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Seyler, Joseph Anton
eS machte sich anheischig: S.'S Frau
sammt dem Kinde auf seine, deS
Officiercorps Kosten nach Hause zu
bringen, und zu diesem Zwecke, wie zu
deren Unterhalt einige hundert Gulden
beizusteuern. S. ging jedoch darau
nicht ein. und eben durch Vermittlung
seines Gönners. deS oberwähnten Ober-
lieutenants, erhielt er endlich seine Ent>
laffung mit einem sehr ehrenvollen
Zeugnisse, und indem er vorher noch
einen tüchtigen Nachfolger besorgt hatte.
S. hatte mittlerweile die Stelle eines
Chordirectors in Ofen, womit zugleich
eine Professur der Musik verbunden war,
angenommen, und wirkte auf diesem
Posten in höchst ersprießlicher Weise volle
zwölf Jahre, als ihm 1808 der Antrag
wurde, die Stelle des RegenSchori an
der Metropolitankirche in Gran zu über»
nehmen. Die Bedingungen waren
genug günstig, um S. zur Annahme deS
Postens zu bestimmen, und indem ihm
der Ofener Magistrat das Bedauern
über sein Ausscheiden aus dem so gut
verwalteten Dienste aussprach, bevoll-
mächtigte er ihn, „einen Nachfolger, der
ihm keine Schande macht, selbst zu
wählen". Nachdem dieß geschehen,
übersiedelte S. nach Gran und wirkte
dort bis zum Jahre 1844. in welchem
sein Sohn als Nachfolger berufen wurde.
Noch 13 Jahre genoß der alte S. die
Ruhe, dann starb er, 76 Jahre alt.
Seyler hat ebenso als Militär-Capell»
meister. wie später als Chordirector in
Ofen und Regenschori in Gran auf das
verdienstlichste gewirkt, und sich zuvor»
derst in Ofen um die Förderung der
Kirchenmusik verdient gemacht. Als
Componteur war er ebenso beim Militär
wie später im Kirchendienst sehr fleißig
gewesen ; aber der größte Theil seiner fru-
heren Arbeiten, weil er darauf nicht Acht Karl
hatte, ist verloren gegangen. Später,
als er in Gran bedienstet gewesen, hat
sich MehrereS von seinen Kompositionen
bis auf den heutigen Tag erhalten. Im
Stich sind nur eine Messe, dann ein
Requiem und einige Lieder erschienen.
Die im Stich erschienene Messe ist die
„Installationsmesse" für den Primas
Rudnay (Wien. Diabelli) und das
Requiem hat Falter in München gedruckt.
Im Ganzen schrieb er acht Messen,
darunter auch die Installationsmesse
für den Fürst Primas Kopacsy;
ein paar dieser Messen bringt noch
immer sein Sohn. als Nachfolger in
seinem Amte, von Zeit zu Zeit zur
Aufführung; ebenso eines von den
zwei Misereren, welche S. componirt
und die von ergreifender Wirkung sind.
Ueberdieß mag die Summe seiner übrigen
kirchlichen Compositionen, als: Offer-
torien. Hymnen, Gradualen u. s. w.,
wohl über Hundert betragen. Weil er
aber, wenn man ihn um seine Arbeiten
bat. dieselben gern herlieh, so ist, da das
messte nicht mehr zurückgestellt worden.
Vieles verloren gegangen. Sein Sohn
Kar l , der ihm im Amte folgte, hat sich
als Componist einen sehr geachteten
Namen erworben (siehe die folgende
Biographie).
Neues Universal . Lexikon der Ton«
kunst. Angefangen von Dr. Iuliu6 Schlado
bach. fortgesetzt von Ed. Vernsdorf f
(Dresden. Nov. Bchafer, gr. »".) Nd. H l ,
S. osti).
y , Karl (RegenSchori zu
Gran und Componist, geb. in Ofen
!m Jahre l8l3.) Ein Sohn deS Graner
DomchorregenS Joseph Anton S..
»essen Lebensskizze so eben mitgetheilt
worden. Ka r l , der von frühester Iu«
gend Talent für die Musik zeigte, erhielt
>on seinem Vater auch die erste Anleitung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon