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Solms-Zraunftls 266 Solms-Draunfels
das Aß herauszuschießen, bestand aus der
Pistole. Es ist dieser ganze Vorgang, da
der Graf der ursprüngliche Beleidiger
war. ein so eigenartiger, daß er zu tiefem
Nachdenken und sonderbaren Schlüssen
auffordert. Ueber den Vorgang des
Duells lauteten die Berichte verschieden.
und die über den Ausgang desselben
bestürzten Secundanten stimmten selbst
nicht in den Angaben überein. Der Prinz
wußle. was ihm bevorstand, ging aber
mit Ruhe seinem Tode entgegen. Er
selbst wollte kein Blut an seiner Hand
haben — das Bewußsein davon tröstete
ihn noch auf dem Sterbebette — und er
erklärte seinem Secundanten, daß er (ob-
wohl gleichzeitiges Scbießen ausgemacht
war) den Schuß des Gegners erwarten
werde, und solle es stch ereignen, daß
derselbe ihn fehle, so werde er in die Luft
schießen. Rasch ging er nach dem Com»
mando die fünf Schritte zur Barriöre
vor und stellte sich ruhig auf, den Arm
und den Lauf der Pistole nach oben ge»
richtet. Die tödtliche Kugel ließ nicht auf
sich warten; sie zerschmetterte ihm den
Brustknochen und blieb im rechten 3un-
genstügel sitzen. Er brach zusammen.
Uebereinstimmend mit diesem Berichte
erzählt ein zweites Blatt: Wenige Minu-
ten vor dem Anstellen zum Zweikampf
versicherte er — edelmüthig wie immer
— einem der ihn begleitenden Aerzte,
daß er seinem Gegner den ersten Schuß
überlasse, und im Falle dieser einen Fehl-
schuß machen 'sollte, er die eigene Waffe
in die Luft feuern wcrde. „Doch ich
zweiste, daß Ersteres geschehen werde",
fügte der Prinz schnell bei, „denn mein
Gegner ist ein schr guter Schütze und
rücksichtslos". Nach anderer Version
über den Vorgang beim Duell wäre der
Prinz, nachdem daS Zeichen gegeben war.
fünf Schritte vorgegangen, hatte dann salutirt und wäre im nämlichen Augen-
blicke von der tödlichen Kugel des Geg-
ners getroffen worden. Ob die Salu«
tirung gegenüber dem älteren Ofsicier
eine Courtoisie vor dem Schuffe sein sollte,
oder ob Prinz SolmS sich nur dem
Gegner zum Schuffe prasentirte und viel-
leicht überhaupt nicht die Absicht hatte,
zu schießen, dürfte wohl für immer ein
Räthsel bleiben. Auffallend bleibt eS
immerhin, daß er sich nach der Lage des
empfangenen Schuffes in voller Front
aufstellte. waS ein erfahrener Schütze im
Duell nie thut, vielmehr nur die rechte
Seite dem Gegner zukehrt und die Kopf-
und Herzlinie mit Arm und Pistole zu
decken sucht. Prinz SolmS hatte, als
er sich tödtlich verwundet fühlte, noch so
viel Kraft, daß er. sich umwendend, zu
seinen Begleitern sagen konnte: „Ich
danke Ihnen, meine Herren!" Darauf
stürzte er zusammen. Interessant ist daS
Verhalten des Prinz kurz vorher, ehe ec
sich zum Duell begab. Er fuhr nämlich
von seiner Wohnung im Arsenal, in
eigener Equipage und selbst kutschirend,
nur von einem Diener begleitet, nach dem
Kampfplatz. Bevor er seine Wohnung
im Arsenal verlassen hatte, beschenkte er
den manipulirenden Feuerwerker seiner
Compagnie mit 4000 Gulden in Bank»
noten und bemerkte hiebei, daß dies viel»-
leicht das letzte Geschenk sein werde. daS
er gebe. I n seinem Schreibzimmer hinter-
ließ der Prinz ein von ihm eigenhändig
abgefaßtes Testament. Von feinen Be-
sitzungen bezog der Prinz eine jährliche
Rente von 84.000 Gulden. Die Kugel
durchbohrte den Brustkorb fast in der
Mitte und blieb in der Leber stecken, von
wo sie am Tage des Duells um 2 Uhr
Nachmittags unter großen Schwiecigkei-
ten herausgenommen wurde. Wahrend
derOperation lebte der Verwundete noch.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Sinacher-Sonnenthal, Volume 35
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Sinacher-Sonnenthal
- Volume
- 35
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 388
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon