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sellschaft zahlreiche Freunde, erwarb auch
an der dortigen Hochschule den juridi
schen. für Oesterreich freilich ungiltigen
Doctorgrad und wurde sogar von Fach»
mannern aufgefordert, sich als Privat«
Docent zu habilitiren, wozu sich jedoch
S.. der seine unabhängige Stellung jeder
anderm vorzog, nicht entschließen mochte,
selbst dann nicht. als der Iustizrath
Mar t i n über S.'S Beitrag zur Beur.
theilung des preußischen Strafgesetzent
wurfes sich auf das Vortheilhafteste aus
gesprochen und denselben als eine gedie
gene. ihren Gegenstand vollkommen er
schöpfende Arbeit bezeichnet hatte. Vor
derhan>d ließ S. mehrere politische Flug-
schuften erscheinen, in welchen er die
Fragen, ob Oesterreich deutsch, das Ver«
hältniß von Oesterreich und Ungarn u.
dgl. m. erörterte, wodurch sich natürlich
bald genug die Aufmerksamkeit, vorder-
hand wohl mehr Oesterreichs als Deutsch»
lands, auf den jungen Publicisten rich-
tete. Das sollte sich auch alsbald zeigen.
Die Stunde zur unfreiwilligen Rückkehr
nach Oesterreich hatte geschlagen. Der
kaiserliche Gesandte in Dresden verwei>
gerte ihm nämlich die Verlängerung sei«
nes abgelaufenen Paffes und überdieß
wünschte S.'s hochbetagte Mutter ihren
Sohn vor ihrem Ableben noch einmal zu
sehen. S. kehrte also nach Wien zurück.
Daselbst war seine Absicht, zunächst das
dramatische Feld zu betreten; aber es
sollte anders kommen. Kaum befand- er
sich in Wien, so entfaltete auch bereits
die Polizei ihre ganze Thätigkeit gegen
S., den sie im Verdacht hatte, Verfasser
des Buches: „Oesterreich im Jahre i843",
der er jedoch nicht ist. zu sein. Eines
Morgens fand bei ihm polizeilicherseits
eine strenge Hausdurchsuchung Statt, bei
welcher sämmtliche Papiere und Bücher
mit Beschlag belegt wurden. Verhaftet wurde er nicht, doch einem scharfen
Verhöre unterzogen. Die Untersuchung
dauerte mehrere Monate, dann wurde sie
fallen gelassen. Als zuletzt S. Ende
Jänner 1843 anfragte, ob er die Unter-
suchung als beendigt betrachten könne,
und wenn dieses der Fall, welches Resul»
tat sie denn gehabt, bekam er den echt
polizeilichen Bescheid, der nicht streng bei
der Sache bleibt, sondern sich
noch weitere
Vormundschaft anmaßt: die Untersuchung
sei wohl beigelegt und ihr Resultat sei
die Weisung, Dinge, wie sie in seinen
incriminicten Arbeiten vorlägen, nament»
lich Regierungsangelegenheiten, künftig»
hin nicht mehr zum Gegenstande seiner
schriftstellerischen Arbeiten zu machen,
widrigenfalls er sich der Gefahr aus»
setzen werde, daß man gegen ihn der
Strenge des Gesetzes vollen Lauf laffe.
Damit mußte S. sich zufriedengeben und
erhielt, als er einen neuen Paß in'S Aus«
land verlangte, ohne Anstand denselben.
So befand er sich denn Ende Februar
1843 wieder in Jena. Daselbst gab er
zunächst die Schrift: „Der Iefuitenkrieg
gegen Oesterreich" heraus, worin er alle-
Schuld der antiliberalen Regierungen
den Jesuiten zuschrieb, dadurch aber auch
das Einschreiten Oesterreichs gegen ihn
veranlaßte. Die Weimar'sche Regierung
stellte ihm bald die ihr von Oesterreich
zugekommene Weisung zu, daß er nach
Oesterreich zurückzukehren und einer neuen
Untersuchung sich zu stellen habe. Nun
dieses Mal fand S. eine Rückkehr in sein
Vaterland nicht für gerathen. Er unter»
ließ sie auch und antwortete mit der Her«
ausgäbe neuer Flugschriften über' die
politischen Verhältnisse der Mächte in
maritimen Fragen, über die preußische
Verfassung und zuletzt über den Deutsch«
Katholicismus, der in S. nicht nur einen
warmen Verfechter, sondern sogar einen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Schrötter-Schwicker, Volume 32
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Schrötter-Schwicker
- Volume
- 32
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1876
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon