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Man witterte, ob mit Recht oder mi
Unrecht, möge dahingestellt bleiben, über-
all Reaction, und so verlangten denn auch
die Präger Studenten, unter Führung
SladkovskF's, 2000 Stück Feuerge
wehre, 80.000 Stück Patronen, eine aus»
gerüstete Batterie und Entfernung aller
heimlich auf den Wyfsehrad, Lorenzberg
und andere verdächtige Orte geschlepp
ten Kanonen. Eine Deputation mil
SladkovskF- an der Spitze brachte
ihr Verlangen dem Fürsten Windisch-
gratz vor, welcher sie abschlägig beschied.
Als sich die Bewegung steigerte und der
Barricadenbau anging, war S. überall
voran und im Barricadenkampf einer
der furchtlosesten Kämpfer. Bei der dar
auf von Prag nach Wien entsendeten
Deputation, welche die Abberufung des
Fürsten W in d ischgratz und des Gra»
fen Leo Thun . damaligen Gubernial'
Präsidenten in Böhmen, verlangte, be<
fand sich auch Sladkovsk^-. Als nach
der Niederschlagung des Prager Auf-
standes S ladkovsk^ unter Men Per-
sonen sich befand, deren Auslieferung
Fürst Windischgratz forderte und
der Verhaftäbefehl gegen ihn erlassen
wurde, blieb S. in Wien, bis die uerän-
derte politische Situation ihm die Rück-
kehr nach Prag ermöglichte. Wahrend
seines Aufenthaltes in Wien, wo damals
die Bewegung im stetigen Steigen be»
griffen war, betheiligte sich auch S. an
verschiedenen politischen Schritten. Als
spater der Reichstag zusammentrat und
die Parteien sich zu sondern begannen,
schrieb er an das damals in Prag sehr
verbreitete Abendblatt („Vsösiiii list")
den denkwürdigen Brief, in welchem er
die öechischen Abgeordneten deS öfter-
reichischen Reichsrathes als noch mini-
sterieller als die Minister selbst denun»
cirte. Der Brief machte unter den Betheiligten böses Blut. Als dann der
October-Aufstand folgte, verweilte S. noch
einige Tage in Wien, kehrte darauf nach
Prag zurück und stellte sich selbst der am
Hradschin fungirenden kriegscechtlichen
Commission. Nach einem mit ihm uor-
genommenen Verhöre wurde S. seiner
Haft entlassen; die bald darauf von Kai-
ser Ferd inand ausgesprochene Arnn»
stie machte allen ferneren, aus Anlaß der
Psingsttoge vorgenommenen kriegsgericht«
lichen Verfolgungen ein Ende. Zu Be-
ginn des Jahres 1849 wurde S. in den
Ausschuß der äiovariL^a lipg. berufen
und vom Ausschusse des Studentenver-
eines zum Vice-Präseä ernannt, worauf
er anlaßlich der Fahnenweihe des Stu-
dentencorps im großen Saale des On-o-
lirmms in gewohnter Weise eine zündende
Rede hielt. Als dann nach neuerlicher
Verhangung des Belagerungsstandes
über Prag in der Nacht vom 10. Mai
mehrere Verhaftungen Statt halten, be-
fand sich auch S. unter den Verhafteten
und wurde auf den Hradschin gebracht.
Zwei Jahre wahrte die kriegsrechtliche
Untersuchung auf dem Hradschin. ohne
über den. Gang der Untersuchung irgend
einen Aufschluß zu bringen; zweimal ging
das Gerücht S. sei gestorben, der indessen
nur zu wiederholten Malen in schweie
Krankheit versallen war, als endlich am
20. August 1830 die Zeitungen die kriegs»
rechtlichen Urtheile zu veröffentlichen be-
gannen und eines derselben Kar lS lad -
ko vskF betraf, der wegen HochverratheL
um Tode durch den Strang verurtheilt
wurde, welches Urtheil jedoch ah. Gnade
!n. zwanzigjährigen schweren Kerker um-
gewandelt hatte. Wenige Tage nach«
her wurde S. auf die Festung Olmütz
überfuhrt, wo er in den Kasematten des
Katharinenthores sechs Jahre schmachtete.
In diesem Kerker wurde er mit mehreren
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Volume 35
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Sinacher-Sonnenthal
- Volume
- 35
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 388
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon