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sercl 8ercl
als General'Lieutrnant der Reiterei berufen,
belagerte Leucate, mußte aber, ohne der
Festung Herr zu werden, die Belagerung
aufgeben. Wiederholt verwundet, starb er
zu Perpignan im besten Mannesalter. —
7. Johann Baptist Graf S lsiehe die be-
sondere Lebensskizze Seite !36).
8ercl (Icherzl), Vincenz (Linguist,
geb. zu Beraun am 28. Sept. 1843).
Das Gymnasium besuchte er auf der
Kleinseite.in Prag, nach Beendigung der
philosophischen Studien begann er jenes
der Rechte an der Prager Hochschule.
Früh bereits zog ihn das Studium der
Sprachen an, und als er noch im Gym«
nasium war, verwendete er alle freie Zeit
darauf und bildete sich darin meist allein
ohne Hilfe eines Lehrers. Wenn er über
die Straße ging und die Soldaten in
ihrer Muttersprache reden hörte, ließ er
sich sofort mit ihnen in's Gespräch ein.
um neue Ausdrücke und Sprachwendungen
zu erlernen. Die erste Sprache, welche er
sich aneignete, war die italienische. 8 ercl
befand sich damals. 1839, in der sechsten
lateinischen Schule. Da hörte er, als er
eines Tages aus der Schule nach Hause
ging,zwei Personen mit einander italienisch
sprechen. Als guter Lateiner glaubte er
die Sprechenden verstehen zu müssen. Er
hatte sich aber getäuscht — denn er ver-
stand nichts. Das verdroß ihn und er
warf sich mm mit allem Eifer auf das
Italienische, welches er innerhalb cineS
IahreS gründlich sich angeeignet hatte.
Nun machte er sich an die übrigen Spra«
chen und hatte bald das Französische,
Englische, Russische und Polnische
sich zu
eigen gemacht. AlS cr zum Studium der
Rechte in die Universität eintrat, verstand
er bereits zehn Sprachen. I n den ersten
zwei Jahren seiner Rechtsstudien benutzte
er seine Mußestunden zur Erlernung der
übrigen europäischen Sprachen, in den nächsten zwei Jahren machte er sich einige
orientalische und amerikanische Sprachen
eigen. Im October 1863 suchte er um
Aufnahme in die k. k. orientalische Aka-
demie an, welche ihm jedoch nicht gewahrt
wurde. Am 8. April 1866 war im Hause
des Adalbert Naprstek j^Bd. XX, S.83)
eine aus Personen verschiedener Stande
zusammengesetzte Gesellschaft beisammen,
vor welcher Vincenz sercl , zu jener
Zeit als gerichtlicher Stenograph beschäf«
tigt, eine Prüfung seiner Sprachkenntniffe
— welche damals 26 verschiedene Spra»
chen umfaßten — ablegen sollte. Das
treffliche Familenblatt „Daheim" beuch-
tet im Jahrgange 1866, S. 473, über
diesen Vorgang in ausführlicher Weise
und nur zu Gunsten unseres Candidaten.
Diesem Berichte ganz entgegen, melden
wenig Günstiges über 3.'s - Sprachen«
kenntniffe: die „Neue freie Areffe" 1866,
Nr. 606. im Artikel: „Der Prager
Mezzofanti". und die ,Presse" 1867.
Nr. 143. im Artikel: „Der böhmische
Mezzofanti". Am 3. Mai 1866 verließ
8. Prag und reiste nach 3ondon, um
dort im britischen Museum seine Sprach«
studien fortzusetzen. Dort konnte er seine
Sprachenkenntniffe auch bald bethätigen,
indem er bei der Einordnung der fremd»
sprachlichen Welke im Museum den dienst
thuenden Beamten aushalf. Von Ion«
don begab sich 8. nach St. Petersburg,
wo er gleichfalls seine Sprachstudien fort«
setzte und darin von einem Herrn von
Bykow wesentlich gefördert wurde.
Theils allein, theils mit den Söhnen
Bykow'S machte er Reifen in die ent»
ferntesten Gegenden des europaischen
Rußland und erweiterte seine Kentniffä
im persönlichen Umgänge mit Zappen,
Finnen, Samojeden, Kamtschadalen
u. s. w. Dann wieder nach 3ondon zurück-
gekehrt, vcrheirathete er sich dort mit
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon