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!, Wenzel
des Wiener Volkstheaters aufging, besser,
ten sich
doch deßhalb seine nicht zu günstig
bestellten materiellen Verhältnisse nicht
im Geringsten. Car l verstand es, das
schüchterne Wesen des Komikerg, der sich
überdieß aus seinen früheren, nichts we-
niger denn glänzenden Engagements in
bedrängter Lage befand, gehörig auszu>
beuten, und Scholz bezog vom Antritte
seines Engagements im Jahre 1828 bis
zum Jahre 1849, also durch einund-
zwanzig Jahre, während welcher Zeit er
eben durch sein Spiel dem Director hun»
dert und hundert Taufende eingebracht,
eine Iahresgage von Sechszehnhundeit
Gulden. Im September 1833 richtete
Scholz wohl an Car l ein Schreiben,
worin er ihm feine Lage vorstellte und ihn
um Erhöhung seiner Bezüge bat. Car l
ober lehnte einfach ab. Scholzens
erstes Schreiben und das zweite nach der
Ablehnung bringt die „Morgenpost"
1888. Nr. 79 u. 80. im Feuilleton.
Beide geben einen tiefen Einblick in das
Miftre der Theaterwirthschaft Carl 's,
der Millionen bei feinem Ableben hin>
terließ und seinem ersten Komiker die
gerechte Forderung um Gagenerhöhung
rücksichtslos abschlug. AuS diesem Brich
wechsel entspann sich aber noch eine wei>
tere Controverse. Scholz hatte in sei«
nem zweiten Briefe eine Stelle gebracht,
in der er „von Carl 's vielleicht
sehr nahem Ende" sprach, und am
Schlüsse noch geschrieben: „Ich führe
Alles dieseS nicht an. Sie an Ihre Hand»
lungen g<egen mich zu erinnern, sondern
nur, um Ihnen die Gemüthsstimmung,
in welcher ich Ihnen jetzt meine Dienste
widmen muß, und meine Lage denkbar
zu machen, woraus mich nur Gob
tes Fügung (woran Sie zwar nicht
glauben) durch einenGewaltstreich,
mich oder Sie betreffend, ziehen i Wenzel.
kann, was ich der Zukunft anheim
stelle«. Der feige Carl klagte nun
Scholz bei Gerichte auf Grund der
vorerwähnten Stellen seine« Briefes an,
daß er ihm nach dem Leben trachte.
Scholz, und einem Menschen, und fel
es ein Carl , nach dem Leben trachten!
Die Geschichte ist komisch, aber wahr.
Am 23. Februar 1833 erschienen Car l
und Scholz vor Gericht. Scholz war
begreiflicher Weist ebenso über das nichts,
würdige Benehmen Carl'S gegen ihn,
wie endlich über diesen Verdacht in
höchster Erbitterung. Carl und Scholz
wurden so heftig gegeneinander, daß der
Commissär dazwischentreten und vermit>
teln mußte, endlich wurde Scholz ruhi-
ger und die,Sache ausgeglichen, nachdem
Carl eine Gehaltszulage ausgesprochen
hatte. I n Carl's Joche spielte Scholz
ununterbrochen bis zu dessen am 14. August
1854 erfolgten Ableben. In der Zwi«
schenzeit hatte er am 7. Mai 1831 das
23. Jahr seines Engagements bei Carl
festlich begangen und von Seite seiner
College« und deS PublicumS aus allen
Ständen die herzlichsten Beweise der
Theilnahme und seiner Beliebtheit em»
pfangen. Director Car l aber, als wollte
er sein unwürdiges Verhalten gegen S.,
der ein Vierteljahrhundert mit Nestroy
vereint seine beste Zugkraft gewesen und
ihm zu einem großen Theile jener
Millionen verholfen hatte, die er hin-
terlassen, einigermaßen gut machen,
halte ihm. und zwar dem Einzigen
unter seinen Schauspielern, in seinem
letzten Willen eine lebenslängliche Pen>
ston von jährlichen sechshundert Gulden'
und für den Fall, daß er vor feiner Frau
sterben sollte, dieser letzteren ein Witwett'
gehalt von jährlichen dreihundert Gulden
verschrieben. Eine neue, die goldene Zeit
brach für S cho lz an. nachdem Nestroy
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schnabel-Schrötter, Volume 31
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schnabel-Schrötter
- Volume
- 31
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon