarch!!" (Prag 1812) heraus. Nin
anderes Unternehmen, dessen Titel mir
entfallen ist, ging mit dem 1. Bande ein.
Im Jahre 1799 übersiedelte Ritter von
Schon feld sein ganzes Museum von
Prag nach Wien, wo eS zur allgemeinen
Besichtigung aufgestellt und von vielen
hohen und höchsten Herrschaften besucht
ward. Während des Wiener Eongresfes
im Jahre 18l8 erhielt S., der auch zu.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon