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Sicard, August 2ttä ) August
bürg. Der Tod hat sie Beide ein Iah
vorher von dem Schauplatz ihrer Thätig
keit entfernt, bevor sie den Bau vollende«
gesehen haben, der wie daS größte, so
auch daS letzte Werk ihrcS Lebens gewe
sen ist. Sie hatten das bitterste erfahrm
muffen, was Künstler erfahren können,
der schärfste Tadel gegen ihr Werk wal
ihnen nicht erspart, und nicht ein kleiner
Theil des Lobes ist ihnen während sie
lebten gespendet worden, den man wenig,
stens am Rande des Grabes auszuspre
chen so gerecht gewesen ist. Ja im Tode
liegt eine große versöhnende Kraft', weil
mau keine Rücksichten gegen Lebende mehr
zu beachten hat, so ist auch der Rück
sichtSlosigkeit der Boden unter den Füßen
entzogen worden. Es ist also, wie man
sieht, das Leben Beider eine echte Künst>
ler-, also Leidensgeschichte. Kehren wir
nun zu S icardsburg selbst zurück.
Die Studien seines BerufeS hatte S. in
Wien gemacht und dann auf Reisen uer-
vollständig:. Seine Jugendzeit fallt in
die Blüthezeit der Romantik, seine wärm-
sten Sympathien waren jenen Künstlern
zugewendet, die wie Moriz v. Schwind.
Ste in lc . IuliuS Hähnel im Kreise
der Romantiker die erste Stelle einneh»
men. Von diesem Gesichtspuncte be«
kämpften S. und sein Freund van der
Nü l l in ihrer Jugend Lehrmethoden
über Architektur, wie jene es waren, die
zu Nobile'S ^Bd. XX. S. 376^ Zeiten
an der Wiener Architecturschule herrschten,
ohne jedoch den künstlerischen Zug zu
verkennen, der in Nob ile's Wicken lag.
Aus denselben Gründen bekämpften sie
in späteren Jahren die in Wien wieder«
erwachendeGothik und dieRestaurations«
versuche des Klassicismus. S. war eine
Zeit lang Assistent am Wiener Polytech.
nicum, gab aber diese Stelle auf, als ihm
ein College, der die Tochter des damali- gen Directors zur Frau bekommen hatte,
als Professor vorgesetzt wurde. Kurze
Zeit diente S. auch bei den Uhlanen
und war seitdem ein leidenschaftlicher
Reiter, welche Passion er erst aufgab,
nachdem er sich bei einer Künstlerfahrt in
Rom den Fuß gebrochen hatte. Am
23. November 1843 wurde S. von dem
Rathe der Wiener k. k. Akademie der
bildenden Künste mit überwiegender
Stimmenmehrheit zum dritten provisori«
schen Professor der Architecturschule mit
dem Gehalte von 800 Gulden und einem
Quartiergelde von 100 Gulden ernannr
und diese Ernennung von dem damaligen
Präsidenten der Akademie, Fürsten Met«
ternich, am 26. December 1843 bestat«
tigt. Bei Regulirung der Professoren«
gehalte erhielt S. mit ah. Entschließung
vom 1. Jänner l832. gleich van der
Nül l und Rösner, 1200 Gulden Ge-
halt und 100 Gulden Quartiergeld und
das Vorrückungsrecht in die höheren Ge»
Haltskategorien von 1400 und 1600 Gul-
den nach zehn, beziehungsweise zwanzig
Dienstjahren. S. übernahm zu Anfang
der Fünfziger-Iahre gemeinschaftlich mit
van der Nül l beim Arsenalbau die
Commandantengebaude, Kasernen und
Depots; der große Plan Beider für die
Stadterweiterung erhielt einen Preis.
Ihr Concursplan für das neue Opern»
haus bestimmte die Regierung, den bei«
en Professoren die Ausführung dieses
Baues zu übertragen. Wie oben bemerkt
worden, daß sie in der Ausführung ihrer
Arbeiten gemeinschaftlich
sich stets
theilten,
u. z. daß S icard die Construction des
BaueS, van der Nü l l aber die Orna»
mentik, Fayade u. s. w. übernahm, so war
aSselbe bei dem Operntheater der Fall.
!llS Lehrer war S. namentlich in früheren
Jahren und mit nicht geringem Erfolge
thätig. Seine Vorträge im constructiven
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Seidl-Sina, Volume 34
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Seidl-Sina
- Volume
- 34
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 402
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon